Der Begriff der Sexualität entstand erst im Laufe des 19. Jahrhunderts, als die Wissenschaft begann, die bis dahin namenlosen und diffusen Lüste zu klassifizieren.
Weitere Aufführungen
– Am 9. Dezember um 19 Uhr
– Am 10., 12. und 13.
Dezember um 20 Uhr
– Am 7., 11. und 14.
Dezember um 18.30 UhrKontakt
4, Grand-rue
L-2016 Luxemburg
www.theatrecentaure.lu
Katia Scarton-Kim arbeitet in ihrer Inszenierung mit eindeutig zweideutigen Formulierungen, die ihre Wirkung beim Zuschauer nicht verfehlen, wie zum Beispiel „le concombre gallant“, „le bâton de chaire“ oder auch „la béquille“. Sie lässt in ihrer Inszenierung kein Tabuthema aus und versucht, das Thema möglichst komplex darzustellen, dafür benutzt sie viele Metaphern, einige Vulgaritäten und auch Analogien. Trotz der vielleicht schwer anmutenden Thematik schafft es die Regisseurin, dem Zuschauer zuzuzwinkern und ihm immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Das recht einfach gehaltene Bühnenbild überrascht doch immer wieder durch einige Requisiten, die dem Spielverlauf unerwartet eine neue Richtung geben und das Gesprochene visuell gelungen unterstützen.
Katia Scarton-Kim hat für ihre Interpretation eine Auswahl an Texten und Briefen von bekannten Persönlichkeiten in der Literatur ausgewählt, von Louise Labé über Daniel Pennac zu den Dichtern Verlaine und Rimbaud. Briefe von James Joyce an seine Frau Nora oder von Anaïs Nin an Henry Miller sind auch dabei und werden von den Schauspielern auf eine gleichzeitig nachdenkliche wie auch frivole Weise in Szene gesetzt. Besonders beeindruckend sind die gesammelten Zeugnisse der älteren Generation. Dokumentarisch zusammengetragen und in Form von Kleinanzeigen rezitiert, bekommen die „Alten“ in unserer Gesellschaft in der Inszenierung von Katia Scarton-Kim eine Stimme. Ganz unverblümt und direkt wird dem Zuschauer das Banale mitgeteilt, das man so gerne ausblendet.
Den Spieß umdrehen
Auch im sogenannten Dritten Alter empfindet man Lust, hat sexuelle Bedürfnisse und will diese auch ausleben. Selten wird darüber gesprochen, eher peinlich weggeschaut, die Inszenierung von Katia Scarton-Kim dreht den Spieß um und konfrontiert ihre Zuschauer unverblümt mit dem Thema.
Nicole Max, Katia Scarton-Kim und Jacques Roehrich erzählen – gelegentlich auch singend und mit kleinen, feinen Tanzeinlagen – eine faszinierende Sicht auf ein allzu menschliches Thema, das leider immer noch in unserer Gesellschaft tabuisiert wird. Eigentlich ein Paradox, schaut man sich unsere sexualisierte Mediengesellschaft an, in der es nur junge, hübsche und sexy Menschen gibt, die in keinster Weise repräsentativ für unsere Gesellschaft sind.
Zu Demaart
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