„In der Region Luhansk gibt es wahrscheinlich keinen einzigen Quadratmeter Land, der von russischer Artillerie noch verschont geblieben ist“, schrieb Gouverneur Serhij Hajdaj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. „Der Beschuss ist sehr intensiv.“ Die russischen Streitkräfte hörten erst dann mit den Angriffen auf, wenn ihr Material ermüde. Nach Angaben des ukrainischen Militärs kommen die russischen Truppen bei ihren Versuchen, im Donbass weiter vorzudringen, kaum voran. Die russischen Truppen versuchten allerdings, ihrem Vorstoß auf die Städte Kramatorsk und Slowjansk einen neuen Schub zu verleihen. Unterdessen gehen die russischen Angriffe abseits der Front weiter. Beim Beschuss der Stadt Charkiw sind nach Angaben des dortigen Gouverneurs zwei Personen getötet worden. 19 Menschen seien verletzt worden, davon vier schwer, erklärte Gouverneur Oleh Synehubow.
Kiew und Moskau bezichtigten sich gegenseitig gefährlicher Aktionen an dem von russischen Soldaten besetzten Atomkraftwerk Saporischschja. Die Ukraine warf Russland am Donnerstag die Lagerung schwerer Waffen und Munition im Maschinenraum eines Reaktors im größten AKW Europas vor. „Die Besatzer ignorieren auf zynische Weise alle Normen und Regeln zu Feuer-, Atom- und Strahlensicherheit“, erklärte der ukrainische Betreiber Energoatom im Online-Dienst Telegram. Russland hatte der Ukraine kurz zuvor zwei Drohnenangriffe in der vergangenen Woche auf das Atomkraftwerk vorgeworfen. Die Geschosse seien nur wenige dutzend Meter von einem Tank mit Kühlflüssigkeit des Reaktors gelandet. Die Vorwürfe beider Seiten ließen sich nicht unabhängig bestätigen. Die Betreiberfirma Energoatom hatte bereits in der vergangenen Woche Russland vorgeworfen, Raketenwerfer auf dem Gelände des Atomkraftwerks installiert zu haben. Laut Energoatom befinden sich 500 russische Soldaten vor Ort.
Britischen Geheimdienstberichten zufolge näherten sich die russischen Streitkräfte zudem offenbar dem zweitgrößten Kraftwerk der Ukraine in Wuhlehirsk, rund 50 Kilometer von Donezk entfernt. „Russland räumt der Eroberung von kritischer Infrastruktur wie Kraftwerken Priorität ein“, teilte das britische Verteidigungsministerium unter Berufung auf seine Geheimdienste mit.
Hohe Verluste
Nach Berechnungen der Vereinigten Staaten sind bislang rund 15.000 russische Soldaten im Krieg mit der Ukraine ums Leben gekommen. „Die jüngsten Schätzungen der US-Geheimdienste gehen von etwa 15.000 getöteten (russischen) Soldaten und vielleicht dreimal so vielen Verwundeten aus. Also erhebliche Verluste“, sagte CIA-Direktor William Burns auf dem Aspen Security Forum in Colorado. „Und auch die Ukrainer haben gelitten – wahrscheinlich etwas weniger.“ Es gebe aber auch hier deutliche Verluste. Aus Russland sind keine aktuellen, offiziellen Zahlen zu getöteten Soldaten bekannt. Am 25. März hieß es, 1.351 russische Soldaten seien gefallen. Die Ukraine erklärte im Juni, dass täglich 100 bis 200 ihrer Soldaten bei Kämpfen ums Leben kämen.
Das russische Militär wird in den kommenden Wochen britischen Geheimdiensten zufolge wahrscheinlich eine Art Einsatzpause in der Ukraine einlegen. Damit bekomme die Ukraine eine Gelegenheit zum Gegenschlag, sagt MI6-Chef Richard Moore. Denn bislang seien konservativen Schätzungen zufolge etwa 15.000 russische Soldaten im Krieg in der Ukraine getötet worden. Es werde für das russische Militär in den nächsten Wochen immer schwerer werden, Personal und Material zu bekommen. „Ich glaube, dass ihnen bald die Luft ausgeht“, so Moore. (Reuters/AFP)
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