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Ukraine-KriegEU-Anwärter Serbien einigt sich mit Moskau auf neues Gasabkommen – zum Sonderpreis

Ukraine-Krieg / EU-Anwärter Serbien einigt sich mit Moskau auf neues Gasabkommen – zum Sonderpreis
Der serbische Präsident Aleksander Vucic führt seine europäischen Partner immer wieder vor Foto: dpa/Darko Vojinovic

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Der EU-Anwärter Serbien laviert weiter zwischen Ost und West – und führt die EU-Partner vor. Statt sich wie von Brüssel gefordert den EU-Sanktionen gegen Russland anzuschließen, hat sich Präsident Vucic nun mit Kremlchef Putin auf ein neues Gasabkommen verständigt – zum Freundschaftspreis.

In einem Magazin mit staatlichen Lebensmittelreserven verkündete Serbiens allgewaltiger Landesvater Aleksander Vucic seinen Landsleuten am Wochenende vor einer Palette mit weißen Bohnen die frohe Botschaft. „Wir werden einen sicheren Winter haben“, versicherte der Staatschef nach seinem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin. Der mit dem Kremlchef vereinbarte Gaspreis für die nächsten drei Jahre werde „sehr günstig“ ausfallen: „Im Winter werden wir zehn bis zwölf Mal weniger bezahlen als die anderen in Europa.“

Statt sich wie von Brüssel gefordert den Sanktionen gegen Russland anzuschließen, laviert der EU-Anwärter weiter zwischen Ost und West – und führt die EU-Partner bewusst vor. Die Vereinbarung mit Putin zeige, wie die Entscheidung Serbiens geschätzt werde, „an der antirussischen Hysterie nicht teilzunehmen“, jubilierte Innenminister Aleksandar Vulin und gratulierte dem Präsidenten für den „Mut, allem Druck standzuhalten“: „Vucic ist der letzte freie Leader in Europa. Ohne ihn würde Serbien auf den Knien liegen.“

Freudig erregte Boulevardpresse

Freudig stimmt auch die von der Regierung kontrollierte Boulevardpresse in den Jubelchor über das Gasabkommen des EU-Anwärters mit Moskau auf dem Höhepunkt des Ukraine-Kriegs ein. „Serbien wird nicht frieren!“, titelte zu Wochenbeginn Alo!. Serbien erhalte „den geringsten Gaspreis in Europa“, vermeldete freudig der Informer. „Sicherheit!“, verkündete scheinbar erleichtert der Kurir. Skeptischer bewertete hingegen die unabhängige Zeitung Danas den Deal mit dem Kremlchef. „Was fordert Putin im Gegenzug von Vucic?“, fragt sich besorgt das Blatt.

Im Winter werden wir zehn bis zwölf Mal weniger bezahlen als die anderen in Europa

Der serbische Präsident Aleksander Vucic

Schon seit Jahren ermahnt Brüssel den EU-Beitrittskandidaten, seine Außenpolitik endlich an die der EU anzupassen. Umgekehrt hält der EU-Anwärter selbst im Ukraine-Krieg an seinem widersprüchlichen Seiltanz zwischen Ost und West fest. Einerseits hat Serbien für alle UN-Erklärungen zur Verurteilung der Invasion gestimmt – und trägt auch die EU-Sanktionen gegen Belarus mit. Andererseits lehnt Serbien Sanktionen gegen Russland weiter ab und verbreitet mit Hilfe der staatlich kontrollierten Medien willig die Moskauer Propagandabotschaften über den Ukraine-Krieg.

Vucic jammert seit Wochen

Beim Umgang mit dem auf Sanktionen drängenden Westen setzt Belgrad derweil auf Weiterwursteln, Zeitgewinn durch Scheinzugeständnisse, die Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende – und Selbstmitleid. Dem Publikum der regierungsnahen Medien muss sich gar der Eindruck aufdrängen, dass nicht die Ukraine, sondern Serbien das eigentliche Opfer des Krieges sei: Über den „unmenschlichen Druck“, unter dem Serbien wegen der Nichtübernahme der Sanktionen stehe, und die schwerste Zeit seit Ende des Zweiten Weltkriegs jammert Vucic schon seit Wochen.

Noch bevor der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz bei seiner am 10. Juni geplanten Serbien-Visite seinen Gastgebern erneut die Sanktionsleviten lesen kann, wird am 7. Juni der russische Außenminister Sergei Lawrow in Belgrad erwartet. Doch ob sich die EU von dem russophilen Beitrittskandidaten noch lange auf der Nase herumtanzen lässt, scheint zunehmend fraglich.

Die Frage sei, „ob wir den Weg in Richtung Westen fortsetzen oder in Europas Peripherie nach Osten abbiegen werden“, sieht Vladimir Medjak, der stellvertretende Vorsitzende von Serbiens „Europäischer Bewegung“, sein Land am Scheideweg. Vucic führe Serbien außenpolitisch „in die Selbstisolation“ und in die Zeit von Ex-Autokrat Slobodan Milosevic, warnt der Analyst Dusan Janjic: „Das ist hochgefährlich und nur im Interesse Russlands, nicht Serbiens.“

JJ
4. Juni 2022 - 9.00

@Ben, genau so. Verheugen sei Dank haben wir die Korruption des Sowjetregimes gleich mitgeerbt. So wie die Russen heuer gegen Nazis schreien und gleichzeitig dem Nachfolger Stalins applaudieren.

Ben
1. Juni 2022 - 15.40

Die ganze europäische Osterweiterung kostet viel Geld und hat nur Probleme gebracht. Schlimmer ist nur noch wenn man nichts daraus gelernt hat.

w.d.
1. Juni 2022 - 8.49

Die Haben Es Verstanden! Mehr gibt es dazu nicht zu sagen bzw. zu schreiben.