Ryan Gosling sollte ursprünglich präsent sein, doch seine erste Regiearbeit verhinderte sein Kommen. In einem Brief, den Thierry Frémaux am Anfang der Konferenz vorlas, bedauerte Gosling seine Abwesenheit, schickte „good vibrations“ und versicherte, er sei in Gedanken präsent.
" class="infobox_img" />Robert Redford (r.) mit seinem Regisseur J.C. Chandor
Robert Redford brilliert in „All Is Lost“
Während die Gewalt bei Winding Refn von den Menschen ausgeht, so ist das Individuum in „All Is Lost“ schutzlos den Naturgewalten ausgeliefert. Der außer Wettbewerb laufende Film von J.C. Chandor („Margin Call“) kommt (fast ganz) ohne Dialoge aus. Ein älterer Mann (Robert Redford, mittlerweile 76 Jahre alt) segelt mit seiner Zwölf-Meter-Yacht im Indischen Ozean. Ein Container rammt ein Loch in die Bordwand, doch der erfahrene Segler macht das Boot wieder klar. Kaum ist das Schiff wieder seetüchtig, zerstört ein nicht enden wollender Sturm den Einmaster, so dass der Mann in die Rettungsinsel umsteigen muss. Wird er am Ende gerettet werden? Gedreht wurde „All Is Lost“ im riesigen Wassertank, der auch schon für „Titanic“ (1997) und „Pearl Harbor“ (2001) genutzt wurde.
Eine subtile Interpretation des amerikanischen Schauspielers, der hier die ganze Bandbreite seines Könnens zeigt. Eine echte Herausforderung, der Redford, trotz seines hohen Alters, mühelos gewachsen ist. Auf jeden Fall sehenswert.
(Martine Reuter)
Nicolas Winding Refns Stern war 2011 mit „Drive“ aufgegangen. Das intimistische Werk um einen Stuntfahrer, der nachts ein Zubrot als Fluchtautofahrer für Gangster verdient, wurde von fast allen Kritikern in den Himmel gelobt und innerhalb kürzester Zeit mutierte der zumeist wortkarge Hauptdarsteller zum Frauenschwarm. Regisseur Winding Refn bleibt seinem Stil treu, auch wenn „Only God Forgives“ vor einem exotischen Hintergrund, nämlich in Thailand, spielt.
Gewalt und Rache
Julian (Gosling) leitet mit seinem Bruder eine Thaiboxschule, doch das große Geld machen sie mit Drogen. Nachdem sein älterer Bruder ein junges Mädchen vergewaltigt und getötet hat, wird dieser vom Vater des Opfers umgebracht. Julians Mutter reist aus Amerika an und zwingt ihren Sohn, Rache zu üben.
Ein schlafwandlerischer Film, in den man hineintaucht, der mehr Atmosphäre als lineare Story ist und den man als halluzinatorische Stilübung in Rot definieren könnte. „Only God Forgives“ ist der bislang erste Film des Wettbewerbs, der kräftig ausgebuht wurde. Ein Grund dafür könnten sicherlich auch die zum Teil sehr gewalttätigen Szenen sein, die bewusst abstoßend wirken.
(Martine Reuter/Cannes/Tageblatt.lu)
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