Sonntag11. Januar 2026

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Lux-AirportLufthansa-Streik auch in Luxemburg spürbar – rund 750 Passagiere von Annullierungen betroffen

Lux-Airport / Lufthansa-Streik auch in Luxemburg spürbar – rund 750 Passagiere von Annullierungen betroffen
Auch den Lux-Airport und seine Passagiere trifft der Lufthansa-Streik am Mittwoch Fotomontage: Tageblatt/Yannick Schumacher

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An den deutschen Lufthansa-Drehkreuzen geht am Mittwoch wegen des Warnstreiks beim Bodenpersonal der Fluggesellschaft kaum noch etwas. Die Auswirkungen davon sind auch am Luxemburger Flughafen zu spüren – laut dem Lux-Airport könnten sich die Folgen für die Passagiere auch noch über den Mittwoch hinausziehen. 

Die deutsche Gewerkschaft Verdi hat mit einem Warnstreik des Bodenpersonals den Flugbetrieb der Lufthansa weitgehend lahmgelegt. Am Mittwoch waren nahezu alle Lufthansa-Flüge an den Drehkreuzen München und Frankfurt gestrichen. Auch am Flughafen in Luxemburg führte das zu abgesagten Flügen. Flughafenchef Alexander Flassak erklärt am Mittwoch auf Tageblatt-Anfrage: „Am heutigen Tag sind streikbedingt alle fünf geplanten Lufthansa-Flüge abgesagt worden. Außerdem zwei Luxair-Flüge morgens und abends nach München, da die Maschinen in München von Lufthansa-Personal abgefertigt werden.“

Der Ausstand hatte am Mittwochmorgen begonnen und soll bis Donnerstag, 6 Uhr, dauern. Lufthansa hat vorsorglich mehr als 1.000 Flüge an den Drehkreuzen Frankfurt und München gestrichen und fürchtet Auswirkungen bis zum Freitag. Das hält auch Flassak für möglich: „Es gibt derzeit keine streikbedingten betrieblichen Auswirkungen, mit Ausnahme der erwähnten Flugannullierungen. Dies kann je nach Umbuchung der betroffenen Passagiere aber gegebenenfalls in den Folgetagen zu Nachlaufeffekten führen.“ 

Kein weiterer Streik bis zur nächsten Gesprächsrunde

134.000 Passagiere mussten ihre Reisepläne ändern oder aufgeben. „Überschlägig sind rund 750 Passagiere von den Annullierungen der Flüge von und nach Luxemburg betroffen“, so der Lux-Airport-Chef zur Lage im Großherzogtum. Am größten deutschen Airport in Frankfurt wurden am Mittwoch 725 von 1.160 geplanten Flügen abgesagt, wie ein Sprecher des Betreibers Fraport erklärt. Damit sind ebenso wie in Luxemburg auch Flüge anderer Gesellschaften betroffen, die üblicherweise vom Lufthansa-Bodenpersonal mitbetreut werden. Lufthansa selbst hatte für Mittwoch die Zahl von 646 streikbedingten Flugabsagen genannt.

Gestrichen wurden auch Flüge von Lufthansa-Konzerngesellschaften wie Swiss, Austria, Brussels oder Air Dolomiti. Darüber hinaus konnten auch unter anderem Maschinen von Croatian, United, Air Canada oder der polnischen LOT nicht abheben. Ähnlich sah es in München aus, wo Lufthansa selbst 330 Flüge abgesagt hatte, aber zusätzlich weitere Airlines betroffen waren. An den kleineren Flughafen-Standorten fielen meist nur die Verbindungen nach München und Frankfurt aus.

Bis zur Wiederaufnahme der Tarifgespräche am kommenden Mittwoch soll es keinen weiteren Streik geben, sagt Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle im ZDF-Morgenmagazin. Bereits am Dienstag waren im Zusammenhang mit dem Streik mindestens 47 Verbindungen ausgefallen, davon waren knapp 7.500 Passagiere betroffen.

Betroffene Passagiere sollen Airline kontaktieren

Lufthansa hatte bereits am Vortag die Passagiere gebeten, sich möglichst online mit dem Unternehmen in Verbindung zu setzen, um neue Flüge oder zwischenzeitliche Unterkünfte zu organisieren. „Hier am Flughafen können wir derzeit leider kaum helfen“, sagte ein Unternehmenssprecher im Frankfurter Terminal. Es sei zudem wegen der meist stark gebuchten Flüge sehr schwierig, in den kommenden Tagen alternative Reisemöglichkeiten zu finden. In einzelnen Fällen könne es sein, dass Gäste mehrere Tage lang auf ihren Weiterflug warten müssten.

Lux-Airport-Chef Flassak erklärt: „Flugannullierungen werden von den Airlines veranlasst, die dann im Regelfall die Passagiere entsprechend direkt informieren. Sobald die Flüge in den Fluginformationssystemen offiziell annulliert sind, wird das auf den Informationsbildschirmen im Terminal, den betreffenden Flughafen-Webseiten und den Airlines selbst publiziert.“ Am Luxemburger Flughafen habe man derzeit keine Kenntnis von „gestrandeten“ Passagieren. Er rät: „Passagiere annullierter Flüge sollten sich immer direkt mit der Airline beziehungsweise dem Reiseanbieter in Verbindung setzen, um entsprechende Umbuchungen oder Ersatzleistungen zu veranlassen.“

Der Flughafenchef berichtet abseits vom Streik außerdem von einer hohen Zahl an Fluggästen. „Ganz offenbar ist nach zwei sehr einschränkenden Pandemiejahren die Reiselust erfreulicherweise sehr groß, sodass wir grundsätzlich ein hohes Passagieraufkommen in den Ferienzeiten verzeichnen können, verbunden mit dem Phänomen, dass die Airlines zu vereinzelten Spitzenzeiten sehr dicht aufeinander folgend abfliegen“, so Flassak. Das führe dazu, dass das Passagieraufkommen zwischenzeitlich die Spitzen aus dem Vorpandemiejahr 2019 noch deutlich überschreite. Das verursache wiederum teils längere Wartezeiten für die Passagiere. „Wir empfehlen daher jedenfalls, mindestens zwei Stunden vor Abflug im Terminal zu sein, nach Möglichkeit den Vorabend Check-in zu nutzen und bei Individualanreise vorab einen Parkplatz zu reservieren“, ergänzt der Lux-Airport-Chef.

Wie geht es weiter mit dem Streik?

Verdi und Lufthansa hielten sich gegenseitig vor, für die Lage verantwortlich zu sein. Lufthansa habe bewusst darauf verzichtet, nach der Warnstreikankündigung noch einmal zu verhandeln, sagte Verdi-Streikleiter Marvin Reschinsky. Er hoffe nun auf ein schnelles, gutes Ergebnis. „Wir erwarten ganz klar, dass Lufthansa in der nächsten Woche nachlegt, damit der Luftverkehr wieder läuft.“ Ein hoher Abschluss sei auch ein Entlastungssignal an das Bestandspersonal, wenn Lufthansa attraktivere Jobs für Neueinsteiger anbiete.

Lufthansa-Sprecher Martin Leutke bezeichnete den Warnstreik als „unnötig, überzogen und viel zu umfänglich“. Das Unternehmen habe schließlich ein substanzielles Angebot vorgelegt, über das man weiter hätte sprechen können. Verdi habe sich aber entschieden, den Konflikt auf dem Rücken der Passagiere auszutragen. „So einen Streik hätte es nicht gebraucht.“

Lufthansa und Verdi haben erst in zwei Runden über die künftigen Gehälter und Arbeitsbedingungen der rund 20.000 Bodenbeschäftigten gesprochen. Ein dritter Termin ist für den 3./4. August in Frankfurt vereinbart. Ein erstes Angebot hatte Verdi als zu niedrig abgelehnt. Die Gewerkschaft verlangt 9,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 350 Euro. Als weitere Beschäftigtengruppe läuft bei den Piloten noch bis Sonntag eine Urabstimmung über einen Arbeitskampf. (dpa)