„Wir glauben, dass die Schweden mit 70 Jahren fitter als entsprechende Chinesen und Italiener sind“, so der Mitarbeiter des Gesundheitsamtes gegenüber der Zeitung Dagens Nyheter am Montag. In China und Norditalien wurden Anfang dieses Jahres vor allem schwere Verläufe oberhalb dieser Altersgrenze festgestellt. In Schweden wurde Personen ab 70 Jahren empfohlen, zu Hause zu bleiben. Altersforscher haben beklagt, dass die Einsamkeit der alten Menschen ihre Sterblichkeit erhöhe. Tegnells Vorgänger im Amt, Johan Giesecke, empfiehlt sogar, dass Menschen über 70 wieder ihre Enkel treffen dürften, auch in geschlossenen Räumen.
Der 64-jährige Tegnell gilt als Kopf des umstrittenen Sonderwegs, bei dem das öffentliche Leben nicht von radikalen Lockdown-Maßnahmen zum Erliegen kommen sollte. Darum sind Kindergärten, Grundschulen sowie gastronomische Betriebe weiterhin offen geblieben. Prämisse war jedoch, dass die alten Menschen besonders geschützt werden. Darum empfahl das Gesundheitsamt den über 70-Jährigen seit Mitte März, weitgehend zu Hause zu bleiben, der Besuch von Altersheimen wurde von der rotgrünen Regierung untersagt – dennoch finden sich dort knapp die Hälfte der bislang 3.698 Todesfälle in dem Land mit 10 Millionen.
Schwedens 70-Jährige sollen gesünder sein
Dabei setzt Tegnell auf ein vorsichtiges Umsetzen der Herdenimmunität, die nach Angaben eines Stockholmer Mathematikers bereits bei 40 bis 45 Prozent Ansteckung innerhalb der Bevölkerung erreicht sei. Tegnell gab bereits in der vergangenen Woche einem Treffen zwischen Großeltern und Kindern „im Garten“ grünes Licht, wenn sie Abstand hielten. Die Empfehlung Gieseckes für den geschlossenen Raum hat der Amtsträger noch nicht bestätigt. Der Kollege vom Fach ist zwar pensioniert, jedoch ebenfalls stark präsent in den Medien und gleichfalls ein Verfechter des Sonderwegs.
„Gesunde Enkel zu treffen, ist kein Problem. Selbst drinnen. Das habe ich ja selbst gemacht am Samstag“, so der 71-jährige Giesecke. Eine Begegnung im Raum würde jedoch der Erkenntnis über eine Aerosol-Ansteckung entgegenstehen – die Teilchen mit SARS-CoV-2-Viren könnten sich nach einer US-Studie etwa zehn Minuten in der Luft halten und machen nach Einschätzung des deutschen Virologen Christian Drosten knapp die Hälfte der Infektionen aus. Gerade bei Kindern lässt sich die Ansteckung zumeist nicht feststellen, da die Symptome ausblieben.
Die rotgrüne Minderheitsregierung unter Stefan Löfven hielt sich bislang mit ihren Direktiven an die Vorgaben des Gesundheitsamts. Doch die Zeiten, dass die Opposition den schwedischen Sonderweg vorbehaltlos unterstützt, sind vorbei. Ulf Kristersson, Chef der bürgerlichen Moderaten, beschwerte sich, dass Stefan Löfven zu sehr den medizinischen Experten folgte. Er forderte am Montag eine Untersuchungskommission zum Corona-Verlauf. Dies kann auch persönliche Gründe haben – die Mutter des 56-Jährigen hatte sich kürzlich im Altersheim mit dem Coronavirus angesteckt.
Zu Demaart
@Blau: Vor geraumer Zeit wurde mein Vater in eine Klinik eingeliefert. Bedingt durch sein Alter, seine Krankheit wäre der Kontakt zu seiner Ehefrau von Wichtigkeit, da diese Krankheit ohne das vertraute Umfeld sehr schnell fortschreitet. Augenblicklich gibt es Tage er kein Wort redet, die Wahrnehmung schwindet, ihm der bildliche Kontakt zu Familienangehörigen fehlt. Hinzukommt durch die augenblickliche Situation in den Krankenhäusern, der Kontakt zu Ärzten schwierig ist, wir oft Tage ohne Information sind , eine lebensbedrohliche Operation ansteht . Wir wären froh , Kontakt durch eine Glasscheibe zuhaben, aber an der Krankenhauspforte ist Schluss. Kein Eintritt, Wäsche in Plastiktüten verpackt, das war‘s.
@J.Scholer "Viele Schwerkranke erleben den Krankenhausaufenthalt in der Isolation , ohne Kontakt zur Familie , der Aussenwelt. " Wenigstens erLEBEN sie ihn. Aber das war schon immer so. In Ihrem Alter müssen sie sich doch noch an die Isolierstationen der Pockenkranken, Scharlach usw erinnern können? Waren unsere Großeltern härter im Nehmen oder bloß nicht so pingelig? Die konnten auch bloß durch eine Glasscheibe auf die Familie blicken. In Düdelingen musste damals die Familie sogar auf eine Leiter klettern um durchs Fenster zu schauen.
Da ist Luxemburg weit entfernt .Viele Schwerkranke erleben den Krankenhausaufenthalt in der Isolation , ohne Kontakt zur Familie , der Aussenwelt. Den Insassen von Gefängnissen stehen mehr Rechte zu oder bei Verstössen gegen Menschenrecht würden Menschenrechtsorganisationen auf die Barrikaden steigen.Viele Familien Personen ohne Schwerkranke haben schon Lebensprobleme mit den Folgen dieser Pandemie, den Familien mit Schwerkranken wird hier noch zusätzliches Leid zugefügt.Nicht nur der Informationsfluss zwischen Krankenhaus und Familie dürftig ist , der Kranke entfremdet.