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Eine Sommernacht darüber schlafen

Eine Sommernacht darüber schlafen

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„Eine Sommernacht“ erzählt im Grunde die alte Geschichte von zwei einsamen Menschen, die sich treffen, nichts gemeinsam haben, und doch ... Die Inszenierung besticht u.a. durch viele Regieeinfälle.

Niederanven ist nicht gerade die Theaterhochburg Luxemburgs. In dem verschlafenen Nest vor den Toren der Hauptstadt vermuten die meisten wohl höchstens Dorftheater, nur interessant für Einheimische. Falsch gedacht. Mit „Eine Sommernacht“ präsentiert das Kulturhaus Niederanven nicht nur ein Stück, welches schon auf vielen Bühnen gezeigt hat, dass es „was hat“, sondern auch eine Inszenierung, die es sich lohnt, gesehen zu werden. Beim Thema – aus einem One-Night-Stand wird mehr – kann man sowohl vulgäres Trash-Theater oder eine Liebeskomödie erwarten, bei der es vor „Romantik“ nur so trieft. Doch hier: mitnichten!

Eine Sommernacht
von David Greig und Gordon McIntyre
Regie: Martin Engler

Mit:
Josiane Peiffer: Helena
Martin Engler: Bob
Matthias Trippner: „Eyebrows“ Thompson
Iwona Jera: Brenda „Mother Of Supplies“
Ralph Hufenus: „Insecure“ Ursli Widmer-Schlumpf-Schneider-Amann
Eine Koproduktion: Kulturhaus Niederanven, „Théâtres de la Ville de Luxembourg“, „Théâtre d’Esch“

Weitere Aufführung:
Samstag um 20.00 Uhr
Infos & Tickets
26 34 73-1 / [email protected]
www.khn.lu1
www.luxembourgticket.lu
47 08 95-1

Helena, eine erfolgreiche Scheidungsanwälten, wurde von ihrem Liebhaber versetzt, und sitzt nun in einer Weinbar. Bob, ein Kleinkrimineller, wartet in derselben Bar auf seinen nächsten Autoschieber-Job und vertreibt sich die Zeit mit der Lektüre von Dostojewskis „Aufzeichnungen aus einem Kellerloch“. Da die beiden nichts Besseres zu tun haben, stürzen sie sich mit Hilfe von reichlich Alkohol kopfüber in ein Sexabenteuer.

Wiedersehen wollen sie sich nicht, aber erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt. Am darauffolgenden Tag sehen sich die beiden wieder in einer Kathedrale. Bob ist dorthin geflüchtet mit 25.000 Pfund in einer Plastiktüte.
Dort trifft er Helena in einem vollgekotzten Brautjungfernkleid. Da sie wiederum nichts Besseres vorhaben, beschließen sie, alles Geld draufzumachen. Was folgt ist eine magische Sommernacht, mit Litern von Alkohol, Bob kauft sich eine Gitarre, sie machen Musik mit Jugendlichen und enden in einem Bondage-Club. Gefeiert wird, bis die 25.000 Pfund aufgebraucht sind. Am Ende steht (vielleicht) der Anfang einer Beziehung.

Gespielt werden die beiden Hauptcharaktere von der Luxemburgerin Josiane Peiffer und dem Deutschen Martin Engler, der im deutschsprachigen Raum vor allem für seine zahlreichen Hörspielaufnahmen bekannt ist. Er tritt hier nicht nur als „Medium“ Bob auf, sondern auch als Musiker und als zeitgenössischer Bänkelsänger. Als Musiker ist er neben seiner Rolle als Krimineller auch Mitglied der Dreimannband, die in dem Weinkeller die Gäste unterhält. Als moderner Bänkelsänger mit E-Gitarre gibt er dem Publikum Informationen über Helena.

Konzert und Theater

Engler springt von einer Rolle in die andere. Seine Darstellung lässt sich allerdings nicht in die klassische Schublade „Doppelrolle“ ablegen. Er ist ein Entertainer, der singt, erzählt und nebenbei noch Gitarre spielt. Mehr als einmal fragt man sich als Zuschauer: geprobt oder improvisiert? Etwa wenn er für einen Moment den Zuschauer durch einen Blick ins Spiel mit einbezieht. Die Darstellung von Josiane Peiffer als enttäuschte, betrunkene Frau eines „gewissen“ Alters ist tragikomisch und erschreckend realistisch.

Während die Darsteller in anderen Inszenierungen (Videos sind auf Internet zu sehen) mit relativ leeren Bühnen und wenigen Requisiten auskommen müssen, ist die Engler’sche Inszenierung ein wahres Feuerwerk an Regieeinfällen. Neben den beiden Hauptdarstellern gibt es drei Nebenrollen: zwei Musiker und die Kellnerin. Der Aufführungsort ist in Niederanven kein klassischer Theatersaal mit Bühne, sondern der Raum neben einer Bar. Zwischen den Zuschauern Tische für Getränke. Obwohl der Zuschauer nicht direkt am Geschehen teilnimmt, ist er nahe dran. Vielleicht näher als ihm zuerst bewusst oder lieb ist.

Und dann die Requisiten: das Mini-Tischklavier (es steht auf dem großen Piano), auf dem Bob einfache Melodien wie z.B. den Klingelton von Helenas Handy spielt, das Spielzeug, das Bob als Sirene und als Stimmenverzerrer benutzt, den kleinen Gartentisch, der zur Bettdecke umfunktioniert wird, das Netz in der Fesslungsszene … und die anderen Schauspieler und Musiker, die auch kurze Auftritte haben.

Ein kompliziertes Durcheinander, so wie Beziehungen eben so sind. Bob und Helena sind so verschieden wie Tag und (Sommer)Nacht. Sie sind sich einig, nichts gemeinsam zu haben, außer den Wunsch, nicht einsam zu bleiben.