Ist es nun definitiv vorbei mit der Schauspielerei?
Ich habe bereits vor zwei Jahren mit der Schauspielerei aufgehört, da ich hier voll ausgelastet bin. Seit 2008 bin ich fest im Haus angestellt.
Kurzbiographie
– Geboren am 12. April 1970 in Luxemburg.
– 1995-1998: Bachelor der Schauspielkunst an der „University of Central Lancashire – Drama Centre London“. Seit 1999 arbeitet er in Luxemburg beim Theater und Film.
– Ab 2004 beim „Grand Théâtre“, später bei den beiden „Stater Theater“ u.a. mitverantwortlich für Produktionen von Oper, Tanz und Theater.
– 2009-2012: „Master of Business Administration“ (Sacred Heart University)
– Lieblingsrolle(n): in „The Complete Works of William Shakespeare (gekierzt)“
– Wunschrolle: Oswald in „Ghosts“ von Henrik Ibsen
Schließt das eine das andere aus?
Es schließt es nicht unbedingt aus, es eine Frage der Zeit. Beim Theater gibt es lange Arbeitszeiten, lange Abende. Frank Feitler hat lange über seine Nachfolge nachgedacht. Es sollte jemand sein, der gut eingearbeitet ist, und er war eben der Meinung, ich sei jemand, den er sich als Nachfolger vorstellen könnte. Wir haben uns schon vor Jahren gesagt, dass man nicht alles machen kann. Ich musste also eine Wahl treffen.
Dachten Sie schon zu Anfang ihrer Karriere daran, Direktor eines Theaters zu werden?
Nein, nie. Das war nicht mein Ziel. Das hat sich durch verschiedene Zufälle ergeben. Ins Haus gekommen bin ich u.a. dadurch, weil ich in England studiert habe. Bei den Produktionen von Deborah Warner und Robert Wilson, hat Frank Feitler jemanden gebraucht, der sich darum kümmert und auch gut in Englisch ist.
Damals waren Sie noch nebenbei als Schauspieler tätig.
Eine Zeit lang habe ich beides parallel gemacht. Das war schon eine Herausforderung. Das ist zwar in vielen Häuser in Deutschland und vor allem Frankreich der Fall. Das ist eben ein anderes System.
Seit wann sind Sie Mitarbeiter im Theater?
2004 habe ich auf Freelance-Basis mit meinem ersten Projekt angefangen. Ich bin quasi zehn Jahre im Haus.
Man spricht zwar viel von Kontinuität, doch jeder hat seine Ideen und seine Personalität. Haben Sie Projekte, die Sie verwirklichen wollen?
Die Kontinuität ist wichtig; etwas, das funktioniert, soll man nicht unbedingt ändern. Wir befinden uns ja nicht in einer Situation, in der eine große Rettungsaktion notwendig wäre. Sicher bringt jeder seine eigene Persönlichkeit mit. Dabei zählt, dass ich auch Schauspieler bin und meine Karriere im Kapuzinertheater begonnen habe. Das Haus liegt mir am Herzen, und ich sehe Potenzial, seine Identität zu entwickeln. Das Große Theater hat die Aufgabe, eine europäische Hauptstadt zu repräsentieren mit Produktionen, die ein internationales Publikum anziehen. Hier wird es keine großen Änderungen geben.
Und beim Kapuzinertheater?
Dem Kapuzinertheater möchte ich eine Identität geben, die „à part“ ist vom „Grand Théâtre“. Das Kapuzinertheater ist für mich sehr verbunden mit der Luxemburger Kreation. Ich sehe es als ein Haus, wo man sich um den Nachwuchs kümmern kann. Es kann eine Anlaufstelle für neue Leute sein, Sachen auszuprobieren. Das bedeutet nicht, dass im Studio des Großen Theaters keine eigen Kreationen mehr produziert werden.
Sie müssen sich um drei Bühnen kümmern. Wie funktioniert das in der Praxis?
Das „cahier de charges“ des Direktors ist auch eine Besonderheit der „Stater Theater“, es ist schon umfangreich. Außer für die Programmierung ist man für das Personal, das Budget und die Infrastrukturen verantwortlich. Und es gibt keinen zweiten Mann, keinen „directeur adjoint“ wie z.B. im Konservatorium.
Stichwort Nachwuchs: Wie wollen Sie sich um ihn kümmern?
Nun, es gibt einen Mangel an Luxemburger Autoren. Ich möchte aus dem Kapuzinertheater eine Art Anlaufstelle für Autoren machen. Der Weg ist aber zweiseitig: Jeder Künstler hat die Verantwortung, dass er sich selbst um seine Entwicklung kümmert. Wir können nur unsere Türe öffnen und bereit sein, Leute im Rahmen des Möglichen zu unterstützen, zu begleiten. Meine Tür ist auf jeden Fall offen. Mein Wunsch ist es wirklich, den Nachwuchs in Luxemburg zu fördern. Und da gibt es viel Arbeit.
Das gilt nicht nur für Autoren.
Genau, es gilt auch für Regisseure, für Schauspieler. Es geht darum, Theaterberufe bei der Jugend populär zu machen. Sie sollen sehen, dass es auch bei uns Karrieren gibt, z. b. als Bühnenbildner oder Kostümdesigner.
Und da gibt es Karrierechancen in Luxemburg?
Ja, aber das beginnt bei der Ausbildung. Und das ist eine politische Frage. In Luxemburg gibt es keine Schule für Theaterberufe. Ich möchte eine Partnerschaft mit einer Schule im nahen Ausland, egal ob es Straßburg oder Lüttich ist, Ich bin aber schon dabei, das Terrain auszukundschaften.
Bleibt bei so viel Theater noch Zeit für etwas Anderes im Privatleben?
Diesen Job kann man nur tun, wenn man sich für Theater interessiert. Das Privatleben kommt manchmal zu kurz, aber ich versuche, theaterfreie Stunden zu haben.
Zu Demaart
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