Beide Projekte vermitteln eine klare Botschaft: Zum Aufbau einer ökologischen Insel bedarf es weder einer Chemiekeule noch eines Rasenroboters. Ihr Geheimnis: das natürliche Gleichgewicht. Die zur Verfügung stehende Fläche spielt dabei eine untergeordnete Rolle.
Marco und Edmée Schank in Eschdorf besitzen zwei Hektar Land am Rande des idyllischen Dorfes. Größtenteils stammen die Ländereien aus dem ehemaligen landwirtschaftlichen Familienbesitz. Früher befanden sich hier lediglich ein Gemüsegarten zur Selbstversorgung sowie Weide und Ackerflächen. Schrittweise und über zwei Jahrzehnte hinweg hat Marco Schank zusammen mit seiner Gattin das Ackerland in eine einzigartige Grünoase nach dem Vorbild englischer Gärten verwandelt.
Inspirieren ließ sich das Ehepaar durch Gartenreisen, Literatur und zahlreiche Doku-Sendungen. Wenn uns etwas gefällt, setzen wir es um, so Edmée Schank. Mit Skizzen und Architektenplänen arbeiteten die beiden Gartenliebhaber nie.
In Hausnähe befinden sich die Gewächshäuser und Hochbeete zur Gemüse-Selbstversorgung – geschützt mit Netzen gegen gefräßige Vögel oder als Schutz vor dem Dachs. Die nördliche Grenze des Grundstücks, ein etwa zwölf Ar großes Areal, ist ein offiziell anerkanntes Biotop, eingetragen im PAG.
Sichtachsen und Alleen
Von Hecken und Stauden umgebene Sichtachsen und Alleen laden zum Flanieren durch die Grünoase ein. In jeder Ecke lauern Überraschungen, etwa eine aus alten Ziegelsteinen nachgebaute Ruine, die Kletterrosen als Rankhilfe dient. Abwechslung bringt das Element Wasser, einmal in Form eines Naturteichs, einmal als längliches Becken am sogenannten „Long Walk“, dem letzten Übergang vom formalen Garten zur offenen Weidelandschaft der „Eschdorfer Koppen“.
Blumen und Rosen gehören ebenfalls dazu, darunter alte Rosensorten, die hier besonders gut gedeihen. Möglich macht dies das Zusammenspiel zwischen Schatten und Sonne. Ein Höhepunkt für die echten Naturliebhaber ist eine farbenprächtige natürliche Blumenwiese. Nur einmal im Jahr, im späten September, wird diese abgemäht.
Ein fast unendlich erscheinendes Labyrinth, bestehend aus Buchen und Ahornhecken, stimuliert den Orientierungssinn der Besucher. Denn ohne diesen kommt man kaum wieder aus der Mitte des Labyrinths heraus. Der Hochsitz in der Mitte des Labyrinths ermöglicht einen Blick über die Gräser- und Senkgärten. Auch die Steingärten spielen im Ökosystem Garten eine bedeutende Rolle. Die trockenen Steinlandschaften, fast ganztägig der Sonne ausgesetzt, ahmen den alpinen Lebensraum nach. Eidechsen und Käfer leben zwischen den Steinen und genießen förmlich die Wärme der erhitzten Steine. Auch die Flora kann an diesen Orten sehr artenreich sein. Marco Schank überlässt der Natur diese Ecken und somit die Wahl einer natürlichen Artenvielfalt. Sinnvoll angelegt, leisten diese Steingärten inmitten der grünen Oasen einen guten Beitrag gegen das Artensterben.
Die Gartenanlage mit ihren unterschiedlichsten Elementen bietet zahlreichen Tierarten ein Zuhause. Eichhörnchen fühlen sich hier besonders wohl, an Nahrung fehlt es ihnen nicht. Dachs und Waschbär gehören genauso dazu wie eine Vielzahl an Insekten und Vögeln, Amphibien und kleine Echsen.
Die Abwechslung zwischen Natur und Ziergärten, und vor allem die Gestaltungsvielfalt, sind das Geheimnis eines gesunden Gartens. Hier funktioniert die Natur. Weder Krankheiten noch Schädlinge breiten sich trotz des Verzichts auf die Chemiekeule in der zwei Hektar großen Landschaft aus.
15 Ar Schatten- und Rosenwelten in Leudelingen
Beim Betreten des Gartens von Gilbert Folschette in Leudelingen taucht man in eine nur 15 Ar große gepflegte Unordnung ein. Die Wohlfühloase am Rande der Hauptstadt ist sicherlich einzigartig. In versteckten Winkeln, und davon gibt es jede Menge, wird man von den feinen Düften der fast 100 historischen Rosenarten umhüllt. Die Vielfalt der Rosen gliedert sich dezent in das landschaftliche Bild mit den vorherrschenden Grün- und Grautönen ein. Bäume und Sträucher verleihen dem Garten die notwendigen Schattenspiele.
Für Gilbert Folschette ist der Garten eine pure Leidenschaft. Ende der 1980er Jahre hatte er noch nicht die Erfahrung wie heute. Mittlerweile ist er auf dem Gebiet der Botanik zu Hause. Seine Spezialgebiete sind die Hosta, Farne und Rosen. Die Pflanzen kennt Gilbert Folschette aus dem Effeff, ebenso wie die botanischen Bezeichnungen in lateinischer Sprache.
Mit ihren großen Blättern zählt die Hosta, auch noch als Funkien bezeichnet, zu den beliebtesten Schattenstauden. Sie ist leicht zu pflanzen und fühlt sich auch in Kübeln und Blumentöpfen wohl. Die rund 100 Sorten, die in Gilbert Folschettes Garten gedeihen, unterscheiden sich durch ihre Blattformen, Farben, Blattstrukturen und Lichtansprüche. Funkien können zudem ohne Probleme überwintern – eine Eigenschaft, die für den ambitionierten Gartenfreund besonders wichtig ist. Denn auch im Winter soll der Garten möglichst grün sein, so Folschette.
Im romantischen Garten entdeckt der aufmerksame Besucher eine weitere Besonderheit: Farne in feuchten und schattigen Ecken. Durch ihre ungewöhnliche Wuchsform und ihre anmutige Schlichtheit und Grazie versprühen die etwa hundert Farnarten einen ganz besonderen Charme.
Rostige Kunst als Rankhilfe
Nebst der Pflanzenwelt laden sowohl der naturnahe Teich mit seiner Sitzecke als auch die Kunstwerke aus rostigem Eisen und Stahl zum Verweilen ein. Unter dem Motto „Giving old, everyday objects a new life“ gestaltet Gilbert Folschettes Sohn aus alten rostigen Harken, Scheren, Bremsscheiben und allen möglichen Gebrauchsgegenständen neue Kunstwerke. Aufgrund des Rostes passen diese sich hervorragend in die Gartenlandschaft ein. Dabei dienen sie den unzähligen Pflanzen als fast unsichtbare Rankhilfen.
In der geordneten Landschaftsgestaltung stechen einige botanische Besonderheiten ins Auge. Darunter etwa die Hybrid-Zaubernuss, eine gärtnerische Kreuzung der beiden ostasiatischen Arten Hamamelis mollis und Hamamelis japonica. Der japanische Blumenhartriegel seinerseits beeindruckt im Frühsommer mit einer wundervollen Blüte, im Herbst mit einer leuchtend roten Laubfärbung. Die eichenblättrige Hortensia sowie ein silberfarbener Cornus alternifolia Argentea, zu deutsch „Niedriger weißbunter Etagen-Hartriegel“, verleihen der Grünoase eine gewisse exotische Note. Beim Besuch des Gartens dürften sich auch Phytotherapeuten auf einige Seltenheiten freuen. Etwa der Geißbart oder die Apothekerrose. Letztere zählt übrigens zu den ältesten kultivierten Rosen, die in der Volksheilkunde unter anderem Anwendung bei der Behandlung von Magenbeschwerden oder Bronchialasthma finden.
Obwohl die sehr dichte, bewachsene Gartenanlage nur eine Fläche von 15 Ar umfasst, fühlen sich hier Landtiere und Vögel wie zu Hause. Die schattigen Ecken und zahlreichen Verstecke, die Farne und Funkien bieten, sowie das Element Wasser und eine Trockenmauer als Kräuterspirale bieten einen immensen Lebensraum. Chemie und Rasenroboter braucht es dazu nicht.
Zu Demaart






























































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