Großherzog Jean wird am Wochenende in der Krypta der Kathedrale beigesetzt. Dort befindet sich neben der Grabstätte des Hauses Nassau-Weilburg auch der Sarkophag von Johann dem Blinden. Und eigentlich sollte die Grabkammer des mittelalterlichen Königs längst zu einem europäischen Erinnerungsort ausgebaut sein. Doch bis heute sind diese Pläne nicht umgesetzt worden.
„Es war ein inniger Wunsch von Altgroßherzog Jean“, schrieb der Historiker Michel Pauly 2001 in der Zeitschrift forum. „Sein berühmter Vorfahre, auf dessen Namen er getauft worden war, sollte endlich eine würdige Ruhestätte erhalten.“ Auch die Regierung um Staatsminister Jean-Claude Juncker (CSV) war gegen Ende des Jahrtausends von dieser Idee überzeugt. Johann der Blinde, spätmittelalterlicher Graf von Luxemburg und König von Böhmen, sollte eine neue Grabkammer in der Krypta der Kathedrale Notre-Dame erhalten.
Baut eppes fir déi Lieweg, déi Doudeg ginn ouni eis eens.
Über Johann den Blinden gibt es eine Unmenge Halbwahrheiten und Legenden. Sein Heldentod in der Schlacht von Crécy hat ganze Generationen zu Tränen gerührt. Ob es sich tatsächlich so zugetragen hat wie die Überlieferung behauptet, ist eine andere Frage . Ausserdem wird von seinen sterblichen Überresten kaum mehr übrig sein als eine Handvoll Asche. Demnach wird eigentlich nur der Sarkophag zu einem Pilgerort für realitätsfremde mittelaterliche Nostalgiker. Die Toten sollte man ruhen lassen.