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Humor ist, wenn man trotzdem lacht

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Geboren zu werden ist nicht schwierig, sterben sogar einfach und das Leben zwischen diesen beiden Ereignissen ist auch nicht wirklich unmöglich. Man muss nur die richtigen Regeln befolgen.

Vor über hundert Jahren schrieb eine selbst ernannte Baronin (La Baronne Staffe, geborene Blanche Soyer), die „Régles du savoir-vivre dans la société moderne“ nieder und landete damit einen Bestseller. 1994 kramte der französische Autor und Regisseur Jean-Luc Lagarce das Buch wieder hervor und verwandelte es in ein Theaterstück für eine Person.

Les règles du savoir-vivre dans la société moderne
Jean-Luc Lagarce

Mit: Valérie Bodson
Regie: Jérôme Konen
Dramaturgie: Daliah Kentges
Maske und Kostüme: Joël Seiller

Aufführungen:

• 28. November um 20 Uhr im Kulturhaus Niederanven
Tel.: (+352) 26 34 73 – 1
[email protected]
www.khn.lu

• 25. und 26. April, 20 Uhr in der Kulturfabrik Esch
Tel.: (+352) 55 44 93-1
[email protected]
www.kulturfabrik.lu

Jetzt haben Jérôme Konen und Valérie Bodson das für Lagarce so typisch handlungsarme und auf den Text konzentrierte Stück auf die Bühne des Kulturhauses in Niederanven gebracht und vielen Theaterfreunden damit einen vor allem lustigen Abend geschenkt.

Das ist nun mal so. Hahaha!

In hässlichen, aber bequemen Turnschuhen und wie aus Rotes- Kreuz-Containern zusammengesuchten Klamotten betritt Valérie Bodson die absolut minimalistisch eingerichtete Bühne des Kulturhauses. Doch sobald sie den Mund aufmacht, hat sie jede Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Mit einem leicht debilen Lachen entblößt sie ihre schwarzen, löchrigen Zähne (Maske: Joël Seiller) und legt los: Wie man Patentante und Patenonkel auszusuchen habe, sobald sich ein Kind ankündige, wie die Sitzordnung bei der Taufe, der Kommunion, der Hochzeit, der silbernen Hochzeit und der goldenen Hochzeit aufgestellt sein müsse und welche Kleiderordnung dann, letztlich, bei Beerdigungen zu respektieren sei. Eigentlich komme man ganz einfach durchs Leben, man müsse nur die richtigen Regeln befolgen. Einsam bleibe man trotzdem. Das sei nun mal so. Hahaha!

Valérie Bodson ist in dieser guten Stunde wirklich beeindruckend. Der Zuschauer wird nicht nur Zeuge ihres wunderbar komischen Talents, sondern vor allem auch ihrer Wandelbarkeit. Zu Anfang spielt sie noch eine Pennerin, eine Frau von der Straße. Sie spricht mit belgischem Akzent, der wie gemacht für die ohnehin direkte Sprache Lagarce’ zu sein scheint.

Doch je weiter die von ihr zu gebende Lektion voranschreitet, desto stärker verwandelt sich die Schauspielerin in eine Bobos, samt immer stärker näselnder Aussprache und immer affektierter wirkender Gestik. Eine, die weiß, wie es geht, eine, die den anderen Lektionen erteilen kann.

Jérôme Konen macht genau das Richtige: Er verzichtet auf auffallende Regieeinfälle, pompöse Bühnenbilder oder markante Brüche. Er lässt den Text einfach laufen.

Mit Altersflecken und Falten spielendes Licht

Kleine Accessoires, wie die aus der Plastiktüte hervorgekramten schwarzen Stöckelschuhe, reichen aus, um die Verwandlung äußerlich zu unterstreichen und gleichzeitig den berühmten Schein, der das Sein ersetzt, zu demaskieren. Das mit den künstlichen Falten und Altersflecken auf dem Gesicht der Schauspielerin spielende Licht ist ein weiteres Detail, das die Aufführung zu einer subtilen und dadurch so wirksamen Abrechnung mit den Ritualen der modernen Gesellschaft macht.

Diese Produktion ist die dritte Zusammenarbeit von Jérôme Konen und Valérie Bodson. Hoffentlich werden es noch viele mehr.