Geliebt, gefeiert und schon zu Lebzeiten zum Mythos verklärt – Alain Delon ist fraglos einer der ganz Großen des Kinos. Wenn der französische Schauspieler am Sonntag seinen 80. Geburtstag feiert, kann er auf rund 90 Filme zurückblicken. Der Star, der in den 1960er Jahren mit seinem Charisma die Leinwände eroberte, arbeitete in seiner langen Karriere mit Regielegenden wie Luchino Visconti, Michelangelo Antonioni oder Jean-Luc Godard.
Doch neben den Höhen kannte Delon in seinem bewegten Privatleben auch einige Tiefpunkte. «Ich war für den Erfolg gemacht, nicht für das Glück. Das geht nicht zusammen», sagt Delon heute. Er liebte den Ruhm, doch zunehmend wurde ihm die ständige Aufmerksamkeit auch zur Last, da sie ihn hinderte, ein normales Leben zu führen. Der Schauspieler, dessen kantiges Gesicht heute von Falten gezeichnet ist, ist ein Einzelgänger, der manchmal von sich in der dritten Person spricht.
«Engelsgesicht»
Für seine Filme geliebt und bewundert, sorgt Delons offene Sympathie für die Rechtsextremen auch für Kritik. Am 8. November 1935 in Sceaux bei Paris geboren durchlebt Alain Delon eine unruhige Kindheit nach der Scheidung seiner Eltern. Mit 17 Jahren geht er zur Marineinfanterie, mit der er vier Jahre lang im Indochina-Krieg kämpft. Zurück in Paris treibt er sich im Künstlerviertel Saint-Germain-des-Prés herum, wo er bald von Yves Allégret für seinen Film «Killer lassen bitten» engagiert wird. Sein «Engelsgesicht» und seine blauen Augen bannen das Publikum und sichern ihm rasch weitere Rollen.
Bald ist Delon zu sehen in René Clements Thriller «Nur die Sonne war Zeuge» sowie in Viscontis «Rocco und seine Brüder» und «Der Leopard», die zu Klassikern der Filmgeschichte werden. Es folgen in dichter Folge weitere Erfolge wie die Kriminalfilme «Der eiskalte Engel» und «Vier in einem Kreis» von Jean-Pierre Melville, die Delons Bild als geheimnisvoller, einsamer Kämpfer prägen. Weitere Höhepunkte sind «Der Swimmingpool», in dem Delon an der Seite von Romy Schneider spielt, sowie «Borsalino» mit Jean-Paul Belmondo.
Kriminalfall
Nach zahlreichen Rollen in Gangsterfilmen findet sich Delon im Oktober 1968 diesseits der Leinwand in einen Kriminalfall verwickelt: Die Ermordung seines Vertrauten Stevan Markovic bringt den Schauspieler ins Visier der Justiz. Es wird über eine Drogenaffäre und über manipulierte Fotos spekuliert, um die Ehefrau des damaligen Premierministers Georges Pompidou zu kompromittieren. Die Verbindung in die höchsten Sphären der Politik schlägt hohe Wellen, doch wird der Fall im Januar 1976 eingestellt.
Der Superstar ist stets von den Frauen umworben und hat zahlreiche Liebesaffären – nicht zuletzt mit der jungen Romy Schneider, die er bei einer Theaterinszenierung Viscontis kennenlernt. «Aus ihnen, dem Blick meiner ersten Frau Nathalie, über Romy (Schneider), Mireille (Darc) und die Mutter meiner Kinder (Rosalie van Breemen), zog ich meine Motivation zu sein, was ich war, zu machen, was ich tun musste», sagt Delon, der heute mit zahlreichen Hunden auf einem weitläufigen Anwesen in der Loire-Region in Zentralfrankreich lebt.
In den 80er Jahren beginnt sein Stern zu sinken. Delon arbeitet vermehrt als Regisseur und Produzent, doch sehnt er sich nach den goldenen 60ern und beendet schließlich seine Filmkarriere 1999. Mit wenigen Ausnahmen tritt er nicht mehr vor die Kamera und widmet sich stattdessen dem Sammeln von Kunst, Wein, Uhren und Waffen. Auch wenn Delons Sympathie für den Gründer der rechtsextremen Front National, Jean-Marie Le Pen, zuletzt an seinem Image kratzte, bleiben seine Auftritte auf der Leinwand unvergessen.
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