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Dampffestival Fond-de-GrasDrei außergewöhnliche Damen lassen Publikumsherzen höher schlagen

Dampffestival Fond-de-Gras / Drei außergewöhnliche Damen lassen Publikumsherzen höher schlagen
 Foto: André Feller

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Lady Colinda, Lady Jane und Helena trafen sich am Wochenende im Fond-de-Gras für ein heißes Date. Dabei gelang es diesem Trio, das man nicht alle Tage im wichtigsten Bergbauzentrum des Landes sieht, tausende Besucher so richtig einzunebeln. Laute Partymusik und Nebelgeneratoren brauchte es dazu nicht, stattdessen aber jede Menge Kohle und Wasser. Die Minett Park asbl. zusammen mit der „Association des musée et tourisme ferroviaires asbl.“ (AMTF) und „Minièresbunn“ luden am vergangenen Wochenende zum Dampffestival in den Fond-de-Gras ein.

Zahlreiche Eisenbahnliebhaber, Nostalgiker sowie Familien mit Kindern beteiligten sich am Wochenende an einer Zeitreise in die Vergangenheit, als die Züge noch mit Kohle und Wasser angetrieben wurden. Die historischen Waggons der ehemaligen Prinz-Heinrich-Bahn lassen schnell Erinnerungen an frühere Zeiten wach werden. Wenn man diese Epoche nicht selbst miterlebt hat, ist man dank alter Ansichtskarten, Bücher und Reportagen mit dem Fuhrpark der Belle Epoque trotzdem irgendwie vertraut. In den mit dickem, bequemem Stoff überzogenen Sitzbänken sanken die Fahrgäste förmlich in die historische Zeitreise, begleitet vom Geräusch der rhythmisch arbeitenden Zylinder der Dampfloks und dem typischen „Pff-Pff-Pff“ beim Dampfablass. Ein Schmaus für Augen und Ohren, ein Traum, Genuss pur … die Fahrgäste waren begeistert, wie etwa eine niederländische Familie, die aus ’s-Hertogenbosch zum Fond-de-Gras angereist war.

Zurück zu den drei Damen, Lady Colinda, Lady Jane und Helena. Sie reisten extra aus Belgien und den Niederlanden an und wirkten als wahre Publikumsmagneten.

Die beiden Ersteren stammen aus der Welt der Landwirtschaft, sind Baujahr 1925 und 1928. Mit Volldampf fahren die dampfbetriebenen Traktoren, die 5 bzw. 8 Tonnen Eigengewicht auf die Waage bringen, mit Höchstgeschwindigkeiten bis zu 27 km/h durch die Gegend. Entwickelt wurden die landwirtschaftlichen Maschinen im britischen Unternehmen Aveling & Porter.

Lady Colinda verließ das Werk von Aveling & Porter am 6. Juni 1925 und ging im Hambeldon Rural District Council in Betrieb. Hier wurde die fahrende Dampfmaschine für Schwertransporte und die kommunale Forstwirtschaft genutzt, wobei der Transport von Lasten bis zu 60 Tonnen keine Seltenheit war.

Technik mit Herz und Seele

Lady Jane, ehemals auf den Namen Trixie getauft, verließ das selbige Werk am 28. März 1928, um im Amersham Rural District Council zum Einsatz zu kommen. Sie verrichtete täglich schwere Transport-, Dresch- und Sägearbeiten, bis sie im Mai 1963 unehrenhaft entsorgt wurde. Hier verfiel sie bald, da viele Teile von ihr abmontiert wurden. Heute befinden sich die Maschinen im Besitz des niederländischen Collin Steam Team, das die Maschinen vollständig renovierte. Seit den 1990er Jahren sind die beiden außergewöhnlichen Dampfmaschinen regelmäßig zu Gast bei Dampffestivals in Europa.

Helena ist heute in Dendermonde in der belgischen Provinz Ostflandern zu Hause. Mit 95 Jahren ist die schlanke Dame noch recht jung und gut in Schuss. Helena, Dampflok 2069 aus dem Werk „Les Ateliers de Tubize“, verschlingt eine Tonne Kohlen und kann mächtig dampfen. Die im Jahr 1927 gebaute Lok – es wurden schätzungsweise um die 15 Stück des Modells gebaut – wiegt 40 Tonnen und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 45 km/h. Zwischen 2017 und 2020 wurde die Dampflok, die sich im Besitz der Vereinigung „Stoomtrein Dendermonde Puurs“ befindet, vollständig restauriert. Einst war die Dampflok als Rangierlok in der metallverarbeitenden Industrie, beim Unternehmen Metallurgie Hoboken nahe Antwerpen, bis in die 1970er Jahre zum Einsatz.

Das Dampffestival am Wochenende war ein großer Erfolg. Neben den Gästen aus dem Ausland konnten die Besucher den Fuhrpark des Minettparks hautnah erleben. Auf die Kinder warteten zudem Fahrten mit der Fünf-Zoll-Miniatureisenbahn des „Lëtzebuerger Dampbunnclub Rëmeleng“ sowie eine Fahrt im dampfbetriebenen Miniriesenrad.