Nach dem Motto „Wenn die Leute nicht zu uns kommen, gehen wir zu den Leuten“, hat das Team des Museums das Konzept des Urban History Festivals ins Leben gerufen. Jedes Stadtviertel hat seine Besonderheiten und weist unterschiedliche historische Aspekte auf. „Diese wollen wir den Leuten mittels Ausstellungen und geführten Besichtigungen im jeweiligen Viertel näher bringen“, so Kyra Thielen.
Das Konzept kommt gut an. Die Besichtigungen des Friedhofs Sichenhaff, der Rundgang „De Pafendall an der Festung“, eine Besichtigung des Aquatunnels oder das Atelier zur Herstellung von Senf waren trotz der hohen Temperaturen gut besucht.
Allein in der „Moschterfabrik“ in der rue Mohrfels fanden sich am Samstag über 160 Besucher ein. Die „Muerbelsmillen“ ist die älteste Mühle auf dem Gebiet der Stadt Luxemburg. Erstmals wurde deren Name um 1083 in der Stiftungsurkunde des Grafen Konrad an die Abtei Münster erwähnt. Im Jahre 1123 wird die Mühle in einem Dokument „Klostermühle“ genannt. Der benachbarte Felsvorsprung taucht in einer Urkunde von 1384 erstmals als „Moronisfelsen“ auf. Er ist Namensgeber der Mühle. Die Mühle wechselte im Laufe der Jahrhunderte vielfach ihren Besitzer. Zudem wurden die Gebäude mehrfach durch Brände oder Kriegsereignisse zerstört. Auch wechselte die Bestimmung der Mühle mehrfach. Mal wurde die Mühle von einem Schreiner angemietet, mal diente sie als Getreidemühle. 1922 erwarb Karl Hartmann Sendlein die Mühle und baute diese zu einer Senfmühle um. Bis 1945 führte er das kleine Unternehmen unter der Bezeichnung „Moutarderie luxembourgeoise“. 1945 wurde die Mühle als „deutsch“ enteignet und in der Folge von einer luxemburgischen Gesellschaft geführt.
Als 1976 Raymond Munhoven die kleine Fabrik übernahm, verdoppelte sich recht schnell das Volumen der Senfproduktion in Luxemburg. Die Firma Munhoven betrieb die Senfmühle bis zu ihrem Auszug im Jahre 1985. Die „Moutarderie de Luxembourg“ zog damals nach Howald um, 2008 dann nach Munsbach.
Auf Anfrage des Interessenvereins Pfaffenthal unter ihrem Präsidenten Jean-André Stammet renovierte die Stadt Luxemburg das geschichtsträchtige Gebäude. Heute befinden sich dort Versammlungsräume für den Interessenverein sowie das Senfmuseum mit (zum Teil) den ursprünglichen Mühlensteinen.
Nebst einer Besichtigung der „Moschterfabrik“ bot das Luxembourg City Museum einen Workshop zur Herstellung von Senf an. Dieser ist mit nur wenigen Grundzutaten recht einfach herzustellen. Je nach gewünschter Schärfe oder Geschmack wählt man weiße, braune oder schwarze Senfkörner. Je dunkler die Farbe, umso schärfer die Körner. Mit einem Mörser und Pistill mahlt man die Körner, je nach Vorliebe, grob oder fein. Im Anschluss vermischt man die gemahlenen Körner mit Wasser, Salz und Essig. Nach der Herstellung einer homogenen Paste kann man den Senf mit weiteren Gewürzen wie Kardamom, Curry, Chili usw. verfeinern. Der luxemburgische Begriff „Moschter“ lässt sich auf die traditionellen Herstellverfahren zurückführen. Traditionell wurde der Senf mit Traubenmost vermischt. Dieses Verfahren wurde im Lateinischen als mustum ardens (brennender Most) bezeichnet.
Die altfranzösische Bezeichnung „mostarde“ fand den Weg in die deutsche Sprache unter dem Namen „Mostrich“ oder „Mostert“. Daraus leitet sich dann auch der luxemburgische Begriff „Moschter“ ab. Im luxemburgsichen Sprachgebrauch geht auch noch die Rede von „gemoschtert“ oder „moschteren“. Diese Begriffe haben zwei sehr unterschiedliche Bedeutungen. „Wat huet d’Nopesch sech erëm gemoschtert“ bedeutet soviel „wat ass déi geklufft“ oder „verrëscht“, während der Begriff „moschteren“ auch für Herumwühlen oder Stöbern steht.



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