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Er kann’s noch!

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Er braucht keinen Firlefanz, keine Bühnenshow. Drei blaue und drei rote Scheinwerfer, die vor dem schwarzen Bühnenvorhang für eine dezente, intime Beleuchtung sorgen, sind alles.

Davor ein Gitarrenständer und einerfürs Mikrofon: Hannes Wader on Tour. Am Montagabend machter der legendäre Liedermacher in Esch Station.

Zur Person

Hannes Wader wurde am 23. Juni 1942 in Bielefeld-Gadderbaum geboren. Zunächst bekannt geworden als sozialkritischer Chansonnier, der Einfluss auf die Studentenbewegung ausübte, wandte sich Wader später dem traditionellen deutschen und plattdeutschen Liedgut zu.

Seit Ende der 1970er Jahre trat er auch bei zahlreichen politischen Veranstaltungen auf. Arbeiterlieder und sozialistische Hymnen machten damals einen wichtigen Teil seines Repertoires aus. Seit den 1990er Jahren interpretiert Wader verstärkt Werke von Dichtern früherer Epochen wie Joseph von Eichendorff und Carl Michael Bellman. Als sein wohl bekanntestes Lied gilt «Heute hier, morgen dort».

Wader wurde 2013 mit dem Ehren-Echo für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Er kann es immer noch! Bart und Kopfhaar sind ergraut, Falten durchfurchen das Gesicht. Doch die unverwechselbare Stimme ist kraftvoll wie eh und je. Hannes Wader, mittlerweile 72 Jahre alt und erst im vergangenen Jahr mit einem Echo für sein Lebenswerk geehrt, schafft es immer noch, sein Publikum zu begeistern. Und das setzt sich inzwischen aus gleich mehreren Generationen zusammen, wie am Montag auch im nahezu ausverkauften Escher Stadttheater ersichtlich war. Zugegeben, die Ü-50-Fangemeinschaft überwog, doch in allen Reihen konnte man auch jüngere und junge Liebhaber seiner Musik ausmachen. Genauso wenig wie seine Stimme gelitten hat, trotz – laut eigener Aussage – mehr als 40-jähriger Gitanes-ohne-Filter-Vergangenheit (davon gleich 80 Stück am Tag!), klingt auch seine unverkennbare Gitarrentechnik immer noch so ausgefeilt wie damals, in den 1960er Jahren, als Waders Karriere begann.

«Heute hier, morgen dort»

Tradition verpflichtet. Auch in Esch erklingt als erstes sein wohl bekanntester Klassiker: Mit «Heute hier, morgen dort» stimmt der Mann auf der Bühne sein Publikum auf den Abend ein. Seit 1972 ist das so. Nur einmal, zu Anfang des neuen Jahrtausends, wechselte er – weil es ihm zu eintönig wurde – zu «Gut wieder hier zu sein».

Doch das Publikum schien sich damit nicht so recht anfreunden zu wollen, weshalb Wader wieder kurzfristig zu dem längst zur Hymne avancierten Stück zurückwechselte. «Heute hier, morgen dort» hat absoluten Kultstatus, modernen Volksliedcharakter und der Titel ist längst zu einem geflügelten Wort bei unseren Nachbarn jenseits der Mosel geworden. Es sollte nicht der einzige Klassiker sein, der an diesem Abend in Esch erklang. Viele stammten aus der eigenen Feder, andere hat er sich ausgeliehen, wie «Le déserteur» von Boris Vian, das für so manche Gänsehaut sorgte. Doch Wader, der aktiv ist wie eh und je und bereits im kommenden Februar ein weiteres Album (sein mittlerweile 43., zieht man gemeinsame Produktionen beispielsweise mit Konstantin Wecker mit in Betracht) herausbringt, stellte am Montag auch eine ganze Reihe neuer Titel vor.

«Sag mir, wo die Blumen sind»

Manche, die einen zum Lachen bringen, andere, die zum Nachdenken anregen. Wader kann’s noch: Auch seine neueren Texte sind oft bissig und ironisch, ab und zu ernst und melancholisch. Sie treffen den Zeitgeist, lassen Platz für Hoffnung und Zuversicht, ohne dabei dem Kitsch zu verfallen. Große Poesie, musikalisch untermalt, meisterlich dargeboten von einem der bedeutendsten Vertreter der Zunft der deutschsprachigen Liedermacher. Da verzeiht man gerne schon mal winzige Textlücken. 72 Jahre sind nun mal 72 Jahre … Und etwas Anlaufzeit braucht man in diesem Alter auch schon. Aber wenn der Motor bis läuft, dann läuft er.

Nach den ersten 45 Minuten machte der Künstler erst mal Pause. Und nach dieser lief Hannes Wader zur Höchstform auf. Sein Publikum dankte es ihm mit langanhaltendem Applaus zwischen den einzelnen Stücken. Und als sich der Liedermacher, der bereits öfters in Luxemburg zu Gast war, nach gut anderthalb Stunden verabschieden wollte, ließ es ihn nicht so ohne Weiteres gehen. Insgesamt vier Zugaben folgten.

Als erstes «Schon so lang», ein Klassiker aus dem Album «7 Lieder» von 1972. Und als letztes dann ein Stück, bei dem der ganze Saal der Aufforderung des Künstlers Folge leistete und mitsang: «Sag mir, wo die Blumen sind», die deutsche Übersetzung von Pete Seegers «Where have all the flowers gone» aus dem Jahr 1955. An Aktualität hat auch dieses Lied 2014 leider an nichts eingebüßt …