Großbritannien wird zur Kriseninsel: In den Supermärkten gibt es immer mehr leere Regale, Restaurants müssen wegen Fleischmangels schließen und Energieunternehmer gehen reihenweise pleite. Doch so richtig aufgerüttelt wurde das Land durch die Versorgungskrise beim Benzinnachschub, als sich am Wochenende lange Schlangen vor den Tankstellen bildeten. Jetzt schlachtet die Regierung eine heilige Brexit-Kuh und will die Visabestimmungen lockern, um Arbeitskräfte aus dem Ausland zur Bewältigung der Krise anzulocken.
Boris Johnson hat es sich selbst zuzuschreiben. Nur keine Panik, tönte der Premierminister in der letzten Woche, es sei genug Benzin für alle da. Und was geschah? Prompt strömten um 6 Uhr am Freitagmorgen, als die Tankstellen aufmachten, die Briten zu den Zapfsäulen und tankten sie leer. Manche kamen gleich mit fünf Benzinkanistern an und füllten ihren Kofferraum. Man hätte vorgewarnt sein können. Im September 2000 hatte Großbritannien die letzte Krise dieser Art erlebt und auch da verführten amtliche Versicherungen, dass es keine Versorgungsprobleme beim Treibstoff gäbe, erst die Autofahrer zur Panik.
Kehrtwende light
Der Grund für die Benzinknappheit sind Lieferprobleme. Weil es nicht genug Lkw-Fahrer gibt, konnte BP in der letzten Woche einige seiner Tankstellen nicht versorgen und musste rund hundert davon schließen. Das ist zwar nur ein Bruchteil der mehr als 4.200 Tankstellen des Königreichs, aber zur Auslösung einer Benzin-Panik hat es gereicht. Angesichts der eskalierenden Versorgungskrise zog Premierminister Boris Johnson am Wochenende die Reißleine und vollführte eine perfekte Kehrtwende.
Es gehörte immer zum Kern des Brexit-Projekts, den Zuzug von Arbeitskräften aus der EU zu beschneiden, und Innenministerin Priti Patel hatte im Mai letzten Jahres ein scharfes Einwanderungsgesetz vorgelegt. Jetzt soll es, zumindest übergangsweise bis Weihnachten, Visa-Erleichterungen für bis zu 5.000 Lkw-Fahrer und 5.500 Arbeiter in der fleischverarbeitenden Industrie geben.
Wir haben keine ausgebildeten Metzger, wir haben keine ausgebildeten Schweißer, wir haben keine Köche, wir haben keine Elektroingenieure
Doch das sei viel zu wenig, winken Wirtschaftsvertreter ab. Denn der Personalmangel und die damit verbundenen Lieferprobleme bewegen sich in einer ganz anderen Größenordnung. Mehr als 1,6 Millionen offene Stellen meldete die „Recruitment and Employment Confederation“ Ende August. In der Speditionsindustrie fehlen allein mehr als 100.000 Lkw-Fahrer.
Der Generaldirektor des Arbeitgeberverbandes „Confederation of British Industry“ Tony Danker sagte gegenüber der BBC: „Wir haben keine ausgebildeten Metzger, wir haben keine ausgebildeten Schweißer, wir haben keine Köche, wir haben keine Elektroingenieure, daher herrscht in der gesamten Wirtschaft Arbeitskräftemangel.“ Naomi Smith von der Anti-Brexit-Organisation „Best for Britain“ sagte: „Die unangenehme Wahrheit für die Regierung ist, dass die Wirtschaft endlich ihre Stimme gefunden hat und sagt, dass der Brexit verantwortlich ist. Minister müssen jetzt aufwachen und sich der Realität ihrer isolationistischen Herangehensweise stellen. Ansonsten sehen wir uns einem sehr schwierigen Winter gegenüber.“
Systemischer Kollaps
Da durch den Personalmangel in der Logistikbranche der Volkswirtschaft ein systemischer Kollaps droht, konzentriert sich die Regierung jetzt vor allem auf das Trucker-Problem. Es ist nicht ausgemacht, dass sich trotz der erleichterten Visa-Bestimmungen viele Interessenten aus der EU finden, denn auch auf dem Kontinent gibt es einen Mangel an Lkw-Fahrern und daher verbesserte Arbeitsbedingungen und steigende Löhne.
Das Transportministerium will rund eine Million Briefe an pensionierte Lkw-Fahrer schicken und sie einladen, sich wieder ans Steuer zu setzen. Führerscheinvorschriften sollen vereinfacht werden, um zügig neue Fahrer auszubilden. Schließlich soll schlimmstenfalls, wie die Sunday Times meldete, das Militär bereitstehen, um Benzintanklaster auszufahren.
Zu Demaart
@Claudette ich verstehe ihren Kommentar der ist so konfus geschrieben , ergibt keinen Sinn. Boris Johnson ist der gleiche Idiot wie Donald Trump, beide Blond und Strohdumm, ich kapiere nicht warum die Engländer ihn überhaupt gewählt haben, dieser Mensch hat keinerlei Qualifikation für diesen Job, naja die Engländer waren schon immer ein wenig komisch.
Ja, wir haben euch LKW-Fahrer raus- geschmissen oder geekelt aber jetzt brauchen wir eure Hilfe, nur für 3 Monate, ihr müsst zwar 1 Stunde länger fahren als in der EU aber pünktlich zu Weihnachten seid ihr zu hause, denn das Visa gilt nur bis 24.12., am heiligen Abend fliegt ihr wieder auf die Straße. Fröhliche Weihnachten!