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Der Hüter des Patrimoine geht

Der Hüter des Patrimoine geht
(Sdidier)

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Jean Back, seit 1988 Direktor des „Centre national de l’audiovisuel“ (CNA), geht Anfang 2016 in Pension. Eine gute Gelegenheit für ein Interview.

Das CNA beherbergt in seinem Archiv 200.000 Film- und TV-Objekte, 25.000 Tonträger und rund 500.000 Fotografien. Rund 54.000 Besucher verzeichnet die Kultureinrichtung jährlich. Ein Gespräch über „Patrimoine“, Dokumentarfilme und Rosen im Garten.

Tageblatt: Wie viele Stunden hat der Arbeitstag des Leiters des CNA?

Jean Back: Das CNA ist für mich eine anhaltende Herausforderung, abends, manchmal übers Wochenende, auch in den Ferien, manchmal sogar nachts, im Ernst. In Stressperioden war’s schon mal so. Ich muss daher nicht immer am Schreibtisch sitzen und auf die Uhr schielen.

Wenn Sie auf 27 Jahre Arbeit im CNA in leitender Funktion zurückblicken, auf was sind Sie besonders stolz?

Das Institut all die Jahre so weit aufgebaut zu haben, dass es die kreative, spannende Plattform sowohl für Eingeweihte, Professionelle und das Publikum ist. Ich bin sehr froh darüber, dass ich diesen Input geben konnte.

«Nur kleine Kurskorrekturen»

Würden Sie rückblickend irgendetwas anders machen?

Sagen wir mal: nicht viel. Einige leichte Kurskorrekturen vornehmen, ja, vielleicht.

Was hat sich in Ihrer Arbeit in der Zeit, in der Sie da sind, geändert?

Vergessen wir nicht, dass das CNA lange als ein „Kulturzenterchen“ belächelt wurde. Dazu in den rustikalen Mauern des Klosters in Düdelingen angesiedelt war, was ihm nicht unbedingt den Status eines offiziellen, angesehenen Instituts verlieh. Aber es waren andere Zeiten und sie waren für mich sehr wichtig. Was also ein bescheidener Anfang war, hat sich zu einem, so glaube ich, technisch und personalmäßig gut ausgestatteten Betrieb gewandelt. Schwerpunkte liegen auf der Spezialisierung in Film, Ton und Fotografie. Außerdem ist die Digitalisierung unserer Sammlungen eine ganz besondere Herausforderung geworden.

«Ich liebe gute Filme»

Interessieren Sie sich eigentlich für Filme?

Seltsame Frage: wieso sollte ich mich nicht dafür interessieren? Ich liebe gute Filme. „Wintersleep“ zum Beispiel. Ein bitteres und doch wunderbar gemachtes Werk. Ist mir sehr im Gedächtnis geblieben. Aktueller: „Fack ju Göhte 2…“ naja. Dazu versuche ich, so gut es geht, alle luxemburgischen Produktionen zu sehen.

Warum gehört audiovisuelles Material zum „Patrimoine“?

Das audiovisuelle Material ist physisch sehr delikate Ware. Daher der Aufwand der Archivierung. Vom Inhalt her ist es eine Goldgrube für die Geschichtsschreibung unseres Landes. Bilder können Fakten dokumentieren, das Publikum begeistern, sie eignen sich für edukative Zwecke und spornen Kreativität an. Sie sind, als historische Sammlungen, ob Film, Fotografie oder Ton, ein Schatz, den es zu hüten und vor allem intelligent aufzubereiten gilt.

«Ein spannendes Feld»

Im CNA werden durchschnittlich ein bis zwei Dokumentarfilme pro Jahr initiiert. Wer schaut sich die an? Das Genre „dümpelt“ ja immer so ein bisschen neben der meist leichteren Kost von Spielfilmen …

Mit Letzterem bin ich gar nicht einverstanden. Gute Dokumentarfilme, auch neue Genres wie Web-Docs oder transmediale oder interaktive Arbeiten im Dokumentarbereich zeugen von großem Interesse seitens der Journalisten, auch der Künstler, Wirklichkeiten neu zu interpretieren. Das ist ein sehr spannendes Feld.

Worin sehen Sie die Hauptaufgabe des Direktors einer solchen Institution?

Meine Arbeit hat sich von den Projekten, für die ich mich persönlich sehr engagiert habe wie „The Family of Man“, „Liichtjoeren“, der Neubau des CNA oder „The Bitter Years“ im Wasserturm, auf eine unbedingte Unterstützung meiner spezialisierten Mitarbeiter verlagert. Ihre kreative Arbeit, mit Projekten umzugehen, ihre Begeisterung für den Job sind Fakten, auf die ich sehr stolz bin. Ohne sie wäre das CNA nicht das Institut, das ich verlassen werde.

Zeit für die Familie

Werden Sie jetzt, um bei einem berühmten Klischee zu bleiben, Rosen züchten? Dann wüsste ich nämlich gerne Ihre Lieblingssorte …

Pierre de Ronsard, Kletterrose: eine wundervolle Sorte mit vollen, edlen Blüten. Ich züchte sie aber nicht, sondern versuche ihre Schönheit maximal im Gartenbereich zur Entfaltung zu bringen.

Auf was freuen Sie sich am meisten, wenn Sie in Ruhestand sind?

Ich werde endlich etwas mehr für die Familie da sein. Dazu schreibe ich meine Bücher und werde mich sicher wieder der Digital- und Schwarz-Weiß-Landschaftsfotografie widmen.

Lieblingsmusik…

Audiovisuell heißt ja auch Musik. Was ist denn das im CNA archivierte Lieblingsstück von Ihnen?

Gute Frage. Ich kenne natürlich nicht alle Aufnahmen. Die frühere RTL-Magnetothek ist riesig. Aber ich habe die zeitgenössische Interpretation von Luciano Pagliarini zum restaurierten Film „Vu Feier an Eisen“ gut im Gedächtnis. Eine schöne Hommage an die Schwerindustrie, der ich mich durch andere Umstände verbunden fühle.

Was hören Sie denn privat? Ein Lieblingsmusiker?

Schubert. Ich liebe die Winterreise. Seine Sonaten und Symphonien. Mozart, zuweilen, als Kammermusik, kann in einer guten Anlage und starken Interpretation berauschend sein. Auch mal sehen, was Spotify, so quer durch den Garten, neu hergibt.

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