Sonntag1. Februar 2026

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Das Spiel des Lebens

Das Spiel des Lebens
(Philippe Matsas/Opale)

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Am Dienstag ist Martin Walser Gast der Abtei Neumünster. Mit dem Autor redet man nicht lange über Banalitäten. Er lässt seinen Gesprächspartner sofort teilhaben, an seinen Gedanken.

Gedanken über die Weltbühne Shakespeares, über Kafkas Amerika-Roman oder über die Lebendigkeit der Dialoge Platons, über Wirklichkeit und Illusion, über Glauben, Wissen, Liebe und Schönheit. Ein Gespräch, das zu kurz und dennoch zu klein für eine Zeitungsseite ist.

Logo" class="infobox_img" />Das Cover seines neuen Buches.

Martin Walser, geboren 1927 in Wasserburg, lebt in Überlingen am Bodensee. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Preise, darunter 1981 den Georg-Büchner-Preis und 1998 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Am Dienstag ist er in Luxemburg zu Gast.

Tageblatt: Die Hauptperson in ihrem neuen Roman ist Theaterregisseur. Beim Inszenieren der „Möwe“ von Tschechow bricht Augustus Braun zusammen, er findet sich mit leichtem Schlaganfall im Krankenhaus wieder – und inszeniert weiter. Sich, sein Leben und seine Liebensbeziehungen. Sehen Sie das Leben samt Liebe als eine Inszenierung? Frei nach Shakespeare: Die ganze Welt ist eine Bühne?

Martin Walser: „Dieser Satz von Shakespeare ist sehr schön, es wird nicht nur auf der Bühne Theater gespielt, sondern auch in der Welt. Das ist ein Satz, den man sich nicht oft genug vorsagen kann, weil man sonst allzu leicht – durch viele Pflichten und Einbildungen bewegt – die Oberfläche der Wirklichkeit für die ganze Wirklichkeit hält. In allen unseren Handlungen steckt Theatralisches, sie erschöpfen sich nicht in der Sachlichkeit. Sie haben einen ästhetischen und auch einen erotischen Mehrwert. Menschen, die miteinander reden, spielen auch immer miteinander.“

„T“: Wenn man sich und sein Leben inszeniert, setzt das nicht voraus, dass man an seine selbst hervorgebrachten Illusionen glaubt?

M.W.: „Das tut man ganz von selbst. Da ist es schon schwieriger, die anderen dazu zu bringen, dass sie auch daran glauben. Man macht sich nicht immer klar und muss es auch nicht, wieviel vom eigenen Bewusstseinsinhalt und vom eigenen Seelenleben Illusion, wieviel Realität ist. Das geht ineinander über. Wir glauben mehr, als wir wissen. Das kann man nachprüfen. Jede Liebesbeziehung lebt davon, dass wir glauben, denn wissen, ob wir geliebt werden, können wir nicht. Ich sage, Glauben ist wichtiger als Wissen.“

„T“: Ich arbeite gerade zu Denis Diderot. Der sagt genau das Gegenteil…

M.W.: „Der Aufklärer, naja gut. Das kann ich jetzt nicht widerlegen. Aber auch in der Aufklärung werden eine Menge Glaubenselemente geliefert. Ein gutes Beispiel ist für mich die so genannte Schöpfung der Welt, die in der Genesis erzählt wird und die der Geschichte vom Urknall gegenübersteht. Ich habe einige Naturwissenschaftler dazu auch gerne gelesen, aber ich glaube die Genesis lieber, sie ist schöner. Und jetzt kommen wir zum entscheidenden Punkt: Alles hängt vom Schönheitswert ab. Man kann nur durch das Gefühl beweisen, dass man etwas schön findet. Schönheit hat mit Glauben und nicht mit Wissen zu tun. Kein Kunsthistoriker kann beweisen, dass die Mona Lisa schön ist, aber wir sehen, dass sie schön ist. Dass wir etwas schön finden können, ist unsere allerwichtigste Fähigkeit. Und jetzt sind wir wieder bei Shakespeare und der ganzen Welt als Bühne. Denn alles hängt davon ab, ob schön gespielt wird.“

Der Rest des Interviews erscheint in der Samstagsausgabe des «Tageblatt».