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Biografische Spurensuche

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Zum 50. Todestag von Robert Schuman am 4. September findet derzeit im Besucherzentrum des „Fort du Simserhof“ bei Siersthal (Lorraine) eine kleine, aber überaus interessante Ausstellung statt.

Robert Schuman: Der Name steht neben dem von Jean Monnet als einer der Gründerväter der EU, genauer der Vorläuferorganisation CECA/EGKS. Aus Anlass des 50. Todestages von Robert Schuman am 4. September findet derzeit im Besucherzentrum des „Fort du Simserhof“ bei Siersthal (Lorraine) eine kleine, aber überaus interessante Ausstellung statt, in der man auch weniger Bekanntes aus der Biografie des EU-Mitbegründers erfährt.

„Fort du Simserhof“
„Robert Schuman,
un mosellan en politique“

• Ausstellung der „Archives départementales de la Moselle“ im Besucherzentrum des „Fort du Simserhof“ (Museum zur Maginotlinie) in Siersthal/Bitche.

• Noch bis zum 31. August, täglich von 10 bis 18 Uhr.

Bekannt ist von Robert Schuman vor allem seine „historische“ Rede vom 9. Mai 1950, in der er eine Einigung Europas auf der Grundlage eines Berichts von Jean Monnet, den sogenannten Schuman-Plan ankündigte. Ein Jahr später erfolgte mit der Gründung der EGKS (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl) der erste Schritt auf dem Weg zur EU.

Deutschland und Frankreich für immer friedlich miteinander verbinden; es war dies der zentrale Gedanke von Robert Schuman.

Dunkle Flecken

Er wuchs in einem damals deutschen Moseldepartement auf und wurde mit dem Ende des Ersten Weltkriegs ungefragt zum französischer Staatsbürger. Sprachlich bildete die Verschiebung der Ländergrenze kein Problem für den jungen Robert Schuman, der als Sohn eines französischen Vaters und einer luxemburgischen Mutter in Clausen geboren wurde, in Luxemburg sein Abitur gemacht und in Deutschland studiert hatte. Aber diese Ereignisse hatten in der Seele von Schuman etwas ausgelöst, das mit dem Zweiten Weltkrieg noch verstärkt wurde.

Dennoch wäre Schuman, nach heutigen Standards von Politik und Ethik, wohl kaum zu einem der Väter der EU geworden. Erstaunlich offen geht die Ausstellung der „Archives départementales de la Moselle“ mit dem weniger bekannten Kapitel der Schuman-Biografie zu Beginn des Zweiten Weltkriegs um. Am 16. Juni 1940 wurde Robert Schuman Mitglied der ersten Regierung von Philippe Pétain. Die letzte Regierung der IIIe République wird nur bis zum 10. Juli dauern, dem Datum, an dem die Nationalversammlung das Vollmachtengesetz für Maréchal Philippe Pétain votiert.

Es legt den Grundstein für das kollaborierende Vichy-Regime, mit dessen Aufarbeitung sich Frankreich lange Zeit sehr schwertat und zum Teil noch immer tut. Dass Schuman das Vollmachtengesetz mitgestimmt hat, wird ihm später „verziehen“. Wohl auch, weil es das Schicksal so fügte, dass er von der Gestapo 1941 gefangen genommen wird. Schuman gelingt die Flucht in den Untergrund. Nach Kriegsende, 1946, wird er wieder Abgeordneter der Moselle in der IVe République.

Offen geht die Ausstellung auch auf das Wirken des jungen Politikers Robert Schuman ein, seine Nähe zu den Stahlbossen und seine Abneigung gegenüber dem, seiner Ansicht nach zu aggressiven Kampf der Stahl- und Minenarbeiter für mehr soziale Gerechtigkeit. Den streng katholischen Schuman nervten vor allem die häufigen Streiks kommunistisch orientierter Gewerkschaften wie der CGT.

Seine Reaktion war „klassisch“. Er förderte die Gründung von gefügigeren Gegenorganisationen, vornehmlich mit christlich-katholischem Einschlag. Und wenn die französische Gewerkschaftsszene heute stark zersplittert ist, hat auch das – zumindest indirekt – mit Robert Schuman zu tun. Fast zeitgleich mit diesem Wirken Schumans wurde übrigens auch 1921 in Luxemburg der LCGB als Gegenbewegung zum LMAV (Luxemburger Metallarbeiterverband), der Vorgängerorganisation des heutigen OGBL gegründet.

Nebel der Geschichte

Weniger offen geht die Ausstellung mit der Zeit zwischen 1950 und 1960 um. Die genauen Hintergründe des Schuman-Plans und die Gründung der CECA liegen teilweise tatsächlich noch im Nebel der Geschichte, der sich nur langsam hebt. Zwischen 2000 und 2003 bekannt gewordene, deklassifizierte Informationen aus den Archiven der US-Verwaltung belegen aber, dass die Pläne eines vereinigten Europa, insbesondere unter Einbeziehung auch von Großbritannien vom damaligen amerikanischen Gemeindienst im Hintergrund finanziell unterstützt wurden. Darüber findet sich in der Ausstellung nicht mal eine kleine Randnotiz.