Sophie Hunger kommt am 12. November in die Kulturfabrik. Wir hatten das Vergnügen, sie kurz vorher am Telefon zu haben.
Sophie Hunger
Montag, 12. November in der Kulturfabrik
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Tageblatt: Ihr neues Album heißt «Danger of Light». Warum?
Sophie Hunger: «Das weiß ich nicht so genau. Ich war auf der Straße in Zürich und mein Agent hat mich angerufen und gesagt: ‚Jetzt musst du mir endgültig sagen, wie das Album heißen soll. Wir sind hier im Büro, alle warten darauf. Du kannst jetzt nicht mehr länger warten.‘ Und dann habe ich in die Sonne geschaut und gesagt: Okay: ‚Danger of Light‘. Das war’s.»
Gefahr des Lichts? Oder auch Gefährlichkeit des Erkennens?
«Ich kann noch nicht beantworten, was der Titel bedeutet. Er kam wie ein Instinkt, wie ein Satz, der aus mir herausfiel. Ich wusste lange nicht, wie ich das Album nennen sollte, dann habe ich den Satz gesagt und jetzt muss ich selbst schauen, was er bedeutet.»
«Dreißig ist das neue zwanzig, der Mann ist die neue Frau, frei ist das neue Gefängnis und reich ist das neue schlau.» Wie kommen Sie auf solch einen Text?
«Mir gefiel die Formel, die Auswechselbarkeit von Worten und Bedeutungen und daraus habe ich dann verschiedene Sätze gebildet. Man könnte noch viele andere hinzufügen. Ich habe mir auch vorgenommen, dass sich dieser Text auf der Tour immer weiter verändern soll. Denn gerade dieser Liedtext darf natürlich nicht so bleiben, wie er ist, es geht in dem Lied schließlich um die ständige Veränderung.»
Fällt es Ihnen leicht, ständig neue Songs zu schreiben?
«Ich würde schon sagen, dass ich eher jemand bin, dem das Texteschreiben leichtfällt, ich kenne Kollegen, die brauchen jahrelang für drei Texte. Das kenne ich überhaupt nicht. Das geht bei mir schon schneller. Ich kann mir sehr gut Sachen vorstellen. Meine Fantasie ist ziemlich schnell. Doch die technische Seite danach, die braucht mehr Zeit, das Aufnehmen, das richtige Instrumentieren, das finde ich dann schon eher schwierig.»
Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?
«Von allem, was mir passiert, von allem, was ich sehe, von meinen Nachbarn, vom Verkehr, von der Vergangenheit, von der Zukunft. Ich gehe raus in die Welt und inspiriere mich an ihr. Ich glaube überhaupt nicht an das Konzept, dass man die Wahrheit in sich selbst findet. Das ist Unfug, kompletter Unfug. Alles, was wir auf der Welt finden können, befindet sich außerhalb von uns selbst und entsteht durch die Beziehungen zu anderen Menschen und zu Dingen, die uns umgeben.»
Sie sind eine Künstlerin, die alle gut finden. Was löst diese Bewunderung in Ihnen aus?
«Das ist sehr, sehr schön. Aber ich finde es schon auch ein bisschen komisch, ehrlich gesagt. Denn man muss schon auch sehen, dass ich immer noch ein ganz kleiner Fisch bin. Mit diesem Gefälle umzugehen, ist nicht so einfach, das internationale Feuilleton hat mir sozusagen den Ritterschlag gegeben, aber in der Realität kämpfe ich weiterhin um jeden Zuhörer. Ich habe keine Villa am See oder so etwas. Ich bin weit davon entfernt, kommerziell Erfolg zu haben. Mein Leben ist durch die Musik noch lange nicht abgesichert. Wir backen ganz kleine Brötchen hier, aber es läuft toll und ich bin glücklich.»
Wo liegen Ihre musikalischen Anfänge?
«Bei meiner Stimme. Ich habe als kleines Kind, in der Schule in England, schnell gemerkt, dass ich von allen Kindern in der Klasse am lautesten singen und reden kann. Außerdem konnte ich schon immer gut Dialekte nachmachen. Ich war in einer Schule mit vielen Ausländern, wir haben alle ein bisschen anders englisch gesprochen und ich habe sie alle nachgemacht. Und ich konnte immer gut die Lehrer imitieren, das fanden die anderen natürlich superwitzig. Damit konnte ich ein bisschen angeben, das war meine erste kleine Waffe, sozusagen.»
Sie waren in England auf der Schule, haben als Diplomatentochter in vielen Ländern der Welt gelebt und auch jetzt als Musiker sind Sie ständig unterwegs. Was bedeutet für Sie Heimat?
«Das ist ein schwieriger Begriff. Doch je länger ich weg bin aus der Schweiz, desto stärker wird sie meine Heimat. Damit meine ich vor allem die Sprache. Das Schweizerdeutsche. Ich liebe es, schweizerdeutsch zu reden, darin liegt meine Heimat, das Zentrum, aus dem ich sozusagen herausgeschwommen bin. Dann aber auch die Natur, die Berge, die ganzen Klischees, das ist voll mein Style. Ich liebe die Berge.»
Aber Berge sind doch auch immer ein bisschen erschlagend, beengend, oder?
«Finde ich überhaupt nicht. Ich glaube, das ist eine Legende, die nicht stimmt. Meine Mutter kommt aus Graubünden, einem Bergkanton. Mit ihr habe ich viel darüber geredet. Wir sind uns einig: Wenn man in einem Tal lebt und die Berge drum herum sieht, löst das eigentlich das Gegenteil aus: Man will wissen, was auf der anderen Seite liegt, es zieht einen hoch, auf die Spitze. Wenn ich einen Berg anschaue, dann denke ich nicht: ‚Oh nein, ist der groß, ich bin ein kleines Würmchen, ich habe Angst‘, sondern ganz im Gegenteil: Ich denke: ‚Wow, da will ich hoch!'»
Zu Demaart
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