Es werde zu „größeren Flugausfällen und Verzögerungen kommen“, warnte die deutsche Gewerkschaft Verdi. Die Lufthansa kritisierte den Ausstand als „erhebliche und unnötige Belastung“ für Fluggäste und Mitarbeitende. Der Streikaufruf richtet sich an die rund 20.000 am Boden Beschäftigten aller Lufthansa-Standorte, also etwa in Frankfurt am Main, Düsseldorf, Köln, Hamburg, München oder Berlin, wie Verdi weiter mitteilte. Sie sind zuständig für Passagier-, Gepäck- und Frachtabfertigung, für die Wartung der Flugzeuge und auch dafür, die Maschinen in die entsprechenden Positionen zu schieben.
Hintergrund des Streikaufrufs sind die stockenden Tarifverhandlungen: In der zweiten Runde Mitte Juli war kein Ergebnis erzielt worden. Das bisherige Angebot der Arbeitgeberseite sei von den betroffenen Mitarbeitenden diskutiert und als „unzureichend“ zurückgewiesen worden, erklärte Verdi am Montag. Mit dem Warnstreik wolle die Gewerkschaft „den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen“. Sie müssten in der nächsten Verhandlungsrunde am 3. und 4. August ein „deutlich verbessertes, abschlussfähiges Angebot“ vorlegen, verlangte die Gewerkschaft.
Arbeitnehmer immer mehr unter Druck
Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle sagte der Stuttgarter Zeitung, weitere Warnstreiks werde es bis 3. August nicht geben. Wenn es in der kommenden Woche allerdings kein Ergebnis gebe, „muss man mit weiteren Streiks rechnen“. Die Streikbereitschaft sei sehr groß. Behle erklärte, die Situation auf den Flughäfen eskaliere. Die Überlastung der Beschäftigten aufgrund erheblichen Personalmangels, die hohe Inflation und ein dreijähriger Lohnverzicht würden die Arbeitnehmer immer mehr unter Druck setzen. Die schwierige Situation der Mitarbeitenden sei „vor allem durch Missmanagement verursacht worden“, kritisierte Behle. Die Arbeitnehmer bräuchten „dringend mehr Geld, und sie brauchen Entlastung – für sich selber und für die Passagiere“.
Verdi fordert 9,5 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und einem Mindeststundenlohn von 13 Euro. Die Lufthansa legte ein Angebot aus Festbeträgen und einer von der Geschäftsentwicklung abhängigen Komponente bei einer Laufzeit von 18 Monaten vor. Laut Unternehmen bedeutet dies für Beschäftigte mit einer monatlichen Grundvergütung von 3.000 Euro brutto ein Anstieg um neun bis knapp elf Prozent binnen der kommenden zwölf Monate. Behle sagte den Zeitungen, das Beispiel sei „schöngerechnet“. Für andere Gehaltsbereiche betrage die Steigerung nur rund vier Prozent. Das sei angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten ein Reallohnverlust.
Die Lufthansa reagierte mit Unverständnis auf den Streikaufruf. Dieser könne aufgrund der Dauer und der Breite über alle Standorte hinweg „kaum noch als Warnstreik“ bezeichnet werden, kritisierte Personalvorstand Michael Niggemann. Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, rief Verdi auf, von dem Ausstand „Abstand zu nehmen“ und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Es gibt Zeiten für Kooperation – und es gibt Zeiten für Konflikt. In diesen Tagen der vielfältigen Krisen ist Kooperation das Gebot der Stunde“, erklärte Kampeter. Die Lufthansa und ihre Passagiere mitten im Sommer zu belasten, sei „absolut unverhältnismäßig“. (AFP)
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