Selbst Unwetter sorgen in den völlig ausgetrockneten Mittelmeer-Ländern für die Ausbreitung der Feuerbrunst. Bei regenlosen Gewittern lösten Blitzeinschläge am Wochenende in Kroatien neue Waldbrände unweit der dalmatinischen Landgemeinde Dugopolje aus. „Es gibt viel mehr Brände als im Vorjahr“, berichtet besorgt der Chef von Kroatiens Feuerwehr (HVZ), Slavko Tucakovic.
Noch wüten die Waldbrände im diesjährigen Hitzesommer vor allem in den westlichen Mittelmeerstaaten. Doch die anhaltende Hitzewelle hat auch im Südosten Europas die Böden und Wälder völlig austrocknen, Quellen und Wasserläufe versiegen lassen: In Istrien, Kroatiens beliebtester Touristenregion, ist seit dieser Woche der Wasserverbrauch strikt reguliert.
Von Slowenien bis Bulgarien sind die Feuerwehrkräfte wegen der erhöhten Brandgefahr in Alarmbereitschaft: Allein in Griechenland wurden am Wochenende 119 Waldbrände gemeldet. Auf die absehbare Ausbreitung des sommerlichen Flammeninfernos ist der Südosten Europas aber erneut erstaunlich schlecht gewappnet. „Die meisten Balkanstaaten haben aus den Waldbränden des letzten Jahres nichts gelernt“, konstatiert die Balkan-Agentur „BIRN“ in einer detaillierten Analyse der Ausrüstung der Feuerwehr der Region: „Sie sind für die Bekämpfung der Brände schlecht vorbereitet.“
Griechenland hat aufgerüstet
Unzugängliche Berggebiete und abgelegene Inseln: Wirksam lassen sich Waldbrände auf der Balkanhalbinsel nur aus der Luft bekämpfen – und löschen. Doch es ist nicht nur der Mangel an Mitteln zum Kauf oder dem Leasen von Löschflugzeugen und Hubschraubern, sondern auch deren nachlässige Wartung und eine falsche Prioritätensetzung, die für Probleme sorgen. Im Sommer wird über die mangelnde Ausrüstung der Feuerwehr gerne geklagt. Im Herbst ist das Problem oft bereits wieder vergessen.
Nur Griechenland hat nach den katastrophalen Bränden des letzten Jahres die Luftflotte der Feuerwehr kräftig aufgerüstet. So ist die Zahl der Löschflugzeuge an der Ägäis gegenüber dem Vorjahr von 78 auf 93 geklettert. Gleichzeitig hat Athen die Zahl von auch für Löscheinsätze geeigneten Helikoptern durch neue Leasingverträge drastisch erhöht.
Düster sieht es hingegen in den meisten anderen Staaten der Region aus. Von den zwölf Löschflugzeugen der kroatischen Feuerwehr sind derzeit nur sieben einsatzfähig, weil der mit der Überholung beauftragte Staatsbetrieb ZTC völlig in Zeitverzug geraten ist: Laut einem Bericht von „Jutarnji List“ will Kroatiens entnervte Feuerwehr diese künftig in Italien überholen lassen.
Lösch-Flugzeuge nicht einsatzbereit
Auch im benachbarten Montenegro sind derzeit alle drei Löschflugzeuge wegen Reparaturarbeiten geerdet. Immerhin verfügt der Küstenstaat noch über vier Lösch-Helikopter. Flugunfähig sind derzeit auch die Löschflugzeuge in Nordmazedonien: Mehrmals musste Skopje in diesem Sommer bereits die fliegende Löschhilfe von Nachbarstaaten anfordern. Ähnlich trostlos ist es laut BIRN um die Ausstattung der Feuerwehr in Bulgarien, Bosnien und Herzegowina sowie im Kosovo bestellt: Der Staatenneuling verfügt gar über keinerlei Löschflugzeuge oder Hubschrauber.
Offiziell zählt Albaniens Luftwaffe zwar sieben Helikopter. Aber vier sind seit Jahren flugunfähig, der Rest der Flotte für Löscheinsätze nicht geeignet. Zwar haben die meisten der entnervten Piloten längst das Weite gesucht. Doch Handlungsbedarf verspürt Albaniens erstaunlich gelassener Verteidigungsminister Niko Peleshi dennoch keinen. Statt der Feuerbrunst will er lieber „die Mentalität bekämpfen, dass Waldbrände ausschließlich durch die Armee und den Einsatz von Hubschraubern bekämpft werden können“.
Neben ihrer oft schlechten Ausrüstung macht den geplagten Brandbekämpfern auf dem Balkan auch die miese Bezahlung zu schaffen. Selbst beim EU-Mitglied Kroatien zahlt die Feuerwehr den angeheuerten Saisonkräften laut „index.hr“ nur 8.000 Kuna (1.064 Euro) brutto pro Monat für den lebensgefährlichen Job – und hat auf dem leer gefegten Arbeitsmarkt Probleme, genügend Einsatzkräfte zu finden. Die Abwanderung ist auch ein Grund, dass stets mehr Grundstücke verwildern – und die Ausbreitung von Waldbränden begünstigen.
Verheerungen durch Waldbrände schlimmer als 2021
Die Waldbrände in Europa haben in diesem Jahr schon mehr Fläche vernichtet als im gesamten Jahr 2021. Nach Angaben des Europäischen Waldbrandinformationssystems (Effis) sind in der EU seit Jahresbeginn 517.881 Hektar verbrannt, also etwas mehr als 5.000 Quadratkilometer. Die versengte Fläche ist damit in etwa zwei Mal so groß wie Luxemburg.
„Die Situation ist noch schlimmer als erwartet, auch wenn wir dank der langfristigen Vorhersagen mit Temperaturanomalien gerechnet haben“, sagte Effis-Koordinator Jesús San Miguel. Die Hitzewelle der vergangenen Wochen sei ein entscheidender Faktor und hänge „eindeutig“ mit der globalen Klimaerwärmung zusammen.
Sollte sich der Trend fortsetzen, könnte dieses Jahr an das Jahr 2017 heranreichen oder es sogar übertreffen – das bisher schlimmste Jahr in der EU seit Beginn der Effis-Aufzeichnungen. Damals waren beinahe 990.000 Hektar Vegetation (fast 10.000 Quadratkilometer) in Rauch aufgegangen, also in etwa eine Fläche der Größe Libanons. (AFP)
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