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Ukraine-KriegKiew will Südukraine zurückerobern und ordnet Evakuierung von Zivilisten an

Ukraine-Krieg / Kiew will Südukraine zurückerobern und ordnet Evakuierung von Zivilisten an
In Verteidigungsposition: Ein T-72-Panzer der ukrainischen Armee im Donbass Foto: AFP/Miguel Medina

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Im Osten der Ukraine gehen die Kämpfe mit unverminderter Härte weiter. Im Süden in der Oblast Cherson will Kiew von Russland besetzte Gebiete zurückerobern.

Der russische Sänger Iossip Kobson hat die Bombardierung seiner Geburtsstadt Tschassiw Jar nicht mehr erlebt. Vier Jahre nach dem Tod des Putin-freundlichen Nationalisten und Heldensängers der separatistischen „Volksrepubliken“ im Donbass wurde am Sonntagmorgen ein fünfstöckiges Wohnhaus von einer russischen Rakete getroffen. Mindestens 15 wehrlose Zivilisten kamen dabei ums Leben, ebenso viele sind noch unter den Trümmern begraben. Die russischen Streitkräfte erklärten, sie hätten ukrainische Waffenlager angegriffen, in denen US-Artilleriegeschütze des Typs M777 gelagert seien und dabei auch hundert ukrainische Soldaten getötet.

Das Städtchen bei Bachmut (früher: Artemiwsk) im von Kiew kontrollierten Nord-Donbass trauert, in Moskau und Donezk wird man sich freuen. Dies umso mehr, weil der bisher groß angekündigte russische Vormarsch auf den Norden des Donbass nach dem Fall von Lyssytschansk ins Stocken gekommen ist. Seit Tagen können Putins Invasionstruppen kaum mehr Gebietsgewinne vermelden. Im äußersten Westen der mittlerweile zu 95 Prozent von Russland eroberten Oblast Luhansk hält sich dazu tapfer immer noch die ukrainische Armee im Dorf Bilhoriwka.

Mit US-Waffen Munitionsdepots zerstört

Die ukrainische Armee ist gar zu Luftschlägen gegen die beiden pro-russischen „Volksrepubliken“ Donezk (DNR) und Luhansk (LNR) übergegangen. In Schachtarsk und Altschewski gingen am Sonntag große russische Munitionsdepots in Flammen auf. Militärexperten gehen davon aus, dass die ukrainischen Streitkräfte diese mit den von den USA gelieferten HIMARS-Mehrfachraketenwerfern beschossen haben. Dies alles bedeutet nicht, dass die Schlacht um den Donbass bereits geschlagen ist. Vielmehr stehen wohl monatelange Stellungskämpfe bei den noch von Kiew gehaltenen Städten Torez (früher: Tscherschynsk), Bachmut, Kramatorsk und Slowiansk bevor, denn die Eroberung – in russischer Lesart „Befreiung“ – des gesamten Donbass war Putins offizielles ursprüngliches Kriegsziel, als er das Nachbarland am 24. Februar bis zur polnischen Grenze ganz im Westen bombardieren ließ.

Mindestens 15 Zivilisten kamen bei dem russischen Beschuss eines Wohnhauses in der Stadt Tschassiw Jar ums Leben
Mindestens 15 Zivilisten kamen bei dem russischen Beschuss eines Wohnhauses in der Stadt Tschassiw Jar ums Leben Foto: AFP/Miguel Medina

Während Moskau mittels Dutzender veralteter Panzerkolonnen und massierten Raketenangriffen auch auf zivile Einrichtungen versucht, dieses Ziel zu erreichen, ist Kiew in der bereits seit Anfang März besetzten Südukraine immer wieder erfolgreich.

Selenskyj löst mehrere Botschafter ab – auch Melnyk

Ein streitbarer Kämpfer für die Anliegen seines Landes muss seinen Posten räumen: Andrij Melnyk ist als ukrainischer Botschafter in Deutschland abberufen worden. Das teilte die Präsidentschaftskanzlei in Kiew am Wochenende mit. Gründe für die Abberufung wurden in dem Dekret nicht genannt. Melnyks Kollegen in Norwegen, Tschechien, Ungarn und Indien müssen ihre Posten ebenfalls abgeben. Selenskyj sprach von einem normalen Vorgang. Melnyk machte sich nicht erst seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine als scharfer Kritiker der Bundesregierung einen Namen. Immer wieder prangerte er insbesondere die deutsche Russland-Politik an. In den vergangenen Monaten sparte er auch nicht mit scharfer Kritik an Kanzler Olaf Scholz. Dem SPD-Politiker und seinen Ministern warf er unter anderem vor, zu zögerlich Waffen für den Kampf gegen die russischen Angreifer in die Ukraine zu liefern. Einmal bezeichnete er den Kanzler als „beleidigte Leberwurst“. (dpa)

Im Umland der neben Mariupol größten von der russischen Armee kontrollierten Stadt Cherson wurden bereits Dutzende Dörfer zurückerobert. Am Wochenende nun hat Wolodymyr Selenskyjs Vize-Regierungschefin Irina Wereschtschuk die ukrainische Zivilbevölkerung eindringlich dazu aufgerufen, sich einstweilen aus dem Gebiet zu evakuieren. „Unsere Artillerie muss einsatzfähig sein können, die Rückeroberung verlangt den Einsatz der Armee“, begründete sie. Die Armee könne ihre volle Kampffähigkeit nicht erreichen, wenn sie auf Frauen und Kinder in dem Gebiet Rücksicht nehmen müsse.

Widerstand in Cherson

An den Ausfahrtstraßen aus dem Gebiet Cherson bildeten sich daraufhin am Sonntag kilometerlange Autoschlangen von Ausreisewilligen. Die russischen Besatzer allerdings lassen laut Kiewer Angaben nur 80 Autos täglich ausreisen. Die Zivilisten sollen offenbar als menschliche Schutzschilde eingesetzt werden. Den verzweifelten Ukrainern haben die noch Kiew-treuen Lokalbehörden inzwischen angeraten, zumindest Bunkerräume vorzubereiten, in denen sie mehrtägige Kämpfe abwarten können.

Von sich reden gemacht haben in dem Gebiet auch geheime Kiew-treue Untergrund-Formationen, die Jagd auf Kollaborateure machen. Alleine in der Stadt Cherson gab es im Juli bereits mehrere Autobomben. Im schmucken Städtchen Nowa Kachowka, dem Anfang des strategisch wichtigen Süßwasser-Kanals auf die bereits seit 2014 russisch besetzte Halbinsel Krim, wurde am Freitagabend der von den Besatzern eingesetzte Vizepolizeichef Serhij Tomko auf offener Straße erschossen. Das Kiewer „Zentrum des Nationalen Widerstandes“, das Partisanenaktivitäten in den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine koordinieren soll, hat inzwischen die Verantwortung für den Anschlag übernommen.

w.d.
11. Juli 2022 - 14.35

Nun sind also geheime, aber Kiew getreue Untergrundformationen, die Jagd auf Menschen machen, die heimlichen Helden. Was für ein Geschrei würde das nur geben, wenn das die Russen wären....auweia, oder Terrororganisationen. Dann würde das aber Sofort internationale Konsequenzen haben! Aber so....egal, es sind ja die guten Ukrainer, die man hier immer öfter mit hochwertigen Luxuswagen auf der "Flucht" wahrnimmt!

oswaldcl
11. Juli 2022 - 10.43

Egal ob et russesch Besatzer oder ukrainesch Partisane sinn : Krich ass a bleift eng dreckeg Saach. Et gëtt kee proppere Krich. An de Krich ass och zudéifst ondemokratesch, well déi gewéinlech Leit gi guer net gefrot.