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SerbienRegierungsnah und geschäftstüchtig: Patriarch Porfirije neues Oberhaupt der Serbisch-Orthodoxen Kirche

Serbien / Regierungsnah und geschäftstüchtig: Patriarch Porfirije neues Oberhaupt der Serbisch-Orthodoxen Kirche
Der neue Patriarch Porfirije (M.) war der Favorit des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic Foto: AFP/Olivier Bunic

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Ob Zufall oder göttliche Fügung mit weltlicher Steigbügelhalterhilfe: Mit dem neuen Patriarchen Porfirije hat der von Präsident Aleksandar Vucic favorisierte Kandidat die Führung der Serbisch-Orthodoxen Kirche übernommen.

Bei der feierlichen Inthronisierung von Serbiens neuem Patriarchen Porfirije waren vom Geheimdienst- bis zum Staatschef alle weltlichen Würdenträger des Balkanstaats zugegen. „Ich bete zu Gott und bitte euch, mich bei der großen Aufgabe zu unterstützen, die auf meinen Rücken geschultert worden ist“, wandte sich das neue Oberhaupt der weltweit elf Millionen Gläubigen der Serbisch-Orthodoxen Kirche in seiner Predigt am Freitag direkt an seine ranghohen Gäste.

Sorgen über die mangelnde Unterstützung durch Serbiens weltliche Führung muss sich der bisherige Bischof von Zagreb ohnehin keine machen. Ob Zufall oder göttliche Fügung mit weltlicher Steigbügelhalterhilfe: Mit Porfirije war am Vortag ausgerechnet der Umschlag mit dem Namen des vom allgewaltigen Präsident Aleksandar Vucic favorisierten Kandidaten unter den drei in die Endauswahl gelangten Bischöfe gezogen worden.

Doch selbst wenn das Losglück der sogenannten „Apostolischen Wahl“ einen der beiden anderen Patriarchen-Anwärter zuteil gekommen wäre, hätte sich der Präsident keine Sorgen machen müssen. Alle drei der in die engere Auswahl gelangten Bischöfe galten als Belgrad genehme Kandidaten. Die beiden regierungskritischen Bischöfe Grigoriji von Düsseldorf und Joanikije von Budva-Niksic landeten gemeinsam auf dem vierten Rang.

Die plötzliche, von Kritikern als „politisch“ bezeichnete Erkrankung des dienstältetesten Bischofs Lavrentije, der die Patriarchenkür eigentlich hätte leiten sollen, spielte den regierungsnahen Kandidaten in die Karten. Bei der Patriarchenwahl habe „Vucic gesiegt“, konstatierte am Freitag die Zeitung Danas. Während regierungskritische Stimmen in Porfirije vor allem einen Mann der Macht sehen, feiert ihn nicht nur Serbiens regierungsnahe Zeitung Politika, sondern auch kroatische Medien mit Verweis auf dessen guten Kontakte zur katholischen Kirche als „Mann des Dialogs und der Begegnung“.

Sprach- und weltgewandt

Sicher ist, dass mit dem erst 59 Jahren alten und fließend Englisch, Deutsch und Griechisch sprechenden Porfirije ein relativ junger, weltgewandter und sehr geschäftstüchtiger Patriarch das Kirchenruder übernommen hat. 1961 unter dem bürgerlichen Namen Prvoslav Peric in Becije in der Vojvodina geboren, trat er 1985 in das Kosovo-Kloster Decani ein. Nach seinem Theologie- und Archäologie-Studium in Belgrad und seiner Promotion in Athen macht er als Abt des Klosters von Kovilj nicht nur mit Entzugskuren für hunderte von Drogenabhängigen, sondern auch durch die sehr erfolgreiche Vermarktung des im Klosters gebrannten Kovilj-Rakija von sich reden.

Vucic dürfte von dem neuen Patriarchen vor allem erwarten, dass er ihm in der Kirche den Rücken beim Ringen um einen Kosovo-Kompromiss freihält. Doch selbst wenn es in Belgrad einmal wieder zu einem Machtwechsel kommen sollte, hat der auf Lebenszeit gewählte Kirchenfürst seine Anpassungsfähigkeit schon zur Genüge unter Beweis gestellt: Es war die heute oppositionelle DS, die ihm 2008 zu einem Sitz in der nationalen Rundfunkaufsicht REM verhalf.

J.C. Kemp
20. Februar 2021 - 16.21

Solche Figuren sind heutzutage wirklich nicht mehr gebraucht. Interessant für Etnologen oder vielleicht als Touristenmagnet. Schlimm, dass sie noch von Machthabern zur Manipulation der Menschen benutzt werden.