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AdriaDie Peljesac-Brücke ist für Kroatien nicht nur eine touristische Zeitenwende

Adria / Die Peljesac-Brücke ist für Kroatien nicht nur eine touristische Zeitenwende
Aufnahme der Peljesac-Brücke während der Konstruktion Foto: Shutterstock/Benny Marty

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Der Brückenschlag vom kroatischen Festland auf die Halbinsel Peljesac macht es möglich: Kroatien-Urlauber und Anwohner müssen auf dem Weg nach Dubrovnik ab dem 26. Juli nicht mehr über bosnisches Territorium fahren. In Süddalmatien ist die Erleichterung groß. In Bosnien regen sich auch Sorgen.

Hoch ragen die sechs Pylone über den noch unberührten Brückenasphalt in den blauen Adria-Himmel. Die Namensschilder an Kroatiens größter Meeresbrücke sind bereits montiert. Nur an den Zufahrtsstraßen zur neuen Peljesac-Brücke werden noch hektisch letzte Arbeiten verrichtet.

Ein in Kroatien gefertiger Flüsterflitzer des Elektromotor-Pioniers Mate Rimac soll am Dienstag als erstes Fahrzeug über die neue Meeresbrücke rollen, die Süddalmatien endlich mit dem Rest des Landes verbinden wird. Die für den 26. Juli geplante Eröffnung des 2.404 Meter langen Brückenschlags vom kroatischen Festland auf die Peljesac-Halbinsel ist nicht nur für Reisende auf dem Weg nach Dubrovnik eine touristische Zeitenwende: Auch die Bewohner Südkroatiens können sich zeitraubende Grenzkontrollen bei der Fahrt durch Bosniens neun Kilometer breiten Meereszugang bei Neum künftig ersparen.

Ein Adria-Umweg als Abkürzung: Die Umfahrung des Neum-Korridors plus gut 30 neue Autobahn-Kilometer werden nicht nur die Reisezeiten kräftig verkürzen und Süddalmatien besser mit dem Rest des Landes verbinden. Von der kostspieligen Meeresbrücke verspricht sich der Adria-Staat auch eine wirtschaftliche Neubelebung der Region Dubrovnik sowie der von Abwanderung geplagten süddalmatischen Inseln Korcula, Lastovo und Mljet.

Eine leichte Geburt war die Überbrückung der Bucht von Mali Ston keineswegs. Wegen finanzieller Probleme, aber auch wegen Widerstände im benachbarten Bosnien und Herzegowina, das um seinen freien Meereszugang fürchtete, wurde die 2007 begonnenen Bauarbeiten an dem ersten Brückenprojekt erst verzögert – und 2010 endgültig gestoppt. Erst Kroatiens EU-Beitritt 2013 brachte neue Bewegung in die auf Eis gelegten Brückenpläne.

Von Europa bezahlt und Chinesen gebaut

Der Neum-Korridor mit dem zweimaligen Passieren einer EU-Außengrenze erwies sich als einer der größten Hindernisse für Kroatiens geplanten Beitritt zur Schengen-Zone. Alternative Optionen wie der Bau eines Meerestunnels, neue Fährdienste oder Überlegungen, einen exterritorialen EU-Korridor durch Bosnien anzulegen, wurden diskutiert, aber allesamt verworfen.

Stattdessen ließ Zagreb in Absprache mit den bosnischen Nachbarn von dem slowenischen Ingenieur Marjan Pipenbaher ein neues Brückenkonzept entwerfen, dessen Verwirklichung vor allem Brüssel zu verdanken ist. 2018 sagte die EU zu, 85 Prozent der ursprünglich auf 418 Millionen Euro veranschlagten Kosten zu übernehmen. Neben der U-Bahn von Porto ist die Peljesac-Brücke damit eines der kostspieligsten Infrastrukturprojekte, das die EU jemals finanziert hat.

Die Brücke wurde zwar weitgehend von Europa bezahlt, aber von Chinesen gebaut. Wegen des günstigsten Angebots und der kürzesten Baudauer erhielt bei der Ausschreibung der chinesische Staatskonzern CRBC den Zuschlag für den Bau der Spannbetonbrücke. Mit dem wegen nötiger Tunnel und Viadukte sehr aufwändigen Bau der Zufahrtsstraßen wurde die österreichische Strabag sowie der griechische Avax-Konzern beauftragt.

Erdbebenfest und Austernfreundlich

Die Brückenbauer hatten zahlreiche Bedingungen und Tücken zu beachten. Einerseits durfte die Brücke ausschließlich über kroatisches Gewässer führen und musste auf Drängen Sarajevos hoch genug sein, damit auch größere Schiffe noch das bosnische Neum ansteuern können. Andererseits wurde die Brücke in einem Erdbebengebiet mit regelmäßigen Stürmen errichtet. Zudem durfte deren Bau keineswegs die auf klares Wasser angewiesene Austernzucht in der Bucht von Mali Ston gefährden.

Hohe Windschutzwände an den Fahrbahnen sollen die Passage auch an stürmischen Tagen ermöglichen. Zumindest die ersten unfreiwilligen Erdbebentests bei kleineren Beben im nahen Bosnien hat die neue Brücke unbeschadet überstanden. Dennoch werden bei den nun umfahrenen EU-Nachbarn in Bosnien auch Sorgen laut: Der Wegfall des Transittourismus dürfte der Gastronomie in Neum Einnahmeverluste bescheren.

Doch die lange Vorlaufzeit hat es Sarajevo ermöglicht, die negativen Folgen des Brückenbaus abzufedern. Mit Hilfe von günstigen Krediten der Europäischen Investitionsbank (EIB) und Weltbank wurde in den letzten beiden Jahren eine neue Fernstraße von Stolac nach Neum gebaut – und damit die Anbindung ans bosnische Hinterland und nach Mostar erheblich verbessert.

Bereits in den letzten beiden Corona-Sommern erlebte Bosniens verschlafener Küstenort wegen des vermehrten Andrangs von heimischen, aber auch serbischen Touristen einen ungekannten Boom. Kroaten wiederum steuern das schmucklose Neum schon seit einigen Jahren wegen der geringeren Kosten vermehrt für die Ausrichtung von Familienfesten an: Allein der blühende „Hochzeitstourismus“ dürfte einen Teil der Einnahmeausfälle aus dem Transittourismus kompensieren.

Bosniens Hinterland besser angebunden

Die bessere Anbindung ans Hinterland macht Bosniens bisher kaum angesteuerten Küstenstrich nun auch für die Kreuzfahrtriesen interessant: Von Neum lassen sich dank der neuen Straße leicht Tagesausflüge nach Mostar, die Wasserfälle von Kravica oder den Wallfahrtsort Medjugorje organisieren.

Obwohl die Peljesac-Brücke selbst rechtzeitig fertig gestellt wurde, hatte die Pandemie in den letzten beiden Jahren vor allem bei den Zufahrtsstraßen für Bauverzögerungen gesorgt – und die eigentlich noch vor Beginn der Sommersaison geplante Eröffnung verhindert. Auch die Folgen des Ukraine-Kriegs sind an den Bauarbeiten nicht spurlos vorüber gegangenen. Wegen der stark gestiegenen Preise für Strom und Baumaterialien wird sich die ursprüngliche Kostenkalkulation wohl kaum einhalten lassen.

Wie die bald über die Brücke donnernden Touristen müssen sich auch die Bewohner von Ston mit der Fertigstellung der neuen, acht Kilometer langen Umgehungsstraße gedulden: Noch bis zum Jahresende wird sich der Transitverkehr durch die mittelalterliche Kleinstadt quälen. Bis 2029 soll die neue Brücke Teil der geplanten Autobahn nach Dubrovnik werden. „Wir verbinden unser Territorium“, freut sich Verkehrsminister Oleg Butkovic.

Waldi
26. Juli 2022 - 19.58

Von EU finanziert und von China gebaut, wiederum eine riesige EU-Blamage und konzeptloses Handeln. Ueber den Rest kann man nur den Kopf schütteln.