Über die Aussagekraft von Tennisranglisten kann man stundenlang streiten. Bei Chris Rodeschs Spielen sind sie eher wertlos, denn der junge Luxemburger schaltet momentan höher eingestufte Spieler in schöner Regelmäßigkeit aus. Gestern war Simon Beaupain (ATP 684) an der Reihe. Rodesch (ATP 945) ließ dem Belgier wenig Chancen, servierte ausgezeichnet und zog mit einem souveränen 6:3, 6:4 Sieg ins Viertelfinale ein. So wie im Match gegen Onclin zeigte sich Rodesch mental auf Top-Level. „Seitdem ich College-Tennis spiele (für die University of Virginia, Anm. d. Red.), habe ich mich mental stark verbessert und kann mit Drucksituationen besser umgehen. In den College Championships wird erwartet, dass wir jedes Spiel gewinnen. Ehrlich gesagt, spüre ich bei diesem Turnier weniger Druck als in den USA.“ Kurioserweise ist das College-Tennis dann auch der Grund für die Ranglisten-Diskrepanz zwischen Rodesch und seinen Gegnern. Für Beaupain waren die Sudstroum Open in Esch das 14. Ranking-Turnier dieses Jahr, für Rodesch erst das dritte. Weniger Turniere bedeuten weniger Punkte.

Auf dem Centre Court war Rodesch gestern Vormittag von Beginn an dominant. Beaupain hatte erhebliche Probleme, Rodeschs Aufschlag zu retournieren, und stand bei seinen eigenen permanent unter Druck. Ein Break genügte dem luxemburgischen Davis-Cup-Spieler, um den ersten Satz unter Dach und Fach zu bringen. Beim Stande von 3:4 im zweiten Satz bestand der 21-Jährige die erste große Prüfung. Beaupain konnte sich drei Breakbälle erarbeiten und bekam dann die psychische Stärke seines Gegners zu spüren. Rodesch brachte das Match mit Köpfchen nach Hause. „Im Allgemeinen bin ich sehr zufrieden. Beaupain ist ein unberechenbarer Gegner, aber ich war das ganze Match über sehr konzentriert“, resümierte Rodesch. Im Viertelfinale wartet nun Routinier Sebastian Fanselow. Der Deutsche ist an Nummer 4 gesetzt und zog letzte Woche in das Finale von Kassel ein.
Alex Knaff scheiterte wenig später an der Nummer 1, Pol Martin Tiffon (ATP 254) aus Spanien, mit 3:6, 4:6. Nach einem schwachen Start konnte Knaff gut mithalten, aber der Spanier behielt stets die Oberhand. „Er ist ein sehr guter Spieler und hat verdient gewonnen. Mein Start war aber ein bisschen enttäuschend, denn es hat ihm großes Selbstvertrauen gegeben und das konnte man zum Schluss deutlich sehen“, meinte Knaff. In Zahlen ausgedrückt stand es 1:5 nach zwanzig Minuten. Knaff schaffte ein Re-Break, konnte jedoch gegen die langen, druckvollen Grundschläge des Sandplatzspezialisten wenig ausrichten. Der zweite Satz verlief allerdings ausgeglichener, Knaff hatte sich auf den starken Topspin von Martin Tiffon besser eingestellt und zeigte sein Talent. „Es war eine solide Leistung von mir nach dem Fehlstart, ich hatte sogar ein paar Chancen im zweiten Durchgang, die ich leider ausgelassen habe. Aber daraus kann ich nur lernen.“
Frohe Kunde gab es für Knaff in der Doppelkonkurrenz. Zusammen mit Partner Chris Rodesch zog er kampflos ins Halbfinale ein. Heute spielt das luxemburgische Duo gegen Hermans/Wehnelt um einen Platz im Finale.
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