Donnerstag15. Januar 2026

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Überzogene Charaktere und viele Klischees

Überzogene Charaktere und viele Klischees

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Berlin und die 64. Berlinale zeigen sich von ihrer besten Seite. Super Wetter, ein bisschen kalt, aber angenehm für die Jahreszeit, kaum Regen und schon gar kein Schnee.

Ideale Voraussetzungen für einen Spaziergang rund um den Potsdamer Platz. Leider lassen sich die wenigsten Stars draußen blicken.

Logo" class="infobox_img" />Tilda Swinton

Der internationale Durchbruch gelang der heute 53-jährigen Tilda Swinton mit Sally Potters „Orlando“ im Jahre 1992. In diesem Film, der auf der gleichnamigen Buchvorlage von Virginia Woolf basiert, zeigte sich die Vorliebe der schottischen Schauspielerin für ein exzentrisches, abseits des Mainstreams situiertes Kino. Im Independent-Kino sieht Swinton ihre größte Herausforderung: Exzentrische Figuren, radikale Inhalte und extreme politische Statements, damit könnte man Tilda Swinton fast perfekt beschreiben. So verwundert es denn auch nicht, dass sie Regisseuren wie Derek Jarman oder Christoph Schlingensief über Jahre hinweg die Treue hielt.

Gänzlich unbekannt ist sie dem Mainstream-Publikum allerdings nicht. In den letzten Jahren sah man sie in „The Chronicles of Narnia“, „Burn After Reading“ oder „Michael Clayton“ (hierfür gab es einen Oscar) oder auch „The Curious Case of Benjamin Button“. In Berlin ist sie gleich in zwei Produktionen zu sehen, oder eher kaum wiederzuerkennen. Zum einen im Eröffnungsfilm als 80-jährige reiche alte Adelige und in „Snowpiercer“ als eine der privilegierten Mitreisenden. Swinton hat sich im Laufe der Jahre den wohlverdienten Ruf einer exzellenten Schauspielerin erarbeitet und ihre Auftritte bei Festivals oder Premieren sind hochgeschätzt, reflektieren sie doch Swintons Vorliebe für alles Grelle und Schrille. Bei der Berlinale trug sie zum Frack Sandalen dekoriert mit Plüschflügeln.

Demnächst kann man sie in einer weiteren ausgefallenen Rolle sehen, als exzentrischer Vampir in „Only Lovers Left Alive“ von Jim Jarmusch.

Web:
www.berlinale.de

Das nordeuropäische Kino schickt seit Jahren hochwertige Filme bei internationalen Festivals ins Rennen. Der gute Ruf des nordischen Kinos steht klar in Zusammenhang mit einem Namen: Stellan Skarsgard. „Kraftidioten“ heißt der neuste Film mit dem schwedischen Star, der hier wie gewohnt wortkarg in Erscheinung tritt. International wird der Film unter dem Titel „In Order of Disappearance“ vertrieben und frei nach dem Lied 10 kleine Negerlein werden hier die Bösen der Reihe nach ins Jenseits befördert. Ein tiefschwarzer Blick auf die Gesellschaft vor dem Hintergrund der schneeweißen norwegischen Landschaft. Ein Vater recherchiert die Todesumstände seines Sohnes, und da die Polizei den Fall zu den Akten gelegt hat, ist es am Vater, zu handeln.

Applaus

Für Regisseur Hans Petter Moland ging es darum, eine Geschichte von Rache zu erzählen: „Rache ist ein primitives, aber doch sehr menschliches Bedürfnis. Als Kind wollte ich mich rächen. Aus Rache würde Gerechtigkeit entstehen, das war meine Hoffnung. Ich stellte mir vor, die Dinge wieder zurechtzurücken, sie wieder in Ordnung zu bringen, indem ich Vergeltung übte. Wir alle wissen, dass so etwas nicht vorkommt. Statt Gerechtigkeit bekam ich nur wiederum Vergeltung und unkontrollierbare Gewalt zurück.“

Überzogene Charaktere, gestandene Männer, die sich wie Kinder benehmen, und jede Menge Klischees, über die man sich lustig macht: Der erste Wettbewerbsfilm, bei dem die Presse am Montagmorgen begeistert Applaus spendete.

Ganz ähnlich positiv kam am Montag auch der spannende Thriller „The Two Faces of January“ beim Publikum an. Frei nach einer Erzählung von Patricia Highsmith entführt der Film uns in die 60er Jahre nach Griechenland. Vor der Kamera Viggo Mortensen, Kirsten Dunst und Oscar Isaac. Dahinter Hossein Amini, der Drehbuchautor von „Drive“, der hier zum ersten Mal den Job des Regisseurs übernimmt. Eine Story um Mord und Betrug, wie Alfred Hitchcock sie nicht hätte besser in Szene setzen können.

Unglaublich spannendes Abenteuer mit perfektem Timing und hervorragenden Schauspielern. Klassisches Unterhaltungskino vom Feinsten. Nach Luc Feits Mini-Auftritt in „The Monuments Men“ standen der Montag sowie der Dienstagabend ganz im Zeichen der luxemburgischen Beiträge. Einerseits der Öko-Animationsfilm Tante Hilda, koproduziert von „Mélusine Productions“, die momentan mit „Ernest et Célestine“ dem Oscar entgegenfiebern, sowie „Fieber“, die luxemburgisch-österreichische Produktion unter der Leitung von Amour Fou, und dann wäre da noch der alljährliche Empfang in der luxemburgischen Botschaft.