Es gibt viele Formen von Gewalt – und viele Menschen, die davon betroffen sind. Zu diesem Überthema hat die Luxemburger Statistikbehörde Statec kürzlich ihre Sicherheitsumfrage unter 5.695 zufällig ausgewählten Einwohnern Luxemburgs vorgenommen. 2.734 von ihnen waren Frauen. „Die Aussagen der befragten Frauen zeichnen ein Bild von Gewalterfahrungen, die das Leben vieler Frauen prägen“, heißt es in dem Statec-Bericht zu der Umfrage.
Zwei Drittel der befragten Frauen geben an, mindestens einmal in ihrem Leben Opfer körperlicher, psychologischer, sexueller oder wirtschaftlicher Gewalt geworden zu sein. „Jede zweite Frau hat im Laufe ihres Lebens psychische Angriffe wie ‚Stalking’, Mobbing, sexuelle Belästigung oder Beziehungszwang in der Partnerschaft erlebt“, so Statec. „Fast jede dritte Frau hat körperliche Gewalt erlebt.“ Etwas weniger als eine von drei Frauen habe im Laufe ihres Lebens zudem irgendeine Form von sexueller Gewalt erlebt, und eine von zehn Frauen habe schwere Formen sexueller Gewalt erlebt, also eine Vergewaltigung oder eine versuchte Vergewaltigung. Wenn eine Frau kürzlich Opfer von Gewalt geworden ist, steige außerdem ihr allgemeines Unsicherheitsgefühl und ihre Angst vor erneuten Übergriffen, erklärt die Statistikbehörde.
Die ökonomische Gewalt als eine besondere Form psychischer Gewalt in der Partnerschaft beschreibe in der Umfrage die Form von Übergriffigkeit, bei der der Partner seine wirtschaftliche Überlegenheit ausnutzt und seinen Zugang zu finanziellen Ressourcen massiv kontrolliert oder Arbeit außerhalb des Haushalts verbietet.
Luxemburg knapp unter dem EU-Durchschnitt
Ob am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum oder im privaten Bereich: Allein in den letzten zwölf Monaten vor der Erhebung haben laut der Statec-Befragung etwa 15 Prozent der Frauen psychische Gewalt und 7 Prozent körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt. Eine europäische Studie, die 2015 von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) durchgeführt wurde, kommt zu einem vergleichbaren Ergebnis. Mit 7 Prozent der Frauen, die in den letzten zwölf Monaten körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren haben, liegt Luxemburg knapp unter dem EU-Durchschnitt. Die Zahlen seien in den westlichen und nördlichen Ländern wie Belgien, Frankreich, Dänemark oder Schweden tendenziell höher als in den südlichen und östlichen wie Malta, Spanien, Polen oder Slowenien. „Diese Ländervergleiche sind jedoch mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten, da ein günstiges soziales Klima erforderlich ist, damit Gewalt gegen Frauen öffentlich diskutiert und problematisiert wird und die Betroffenen ihre Erfahrungen zum Ausdruck bringen können“, ergänzt Statec.
Auch das Thema häusliche Gewalt findet Platz in der Befragung. „4 Prozent der in Luxemburg lebenden Frauen gaben an, in den letzten zwölf Monaten Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner erfahren zu haben.“ Bei den Männern seien es 2 Prozent gewesen. Eine Besonderheit sei außerdem, dass Frauen eher von Gewalt durch nahestehende Personen betroffen seien und daher ein höheres Risiko hätten, wiederholte Formen von Gewalt zu erleben. „15 Prozent der Frauen gegenüber 10 Prozent der Männer haben in den letzten zwölf Monaten eine Reihe ähnlicher Vorfälle erlebt, bei denen die Taten gleich schwer waren, von denselben Tätern ausgingen und im selben Kontext stattfanden“, führt Statec dazu an. Ein Viertel der Frauen habe im vorangegangenen Jahr zudem zwei oder mehr Formen von Gewalt erlebt.
Junge Frauen hätten darüber hinaus ein höheres Risiko, Gewalt zu erleben. „Das Risiko einer Frau, Opfer von Gewalt geworden zu sein, nimmt mit zunehmendem Alter deutlich ab“, so Statec. Gewalterfahrungen steigerten außerdem bei den Frauen die Unsicherheit und die Sorge davor, weiteren Übergriffen ausgesetzt zu sein, beispielsweise von Unbekannten. 41 Prozent der weiblichen Opfer gaben an, eher oder sehr besorgt zu sein, von einem Unbekannten angegriffen zu werden, verglichen mit 27 Prozent der Frauen, die keine Gewalt erlebt haben. „Die Erfahrung der Viktimisierung geht mit dem Gefühl der Unsicherheit einher“, schlussfolgert die Behörde. „Die Gewalterfahrung steht in direktem Zusammenhang mit der subjektiven Wahrnehmung von Sicherheit. In diesem Sinne ist Viktimisierung eine soziale Frage, die sich direkt auf die Lebensqualität der Opfer und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen auswirkt.“
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