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Migration (Teil 2)Die Ursachen der Flucht und das Erbe der Kolonialzeit 

Migration (Teil 2) / Die Ursachen der Flucht und das Erbe der Kolonialzeit 
In Niger trifft der Militärputsch auf Unterstützung in der Bevölkerung, hier in der Hauptstadt Niamey am Unabhängigkeitstag, dem 3. August  Foto: AFP

Die Asyl- und Migrationspolitik der Europäischen Union in Bezug auf die afrikanischen Flüchtenden basiert nicht zuletzt auf zahlreichen Fehleinschätzungen und stereotypisierten Afrika-Bildern. Die Staatsstreiche in mehreren Ländern der Sahelzone haben das Verhältnis verkompliziert. 

Sein T-Shirt ist Programm. „I love Paris“, steht auf dem weißen Unterhemd, das Ibrahim trägt. „Ich habe es von einer Freundin geschenkt bekommen“, sagt der großgewachsene Mann Mitte 20 aus Bamako in Mali, den ich Ende Juli in der Fußgängerzone von Bozen getroffen habe. Er erzählt mir, dass er weiter in die französische Hauptstadt reisen möchte. Zuerst habe er sich auf einer Plantage in Süditalien verdingt, dann als Straßenverkäufer in Rom. Jetzt preist er eine Zeitung an. Ob er nach dem Putsch in seinem Heimatland Mali geflohen sei, frage ich Ibrahim. „Ja, aber meine Reise war lange geplant. Ich hatte über Jahre das Geld gespart und von meinen Verwandten noch etwas bekommen. Jetzt bin ich meiner Familie etwas schuldig.“

Ibrahims Worte begleiten mich die ganze Zeit während meiner Suche nach den Gründen für die Migration vieler Afrikaner. Sie sind wie eine Konstante meiner Recherchen. Selbst in Europa weiß man inzwischen, was eine Vielfachkrise ist. In Afrika ist sie ein Normalfall. Erst recht in Westafrika, und besonders in der Sahelzone, wo mehrere Putsche innerhalb von einigen Jahren die Krisendynamik verstärkt haben. Als im August 2020 die Armee in Mali die Macht übernahm, war für Ibrahim der Moment der Abreise gekommen. „Jetzt oder nie“, sagt er, „doch eigentlich war sie schon überfällig.“

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JJ
20. August 2023 - 17.04

Kobaltminen werden unter schlimmsten Bedingungen heuer von chinesischen Firmen ausgebeutet.Wir kaufen chinesische Batterien und fühlen uns gut dabei etwas für die Umwelt getan zu haben.Und das ist nur ein Beispiel. So geht das nicht. Zuviel ist nicht genug.

Amira
20. August 2023 - 11.31

Die Briten haben 175 von 193 existierenden Ländern besetzt, kolonisiert, bekriegt und andere aus bestehenden Stammesgebieten erst kreiert, (Pakistan, Indien, Iran, Irak, Palästina etc) und heute wundern die sich, dass alle diese Englischsprechenden Flüchtlinge ins Mutterland wollen und nicht nach Belgien oder Frankreich.

Leopold II
20. August 2023 - 10.58

Überbevölkerung,Bildungsmangel,Korruption und Ausbeutung durch Kolonialisten. DAS war und ist das Problem.Jetzt setzen sich die Massen der Armen in Bewegung und wir schauen dumm aus der Wäsche.

Nomi
20. August 2023 - 10.34

Seit Enn vun der Kolonialzeit (seit 50 Johr) hun dei' Laenner, so'u guer mat internationalen Hellefen, et net faerdeg bruecht ze schaffen an hir Laenner ze entweckelen an hirt Liewen ze verbesseren. An mat all den natierlechen Resourcen dei' all dei' Laenner hun. Um Armut vun denen Laenner sinn sie selwer schold !

jung.luc.lux
19. August 2023 - 20.11

Das Erbe der Kolonialzeit hat Luxemburg nicht zu interessieren. Luxemburg hatte nie Kolonien.