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Ästhetischer Hochgenuss

Ästhetischer Hochgenuss

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Auch wenn die Einwohner von Cannes den Beginn des Festivals mit schlechtem Wetter in Verbindung bringen – „Le festival commence, il faut qu’il pleuve“ –, am Donnerstag und auch am Freitag gab es zum ersten Mal richtig Sonne satt.

Angenehme Temperaturen sowie ein leichter Wind sorgten auch beim Publikum für beste Stimmung. Im „Palais des festivals“ defilieren derweil jeden Abend neue Gesichter auf dem Weg in den Louis-Lumière-Saal.

Nach der Biografie über den Maler William Turner, dessen Arbeit sich um die essenzielle Frage „Was kann ich tun, um das Licht auf meinem Bild so einzufangen, wie es in der Natur leuchtet?“ drehte, setzt sich der kanadische Filmemacher armenischer Herkunft Atom Egoyan in „Captives“ mit ganz anderen Gefühlen auseinander. Die 10-jährige Cass verschwindet aus dem Auto ihres Vaters. Acht Jahre später gibt es Anzeichen dafür, dass sie noch lebt. Egoyan ist bekannt für sehr langsame, mysteriöse Geschichten, die sich nur puzzleartig auf der Leinwand entfalten und welche sich um ein zentrales Thema drehen: den Verlust. Die Eltern haben den Verlust ihres Kindes erlitten, die Tochter ihr wohlbehütetes Zuhause und ihre Kindheit. Auch die anderen Protagonisten haben in ihrem Leben herbe Rückschläge erlitten. Allgegenwärtig ist auch wieder die Natur, unberührte Schneelandschaften und in der Entfernung die wunderbare Kulisse der Niagara-Fälle.

Ein ästhetischer Hochgenuss mit perfekt ausgeleuchteten und sorgsam komponierten Bildern, bei denen die Gefühle aber diesmal auf der Strecke bleiben. Egoyans Meisterwerk The Sweet Hereafter erzählt in ähnlicher Form auch von Verlust und der Unfähigkeit zu trauern, dennoch mit ungleich gewaltigeren Bildern.

Roman-Adaptation

Mit der Frage „Wohin kann uns die Leidenschaft, das Verlangen treiben?“ kann man die neueste Arbeit von Mathieu Amalric beschreiben. Bei „La chambre bleue“ handelt es sich um die Adaptation von Georges Simenons gleichnamigem Roman, der in den 60er Jahren unter dem Titel „Les amants frénétiques“ veröffentlicht wurde. Amalric, der von sich selbst behauptet, nur durch Zufall zur Schauspielerei gekommen zu sein, engagiert sich seit Jahren immer stärker hinter der Kamera. 2010 erhielt er hier in Cannes für Tournée den Preis für die beste Regie.

In „La chambre bleue“ setzt sich Amalric mit einem Klassiker aus dem Thrillergenre auseinander, verlegt jedoch die Handlung in die Gegenwart. Die Story wird vorrangig aus der Sicht von Julien, der Hauptfigur, erzählt. Verheiratet, Vater einer Tochter, fängt er mit der ehemaligen Klassenkameradin Esther eine Affäre an. Am Ende sind Esthers Mann und Juliens Frau tot und die beiden kommen vor Gericht.

Samstag im Zeichen von „Amour fou“

Ein elegante Inszenierung, ein Puzzle, bei dem sich erst nach und nach die einzelnen Stücke zusammenfügen. Eine authentische Verfilmung, die der Vorlage von Simenon gerecht wird, ohne kreatives Neuland zu betreten. Auf dem Programm des Wochenendes steht die zweite filmische Biografie über den Modemacher Yves Saint Laurent.

Nach dem ersten Film, der Anfang des Jahres ins Kino kam und vom früheren Lebensgefährten des Designers abgesegnet worden war, darf man gespannt sein, welcher der beiden Filme der bessere, der künstlerisch wertvollere ist. Der heutige Samstag steht aber auch im Zeichen von „Amour fou“, der luxemburgischen Koproduktion, die hier an den Start geht und des mittlerweile schon traditionellen Luxemburger Tages.