Die Initiative geht von der hauptstädtischen Vereinigung MemoShoah Luxembourg Asbl. aus. Der Gedenkweg ist ab heute, dem 9. November 2022, auf der Plattform izi.TRAVEL in den Sprachen Luxemburgisch, Deutsch, Englisch, Französisch und Portugiesisch verfügbar. Ein Audioguide begleitet den Besucher wahlweise in einer dieser Sprachen. Text und Klang werden mit authentischen Fotos und in einigen Fällen mit kurzen Videos illustriert. MemoShoah möchte mit dieser Initiative einen bleibenden Beitrag zur Wissensvermittlung über die Shoah in Luxemburg leisten. Die Vereinigung wurde bei ihrem Vorhaben durch das Luxembourg City Tourist Office, das Kulturzentrum neimënster und das „Consistoire israélite du Luxembourg“ unterstützt.
In den kommenden Monaten wird eine pädagogische Unterrichtsmappe für Sekundarschulklassen ausgearbeitet und den Schulen zur Verfügung gestellt. Damit soll Lehrkräften die Möglichkeit gegeben werden, den Gedenkweg autonom mit ihrer jeweiligen Klasse zu beschreiten.
Die luxemburgische Geschichtsforschung "Nichts gegen die Juden als solche ... " Von Tanja Muller, 2011, forum Das "Judenproblem" im Luxemburger Wort und in der katholischen Kirche im 19. Jahrhundert Tanja MULLER arbeitet zurzeit an ihrer Doktorarbeit an der Universität Trier über den katholischen Antisemitismus in Luxemburg im 19. und 20. Jahrhundert. In der luxemburgischen Geschichtsforschung liegt der Schwerpunkt der Erforschung des Antisemitismus in Luxemburg fast ausschliesslich auf der Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges. Der Antisemitismus, wie er beispielsweise im 'Luxemburger Wort' und damit in der katholischen Kirche im 19. Jahrhundert zutage trat, blieb bislang fast weitgehend unbeachtet. In seiner Dissertation von 1998 hatte Lucien BLAU zwar auf den bereits im 19. Jahrhundert im 'Luxemburger Wort' vorhandenen Antisemitismus hingewiesen, berücksichtigte bei seiner Analyse aber bloß zwei Artikel, "Die Gefährlichkeit der Juden" vom 4. Januar 1888 und "Die Juden, die Könige unserer Zeit" vom 5. Januar 1888. (...) Die von BLAU vorgenommene Einschränkung auf diese aus dem 19. Jahrhundert stammenden Artikel, sowie die ebenfalls bescheidene Anzahl von Artikeln aus dem 20. Jahrhundert wurde von André GROSBUSCH kritisiert. Diese Kritik ist insofern berechtigt, da bei BLAU durchaus der Eindruck entstehen konnte, als sei der Antisemitismus im 'Luxemburger Wort' nur eine Randerscheinung gewesen. Dass dies keineswegs der Fall war, belegen die weit über tausend Zeitungsartikel, die in dem Zeitraum von 1848 bis 1900 das Thema Juden aufgriffen und behandelten. (...) Die aus zeitlichen Gründen noch nicht abgeschlossene Ausforstung des 'Luxemburger Wort' ergab bisher, dass in dem Zeitraum von 1849 bis 1880 zumindest zweimal pro Woche ein antisemitischer Artikel veröffentlicht wurde, wobei der ab 1873 stockende wirtschaftliche Aufschwung in Europa eine willkommene Gelegenheit bot, den Juden die Schuld an dieser Krise zuzuschreiben und einen populistischen Antisemitismus zu verbreiten, der dann im Jahre 1888 in den von BLAU erwähnten zwei Artikeln seinen Höhepunkt erreichte. Daß der katholische Antisemitismus in der einheimischen Historiografie bisher fast völlig unberücksichtigt blieb, ist zum einen zu einem gewissen Teil einer Einstellung geschuldet, die Vergangenes vergangen sein lässt, um nicht einen öffentlichen Diskurs zu provozieren. Zum anderen entlastet es die nationalen Geschichtskonsruktionen, wenn der Antisemitismus als nationalsozialistischer Import gedeutet wird, der angeblich an keine vorgängigen antisemitischen Traditionen in Luxemburg anknüpfen konnte. (...) Die Aufforderung von Andreas NIEDERMAYER beherzigend, "der Klerus" sollte "die Presse als einen Alles in Bewegung setzenden Hebel mit Meisterschaft handhaben", nutzte die katholische Kirche durch das 'Luxemburger Wort' die Gelegenheit, eine ebenso unerbittliche Hetzkampagne gegen alles zu starten, was auch nur im Entferntesten mit der Bezeichnung 'Jude' zu tun hatte. (...) Die permanenten Hasstiraden des 'Luxemburger Wort' veranlassten die jüdische Zeitung 'Der Israelit' aus Mainz zu der Bemerkung, die "klerikale und ultramontane" Zeitung sei "im Allgemeinen als nicht sehr wählerisch in seinen Kampfmitteln bekannt", weshalb man "dieses Blatt nicht sehr ernst nehmen kann." Obwohl die judenfeindlichen Artikel des 'Luxemburger Wort' nach Auffassung der 'Allgemeinen Zeitung des Judenthums' allerhöchstens "sehr beschränkte Leser" beeindruckt haben dürfte, war die von diesen antisemitischen Artikeln ausgehende Gefahr dennoch nicht zu unterschätzen. Da dem 'Luxemburger Wort' "das Wohl des Bürgers und Bauern am Herzen" lag, bediente es mit einem bewusst naiv gehaltenen Schreibstil die Denkweise des von ihm anvisierten Publikums. (...) Auffallend ist die stets sarkastische, oft zutiefst diffamierende Darstellung der Juden, wobei nicht einmal davor zurückgeschreckt wurde, die Juden mit Tieren zu vergleichen. (...) Diese Beispiele zeigen deutlich einen von der katholischen Kirche und ihrem publizistischen Sprachrohr getragenen Antisemitismus. Dieser kann somit nicht erst als Erscheinung des 20. Jahrhunderts gelten. (...) Unverständlich bleibt, dass sich von Seiten jüdischer Autoren wie Charles und Graziella LEHRMANN, oder neuerdings Laurent MOYSE niemand ernsthaft mit der Judenfeindlichkeit des 'Luxemburger Wort' auseinandergesetzt hat. ▪ Literatur: 1) Olaf Blaschke: "Die Anatomie des katholischen Antisemitismus - Eine Einladung zum internationalen Vergleich", in: Olaf Blaschke/Aram Mattioli (Hg): "Katholischer Antisemitismus im 19. Jahrhundert – Ursachen und Traditionen im internationalen Vergleich", Zürich 2000. 2) Lucien Blau: "Histoire de l'extrême-droite au Grand-Duché de Luxembourg au XX siècle, Luxemburg 1998. (Tanja Muller, Forum Nr. 312, September 2011) MfG Robert Hottua