Ein weiß-roter Pfosten – ihm gegenüber ein paar Meter entfernt ein grün-rotes Äquivalent. So sieht derzeit die finnisch-russische Grenze aus – eine Linie von 1.340 Kilometern, die sich durch Wälder und Sümpfe zieht. Das wird sich nun ändern, schon diesen Sommer will Finnland mit dem Bau eines Zauns beginnen.
„Es ist nicht nur ein Zaun, es wird ein Überwachungssystem geben“, so der leitende Grenzoffizier Matti Pitkäniity gegenüber dem Fernsehsender „Yle“. Bereits an einigen Stellen des Grenzbereichs sind Kameras aufgestellt.
In der vergangenen Woche hatte das finnische Parlament eine Veränderung des Gesetzes zur Landesgrenze abgesegnet, die den Bau des Zauns erlaubt. Er wird vermutlich nur 250 Kilometer der 1.340 Kilometer langen Grenze absichern, so Pitkäniity. Das bislang bündnisfreie Land hat zusammen mit Schweden im Mai angesichts der russischen Aggression in der Ukraine die Aufnahme in die NATO beauftragt.
Das Grenzgebiet gehört in Finnland nicht dem Staat, darum muss der Bau durch ein Gesetz legitimiert werden. Gedacht ist jedoch nicht allein ein Erschweren und Erkennen eines Angriffs von seiten russischer Truppen. Die Befestigung soll auch gegen von Russland geschickte illegale Migranten schützen, was Yle einen „hybriden Eingriff“ nennt.
Der mit dem Kreml verbündete belarussische Staatspräsident Aleksander Lukaschenko lockte im Sommer vergangenen Jahres Ausreisewillige aus dem Nahen Osten und Afrika in sein Land und ließ sie in die Grenzgebiete zu Polen, Litauen und Lettland schicken, was zu humanitären Katastrophen führte.
Vorbild Polen
Polens nationalkonservative Führung reagierte mit dem Bau eines 5,5 Meter hohen Stahlzauns, der 186 Kilometer der Grenze mit Belarus absichern soll. Finnland wolle sich hier anregen lassen.
Lange war es an der finnisch-russischen Grenze entspannt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden die finnischen Wachtposten-Gebäude in Ferienhäuschen umfunktioniert. Die Grenze hat jedoch auch eine blutige Geschichte. Die Sowjetunion griff die finnische Republik 1939 bis 1940 an, das Land musste nach zähen Abwehrschlachten Gebiete abtreten, welche es sich im Verbund mit Deutschland 1941 wieder zurückholte; im Sommer 1944 verteidigte sich Finnland erneut gegen einen Angriff der Roten Armee.
Die beiden Offensiven der Sowjetarmee im Zweiten Weltkrieg fokussierten sich auf den Südosten des Landes, um so die Hauptstadt Helsinki zu erreichen. Dort will die Regierung unter Sanna Marin auch die Zäune errichten.
„Die Grenze zwischen Finnland und Russland wird nie wieder eine Grenze der guten Nachbarschaft sein“, so Konstantin Kosachev, der Sprecher des russischen Senats in der vergangenen Woche. Das hat sich Russland jedoch selbst zuzuschreiben.
Zu Demaart
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