Sie tanzt grazil wie eine Elfe und spielt dabei Geige. Immer hat sie ein Lächeln auf den Lippen. Sie weiß, sich bei ihren Fans einzuschmeicheln und ist in zahllosen Musikrichtungen, von Klassik über Musical bis hin zum Hip-Hop, zu Hause. Das Talent von Lindsey Stirling kennt offenbar keine Grenzen. Am Mittwoch schenkte die junge Amerikanerin ihren Fans in Luxemburg ein grandioses Konzert, das den vielen Fans, die nach Belval gekommen waren, noch lange in Erinnerung bleiben wird.
" class="infobox_img" />Lindsey Stirling begeisterte ihr Publikum am Mittwochabend. (Bild: Martine May)
Dabei ist es ihr gelungen, den richtigen Mix zu finden aus eigenen Stücken von ihrem nach ihr selbst benannten Debüt-Album und Cover-Versionen, die nicht auf dem Album enthalten sind und die sie im Lindsey-Stil interpretierte. So konnte sie etwa bei ihrem Michael-Jackson-Medley unter Beweis stellen, dass sie nicht nur ihren eigenen Tanzstil mit den ballettartigen Pirouetten, den Beugen und Hüpfern, sondern auch den Moonwalk des King of Pop beherrscht, und währenddessen sogar noch Geige spielen kann.
Kostüme und Stimmung
Während ihrer Show zog sich Lindsey mehrmals um und passte ihre jeweiligen Kostüme der jeweiligen Stimmung der Songs an: mal mit weißem Festkleid, mal mit schwarzer Kapuze mit kupferfarbenem Ornament. Entgegen der tollen Outfits, die Lindsey während ihrer Tour benutzt, ist die Bühne nur spärlich dekoriert. Eine kleine Videowand, auf der Clips gezeigt werden, ein paar Seifenblasen und ein bisschen Schaum genügen ihr und ihren beiden Musikern, um die Bühne zu füllen.
Lindsey Stirling ist im Internet längst ein Phänomen. Ihr YouTube-Kanal hat 2,5 Millionen Abonnenten. Ihr Video „Crystallize“, in dem sie Geige, Tanz und Dubstep vermischt, wurde 62 Millionen mal abgerufen. Dabei sah es erst nicht rosig für die Karriere der jungen Künstlerin aus. „Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich angefangen habe, Musik zu machen“, sagte sie bei ihrem Konzert.
„Die ‚Profis‘ haben gesagt, ich sei schlecht und sollte aufhören“, erzählte sie. Für die „Profis“ hatte das luxemburgische Publikum nur Buh-Rufe übrig. Lindsey hatte 2010 bei der fünften Staffel der US-amerikanischen Talentshow „America’s got talent“ mitgemacht und schaffte es nur bis ins Viertelfinale.
Internetberühmtheit
Die Jury befand damals, sie habe, wenn sie tanze, ihr Instrument nicht genügend unter Kontrolle. Ein Jurymitglied befand, stellenweise klinge sie wie „ein Haufen Ratten, die gewürgt werden“. Lindsey gab aber nicht auf und wurde mit ihren Videos schnell zur Internetberühmtheit. „Euch habe ich alles zu verdanken“, bedankte sie sich bei ihren Fans.
Dass ihre Fans zum großen Teil internethungrige Computerfreaks sind, weiß Lindsey nur zu gut. Und sie weiß dieses Publikum sehr gut zu umwerben. Immer wieder veröffentlichte sie in der Vergangenheit eigene Interpretationen der Soundtracks von Computerspielen wie Skyrim, Zelda, Assassins Creed oder auch Halo.
«Sind Computerspiele-Fans hier?»
In der Rockhal war der Jubel demnach auch besonders groß, als sie fragte, „Sind heute vielleicht Computerspiele-Fans hier?“, und die berühmten ersten Noten der Zelda-Melodie aus ihren Saiten flossen.
Unterstützt wird Lindsey auf ihrer Tour neben ihrem Schlagzeuger und ihrem Keyboarder nicht zuletzt von dem Rapper Eppic, der im Vorprogramm dem Publikum einheizt. Mit Eppic hatte sie bereits 2011 zusammen den Song „By no Means“ aufgenommen. Daneben unterstützte der Amerikaner, zusammen mit drei mutigen Zuschauern, die vor dem Konzert rekrutiert worden waren, Lindsey bei dem Flo-Rida-Cover „Good Feeling“. Das Video zu dem Song ist den Animationen in dem Tanzspiel „Just Dance 4“ nachempfunden und diente als Vorlage für einen Tanzwettstreit der drei Kandidaten, bei dem ein junger Mann unter Einsatz seiner Gesundheit (er verrenkte sich die Schulter) verdient eine signierte CD gewann.
Auch der Künstlerin selbst schien das Konzert in Luxemburg Spaß gemacht zu haben. Sie versprach jedenfalls, bei ihrer nächsten Tour käme sie auf jeden Fall wieder ins Großherzogtum zurück.
Zu Demaart
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