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Heroin, Fentanyl und „Cocktails“Drogenkonsum in Luxemburg: Wer hat Angst vor der Killer-Droge?

Heroin, Fentanyl und „Cocktails“ / Drogenkonsum in Luxemburg: Wer hat Angst vor der Killer-Droge?
Die USA und Kanada haben ein massives Fentanyl-Problem: Wird es nach Europa überschwappen? Foto: Spencer Platt/Getty Images/AFP

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Nordamerika wird von einer Todeswelle durch Fentanyl-Überdosierungen heimgesucht. Luxemburgs Nachbarländer beobachten die Situation genau. Das Tageblatt hat beim Gesundheitsministerium und beim Ministerium für Innere Sicherheit nachgefragt, wie die Situation in Luxemburg aussieht.

Sie wird als Killer-Droge Nordamerikas beschrieben. Ein Großteil der 106.000 Todesfälle durch Überdosierung von Opioiden, die das National Institute on Drug Abuse der Vereinten Nationen für das Jahr 2021 zählte, konnte auf die Droge Fentanyl zurückgeführt werden. Hierbei handelt es sich um ein synthetisches Opioid, das als Schmerzmittel in der Anästhesie sowie zur Therapie akuter und chronischer Schmerzen genutzt wird. Fentanyl als Medikament ist rezeptpflichtig. In den letzten zehn Jahren wurde in Nordamerika jedoch zunehmend illegal hergestelltes und vertriebenes Fentanyl gefunden. Dort verdrängt es Drogen wie Heroin oder Kokain zunehmend vom Markt, da der Stoff dort einfacher zu bekommen, billiger und deutlich stärker ist. Fentanyl ist rund 100 Mal potenter als Morphium und besitzt zudem ein hohes Abhängigkeitspotenzial.

Todesfälle in den USA durch Drogen-Überdosen
Todesfälle in den USA durch Drogen-Überdosen Grafik: National Institute on Drug Abuse

Auch Luxemburgs Nachbarländer haben die Killer-Droge auf dem Radar. So ist es 2021 laut ZDF auch in Deutschland für 102 Todesfälle mitverantwortlich. Belgien beklagte laut der Webseite „Info Drogues“ 2017 insgesamt fünf Fentanyl-Opfer – in den Jahren davor habe es noch keine gegeben. Frankreich hat im Juni 2023 eine Maßnahme verabschiedet, die es dem Zoll erlaubt, chemische Substanzen zu beschlagnahmen, die zur Herstellung synthetischer Drogen verwendet werden könnten, und versucht so, vergleichbare Todeswellen zu verhindern.

Luxemburg scheint bisher noch von dem Fentanyl-Problem verschont geblieben zu sein. „Im Rahmen des nationalen Monitorings von Konsumprodukten und Drogenkonsumtrends wurden bisher keine Fälle von Fentanyl-Missbrauch oder Todesfälle durch Fentanyl detektiert“, antwortet das Gesundheitsministerium auf eine Anfrage des Tageblatt.

Es konnte allerdings beobachtet werden, dass innerhalb der letzten fünf Jahre die Verfügbarkeit und der Konsum von Kokain bei „Hochrisikokonsumenten“ hierzulande sichtbar gestiegen sei. Seit kurzem habe man zudem bei Konsumenten, die zur Verfügung gestellte Drogenkonsumräume nutzen, feststellen können, dass sie zunehmend auf sogenannte Cocktails zurückgreifen. Hierbei handele es sich vor allem um Mischungen aus Kokain und Heroin.

Wie viel man für einen derartigen Rausch auf Luxemburgs Straßen hinblättern muss, konnte die Santé nicht beantworten. Sie spricht von äußerst schwankenden Kokain-Preisen auf dem Markt. Die Preise hätten in den letzten fünf Jahren allerdings eine sinkende Tendenz aufgezeigt.

Das Problem HIV

Drogenbann in Afghanistan

Die Taliban hatten im April 2022 ein striktes Verbot für den Mohnanbau verhängt, woraus Opium, eine wichtige Zutat für Heroin, gewonnen werden kann. Das National Institute on Drug Abuse der UN glaubt, dass ein möglicher Rückgang des illegalen Opiumanbaus 2023 weltweite Auswirkungen haben könnte. Allerdings gehe diese Maßnahme einerseits auf die Kosten der Bauern, die damit ihre Lebensgrundlage verlieren, andererseits könnte dies zu einer Verlagerung auf die Herstellung synthetischer Drogen führen – zu denen Fentanyl gehört.

Der jüngste Konsum der häufigsten illegalen Substanzen – also Opioide, Kokain, Amphetamine, MDMA und Cannabis – liege in Luxemburg zwar unter den jeweiligen Durchschnittsraten in der Europäischen Union, dennoch sei dieses Verhalten weiterhin für akute und chronische Gesundheitsprobleme verantwortlich, etwa HIV-Infektionen und Hepatitis C, hieß es in einem Schreiben des Luxemburger Gesundheitsministeriums vom Juni.

2021 kämen in Luxemburg 4,7 Personen auf eine Million Einwohner, die sich durch ihren Drogenkonsum mit HIV angesteckt haben. Der europäische Durchschnitt (bemessen an den Ländern, die Daten eingereicht haben) liegt laut Jahresbericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA, deutsch auch EBDD) bei 1,3.

Genaue Zahlen zur Drogensituation in Luxemburg nannte das Ministerium damals allerdings nicht. Auch aus dem Jahresbericht der EBDD lassen sich kaum aussagekräftige Zahlen für Luxemburg entnehmen. Eine Grafik beziffert die Zahl der Menschen, die sich zwischen 2015 und 2021 Drogen injiziert haben, auf 822.

Eine weitere Grafik zeigt an, dass 2021 60 Prozent aller drogenbedingten Todesfälle in Luxemburg zwischen 25 und 44 Jahre und 40 Prozent zwischen 45 und 64 Jahre alt gewesen sein sollen. Um wie viele es sich letztlich dabei handelt, wird aber nicht angegeben. An einer anderen Textstelle heißt es allerdings dann, dass 2021 der Anteil der Todesfälle durch eine Überdosierung, bei der Benzodiazepine beteiligt waren, in manchen Ländern mehr als die Hälfte der Todesfälle ausmachen würde. Luxemburg habe vier solcher Todesfälle zu beklagen.

Braves Luxemburg?

Doch wie gelangen die illegalen Rauschmittel überhaupt nach Luxemburg? Die Einfuhr von Drogen nach Luxemburg verlaufe in erster Linie über die Niederlande und Belgien, teilt das Ministerium für Innere Sicherheit auf Tageblatt-Nachfrage hin mit. Die Ware werde direkt im Ausland abgeholt oder sie werde unerlaubt in Luxemburg eingeführt und dann von Dealern unter die Bevölkerung gebracht.

Das Ministerium unterscheidet zwischen zwei Arten des Drogengeschäfts: dem Handel auf offener Straße und „dem weniger sichtbaren Handel“. Bei Ersterem handele es sich eher um Gruppierungen verschiedener Dealer, hauptsächlich aus Nord- und Westafrika stammend, die sich zusammenschließen, um ihre Ware zu verkaufen. Die meisten davon hätten keinen festen Wohnsitz und würden täglich nach Luxemburg pendeln, so das Ministerium.

Bei der zweiten Art handele es sich eher um einzelne Personen oder kleine Personengruppen aller Herkunft, die sich selbst organisieren und ihre Ware im Ausland abholen, um sie anschließend in Luxemburg weiterzuverkaufen.

Indizien für mafiöse Strukturen, wie es sie in den Niederlanden und Belgien gibt, gebe es in Luxemburg laut dem Ministerium für Innere Sicherheit jedoch nicht. Auch die Existenz von rivalisierenden Banden, Organisationen oder Kartellen, wie es sie in vielen Ländern gibt, könne das Ministerium nicht bestätigen.


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fraulein smilla
11. September 2023 - 19.06

Vieleicht ist unsere Gesellschaft noch nicht so krank wie die amerikanische ,die sich den Luxus erlaubt von einer Gerontokratie regiert zu werden . Jeden Tag sterben in den USA allein durch Fentanyl 200 Menschen .*
* Why America is sruggling to stop the fentanyl epidemic
Foreign Affairs / Mai 2023