Martin Suter ist unterwegs. Für sieben Monate hat sich der Starautor im Frühjahr nach Asien verabschiedet. Recherchen für einen neuen Roman? Ein exotischer Fall für den Laienkriminologen und Gentlemangauner Johann Friedrich Allmen? «Nein, es ist eine Erholungsreise von meinen bisherigen Romanen», klärte Suter im Diogenes-Magazin auf.
" class="infobox_img" />Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes. (dpa)
Die Auszeit hat er sich verdient. Seit Wochen hält sich sein neuer Allmen-Krimi in den Bestseller-Listen. Suters Welthit «Der Koch» wird gerade mit Jessica Schwarz («Das Parfum», «Romy») verfilmt. Und aus seiner Krimi-Reihe entsteht eine Fernsehserie mit Sebastian Koch («Das Leben der Anderen») als Allmen.
Autor lässt Kassen klingeln
Klar, so laut wie Suter lässt kein anderer Schweizer die Kassen der Buchhändler klingeln. In diesem Jahr wird es aber nichts Frisches mehr von ihm zu kaufen geben. Der nächste Allmen-Krimi kommt 2014 – zeitgerecht zur Leipziger Buchmesse. Spitzenthema wird dabei im März die eidgenössische Literaturszene sein. Wer es bislang vielleicht nur ahnte, kann sich beim «Auftritt Schweiz» überzeugen, dass Deutschlands kleines Nachbarland großartige Schriftsteller hat.
Das zeigen vorher schon eine Reihe von Neuerscheinungen im Sommer und Herbst 2013. Darunter «Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer». Den neuen Roman von Alex Capus, dessen Lesergemeinde seit Jahren wächst, bringt der Münchner Hanser-Verlag Ende Juli in der beachtlichen Startauflage von 100 000 Exemplaren auf den Markt.
«Leichtes Erzählen»
Capus hat in einem leichten Erzählstil, den der Verlag durchaus treffend als «faktenreiches Träumen» bezeichnet, auf der Basis gewissenhafter Recherchen Schicksale dreier ganz unterschiedlicher Menschen in der bewegten ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dargestellt: des Zeichners Emile Gilliéron, der Sängerin Laura d’Oriano und des Atomphysikers Felix Bloch. Dabei ist ihm ist das Kunststück gelungen, drei einprägsame Romane in einem zu schreiben.
Mit 28 Jahren gehört der in Genf geborene frankophone Autor Joël Dicker zu den Zukunftshoffnungen der Schweizer Literatur. Bei Piper (München) erscheint Mitte August sein Roman «Die Wahrheit über den Fall Harry Querbert» – eine raffiniert gestrickte Story über einen Schriftsteller, der tatsächlich eine Leiche im Garten hat.
Viel Lob
Ähnlich wie Dicker hatte auch Isabelle Flükiger (34) bislang vor allem im französisch-sprachigen Teil der Eidgenossenschaft sowie im benachbarten Frankreich Erfolg. Inzwischen ist ihr ebenso ironischer wie verzweifelter Roman «Bestseller» – ihr viertes Buch – auf Deutsch erschienen (Rotpunktverlag, Zürich) und mit viel Lob bedacht worden.
Zu den Besonderheiten und zugleich zu den Schwierigkeiten der Literatur in der Eidgenossenschaft gehört, dass sie eine politische Willensnation aus vier Sprach- und Kulturräumen ist. Eine Schweizer Nationalliteratur gibt es genau genommen nicht. Dafür aber eine Vielfalt an Kulturen und Literaturen in deutscher, französischer, italienischer und rätoromanischer Sprache – mit noch mehr Dialekten und teils erstaunlichen Mentalitätsunterschieden.
Internationaler Ruhm
«Literarischen Ruhm genießt im Lande auf die Dauer nur, wer ihn auch außerhalb genießt», sagte einmal Peter von Matt, der wichtigste Germanist unter den Autoren der Schweiz. Mit rund acht Millionen Menschen hat sie etwa so viele Einwohner wie Niedersachsen – und dennoch eine große Zahl bedeutender Schriftsteller deutscher Sprache hervorgebracht.
Umso erstaunlicher, dass nach Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt zuletzt vor fast 20 Jahren mit Adolf Muschg ein Schweizer den Georg-Büchner-Preis erhielt, die bedeutendste Literaturauszeichnung der Bundesrepublik sowie im deutschen Sprachraum. Als würdiger Anwärter gilt manchem in der Deutsch-Schweiz längst auch Urs Widmer. Der 75-Jährige hat in seine Werken individuelle Schicksale mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts verknüpft. Ende August erscheint bei Diogenes seine Autobiografie «Reise an den Rand des Universums».
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