Ein unumgänglicher Partner in Sachen Sicherheit ist das „Corps grand-ducal d’incendie et de secours“, kurz CGDIS. Bei einem Besuch in der mobilen Rettungswache hat das Tageblatt am Freitagabend Joe Merres von der Einsatzplanung, den Freiwilligen Jana Straus und Gil Schmit vom CIS Steinfort sowie Chris Ensch vom CIS Kehlen bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen können.
Es ist 20 Uhr: Schichtwechsel beim CGDIS. Auf der Rettungswache am Eingangsportal der „Fouer“ geht es noch gemächlich zu. Im Innern eines Containers verpflegt Chris Ensch eine kleine Wunde. Schürfwunden und Wespenstiche sowie Schwächeanfälle und die Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum gehören zum Alltag der Sanitäter einfach dazu. Jana und Gil sind zu diesem Zeitpunkt auf dem Glacis-Feld unterwegs, um ein Auge auf die feiernden Menschen zu haben.
90 Einsätze wurden in der ersten Woche beim CGDIS registriert – etwas mehr als ein Dutzend am Tag. Allerdings ist noch nicht aller Tage Abend, wie die Rettungskräfte noch feststellen müssen. Später am Abend kommt noch etwas Arbeit auf unsere Freunde zu.

Security by CGDIS
„Die Fouer-Besucher wissen seit Jahren schon um die Rettungswache am Eingangsportal“, so Joe Merres. Der Feuerwehrmann und Sanitäter kennt die Fouer aus dem Effeff. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist er der Berufsfeuerwehr angehörig. Bei der größten Kirmes des Landes ist er seit Karrierebeginn dabei. Das Schönste an seinem Job während der Schobermesse sei auf jeden Fall der Kontakt zu den Menschen, sagt der hauptberufliche Einsatzleiter.
„Wir sind für jedermann da. Gleichzeitig sind wir so etwas wie das Informationsbüro der Fouer“, so Merres. Die Besucher fragten oft nach Abfahrtzeiten der öffentlichen Verkehrsmittel, dem Weg zur Toilette oder wo sich eine bestimmte Attraktion befindet. „Für uns ist es eine Freude und eine Ehre, den Menschen weiterzuhelfen, auch wenn es nur mit einer Auskunft ist“, betont die Rettungskraft.
Noch während des Gesprächs rennt plötzlich eine Frau hilfeschreiend auf die Rettungswache zu: „Schnell, meine Freundin liegt am Boden und atmet nicht mehr!“ Mit Notfallrucksack und Defibrillator ausgestattet eilen zwei Sanitäter sofort zum Einsatzort. Mit flinken Schritten arbeiten sich die Rettungskräfte durch die Menschenmenge zu der Betroffenen vor. Die Frau hat Glück im Unglück: Es handelt sich nur um einen leichten Schwächeanfall.
Inzwischen kümmern sich die vier diensthabenden Sanitäter aus Steinfort, Kehlen und Luxemburg quasi im Fünf-Minuten-Takt um die Versorgung von Wunden und Schwächeanfällen. Nach einer halben Stunde kehrt wieder Ruhe ein. Eine gute Gelegenheit für Joe Merres, dem Tageblatt die Planung und Einsatztaktik zu erklären. Doch bevor er seine Ausführungen abschließen kann, erfolgt schon der nächste Einsatz.
Das Wohl der Besucher geht natürlich vor. Dieses Mal werden die Rettungskräfte über den Notruf 112 verständigt. Ein Besucher habe gerade einen epileptischen Anfall erlitten. Die Sanitäter eilen in Richtung Riesenrad. „Zu Fuß geht es übrigens am schnellsten“, sagt Joe Merres. Die Notrufzentrale hat zu diesem Zeitpunkt bereits den Notarzt und einen Rettungswagen alarmiert. Beide treffen nur wenige Minuten später ein.

Vorsorge und Einsatztaktik
Für die drei ehrenamtlichen Mitglieder aus Steinfort und Kehlen war der Dienst auf der Fouer eine Premiere. Doch alle drei verlieren weder ihre Fassung noch die Ruhe: Alles läuft routiniert ab. Vom Alltag im lokalen Außendienst unterscheide sich die Arbeit an der Fouer kaum, meinen Jana, Gil und Chris. Der Unterschied zu den alltäglichen Einsätzen sei die große Ansammlung von Menschen, die Vielzahl der Buden und Attraktionen auf einem riesigen Platz und die Intensität der Einsätze, erklären die Sanitäter unisono.
„Die Prävention und die Erstellung von Notfallplänen erfolgt etliche Monate vor Fouer-Beginn“, erzählt Einsatzleiter Merres. Involviert in die Planungen seien viele Partner, darunter die Dienststellen der Stadt Luxemburg, die Gewerbeinspektion ITM, Luxcontrol, die Schausteller selbst, die Polizei und seit kurzem der Betreiber der Tram, Luxtram. Das Augenmerk des CGDIS liege auf der Brandprävention sowie auf der Zugänglichkeit. Jeder Ort müsse bis in die kleinste Ecke erreichbar sein, so Merres. Sowohl in der mobilen Rettungswache an der Schobermesse als auch in der Notrufzentrale 112 seien alle Pläne hinterlegt. Unterschiedliche Farben und Symbole wiesen auf Gefahrenpunkte hin, so Merres.
In den Restaurants und Frittenbuden ist indessen höchste Vorsicht geboten. Kommt es hier zu einem Brand, müsse in erster Linie schnell evakuiert werden. „Die Vorschriften sehen eine Mindestanzahl an Ausgängen sowie eine Mindestbreite vor. Diese Normen überprüfen wir genauestens“, sagt Merres. Zusätzlich erstelle die Abteilung des Brandschutzes Pläne zur Lagerung und zum Betrieb von Gasflaschen. „Alle verwendeten Bauteile, Einrichtungen und Dekorationen werden auf brandhemmende Eigenschaften überprüft. Doch das sind nicht die einzigen Aspekte der Vorsorge“, erklärt der Einsatzleiter.
Vor der offiziellen Eröffnung, wenn alle Fahrgeschäfte und Buden installiert sind, überprüft die Feuerwehr alle Zugangswege. Mit Tankwagen und Drehleiter fahren die hauptberuflichen Retter alle Weg ab. „Bei jedem Spiel, jeder Bude testen wir die Zugänglichkeit mit der Drehleiter“, betont Merres. Gleichzeitig erstellen die Verantwortlichen des CGDIS Einsatzpläne und Einsatztaktik, etwa wann zusätzliche Rettungskräfte, Notarzt oder Krankenwagen angefordert werden sollen.

Nach der Fouer ist vor der Fouer
Sobald ein Notruf am 112 eingeht, eilen die Sanitäter der mobilen Rettungswache zum Einsatzort. Sie gewährleisten, ausgestattet mit Notfallrucksack und Defibrillator, professionelle Erste Hilfe. Gleichzeitig alarmiert der 112 einen Rettungswagen und je nach Bedarf den Notarzt. Im Notfall ist somit die medizinische Erstversorgung bestens gewährleistet.
Bei einer Brandmeldung ist der Ablauf quasi der gleiche. Die Dispatcher des 112 entsenden umgehend einen Löschzug. Die ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeiter vor Ort fahren mit einem kleinen All-Terrain-Wagen zum Brandherd. „Das Löschfahrzeug ist mit einem speziellen sogenannten One-Seven-Druckluftschaumsystem ausgestattet“, so Merres. Mit diesem Material nehmen die Diensthabenden vor Ort erste Löscharbeiten vor, bis der alarmierte Löschzug aus Gasperich eintrifft.
Die Einsatzpläne sind bis ins kleinste Detail ausgeklügelt. Alle sicherheitsrelevanten Informationen werden digital an die involvierten Rettungskräfte übermittelt. „Einen unberechenbaren Aspekt darf man jedoch nicht aus den Augen verlieren“, so Merres. „Die Besucher selbst.“ Diese müssten im Notfall den Weg freiräumen. „Und das ist nicht die einfachste Aufgabe“, ergänzt der Einsatzleiter. Unterstützung gebe es bei jedem Notfall von der Polizei, einerseits um Gaffer fernzuhalten, anderseits um die Einsatzwege freizuhalten.
In all den Jahren habe sich die Sicherheit erheblich verbessert, schlussfolgert Merres. Die Verantwortlichen steckten andauernd die Köpfe zusammen. „Erfahrungen werden ausgetauscht, Einsatztaktiken werden stetig verbessert und angepasst. Diese tragen dem zunehmenden Bevölkerungswachstum und somit den seit Jahren steigenden Besucherzahlen Rechnung. Zweifelsohne kann man heute behaupten, dass Sicherheit an der Fouer großgeschrieben wird und diese sich wesentlich verbessert hat“, so Joe Merres, bevor wieder die Pflicht ruft. Er und sein Team eilen zum nächsten Einsatz.
Zu Demaart








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