Die Einsicht kommt für den Leser spät, überraschend und versteckt sich in einem an sich harmlosen Text. Das Fazit: In den großen Musik-Enzyklopädien – „Groves Dicitionary“ und „Die Musik in Geschichte und Gegenwart“ (MGG) – kommt Luxemburg nicht vor. Aber auch der Umgang von Luxemburgern mit der Musikgeschichte des eigenen Landes bleibt merkwürdig distanziert. Guy Wagners Buch von 1985 über die zeitgenössischen Komponisten in Luxemburg blieb ohne größere Resonanz. Dasselbe gilt für ein Treffen der luxemburgischen Komponisten im Kulturbahnhof Igel, also außerhalb der luxemburgischen Grenzen.
Als damals ein Beobachter fragte, was denn Luxemburgs Komponisten gemeinsam hätten außer ihrer Zugehörigkeit zu Luxemburg, da löste die harmlose Frage eine erstaunlich emotionale Reaktion aus. Und auch die unbestrittene Tatsache, dass der böhmische König Jean de Luxembourg (Johann der Blinde) beinahe 20 Jahre lang Dienstherr von Europas angesehenstem Komponisten Guillaume de Machaut war, wird im Gespräch zwischen deutsch-luxemburgischen Musikfreunden kaum einmal gebührend erwähnt. Im Klartext heißt das: Die höheren Weihen der Musikwissenschaft haben das Großherzogtum noch nicht erreicht. Höchste Zeit also für ein Standardwerk, das nun wirklich die Musikgeschichte im „Ländchen“ aufarbeitet – umfassend und vielperspektivisch.
(Neues) Wissen und (neue) Erkenntnisse sind auch in dem Buch von Herrn Emile Krier aus dem Jahr 1978 "Deutsche Kultur- und Volkstumspolitik von 1933 bis 1940 in Luxemburg" zu finden. Es geht um den luxemburgischen Komponisten und Dirigenten Herrn Henri PENSIS und Radio Luxemburg und die damit verbundenen internationalen Verwicklungen. MfG Robert Hottua