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DiversitätAustraliens neue Außenministerin kommt aus Asien

Diversität / Australiens neue Außenministerin kommt aus Asien
Die neue australische Außenministerin Penny Wong Foto: Außenministerium, Australien

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Seit der Wahl am 21. Mai hat Australien ein neues Parlament, das deutlich diverser ist als noch in früheren Jahren. Australiens neue sozialdemokratische Außenministerin Penny Wong ist eine Asiatin, die nicht einmal im Land geboren wurde. Auch ein malaysischer Delfintrainer und mehrere hochkarätige indigene Politiker schafften es ins Parlament. Das endgültige Kabinett wurde nun am Mittwoch eingeschworen.

Bisher war Australiens Parlament sehr weiß und vor allem männlich. Doch die australische Parlamentswahl Mitte Mai hat dem nun endlich ein Ende gesetzt. In der neuen sozialdemokratischen Regierung sticht vor allem die frischgebackene Außenministerin ins Auge: Penny Wong ist die erste Asiatin in der Position. Sie ist in Malaysia geboren und kam erst als Kind nach Australien.

So zog die heute 53-Jährige mit acht Jahren mit ihrer Familie nach Adelaide in Südaustralien. Nach dem Abitur studierte Wong Kunst und Jura und engagierte sich früh in der Gewerkschaftsbewegung, bevor sie nach Sydney zog, wo sie Ministerialberaterin in der damaligen Labor-Regierung im Bundesstaat New South Wales wurde.

Doch erst als sie wieder nach Adelaide zurückkehrte, wurde sie ins Parlament gewählt, zunächst als Senatorin für die australischen Sozialdemokraten. Bereits unter einer früheren Labor-Regierung hielt sie einen ersten Ministerposten – damals diente sie als Ministerin für Klimawandel und Wasser. Später war sie Ministerin für Finanzen und Deregulierung. Seit Labor das Zepter 2013 schließlich an das Mitte-rechts-Bündnis abgeben musste, das bis zur jetzigen Wahl an der Macht blieb, kümmerte sie sich als Schattenministerin um auswärtige Angelegenheiten.

„Gläserne Decke“ mehrfach durchbrochen

Wong durchbricht die „gläserne Decke“ gleich in mehrfacher Hinsicht: Als Frau, als Asiatin und als Mitglied der LGBTQ-Gemeinde: So lebt sie mit ihrer Partnerin Sophie Allouache und ihren beiden Kindern zusammen in Adelaide. Als das australische Volk 2017 in einem Volksentscheid für die gleichgeschlechtliche Ehe stimmte, war sie eine der Haupt-Befürworterinnen. Als das „Ja“ zur Homoehe schließlich feststand, rührte das Wong, die ansonsten eher für einen kühlen Kopf und einen scharfen Humor bekannt ist, zu Tränen.

Als Außenministerin sprang sie nun sofort ins kalte Wasser. Als noch nicht einmal alle Stimmen vollständig ausgezählt waren, wurde sie bereits eingeschworen, um den neuen Premierminister Anthony Albanese zum sogenannten Quad-Meeting zwischen den USA, Japan und Indien in Tokio zu begleiten. Einen Tag später reiste sie nach Fidschi, um Australiens Rolle im Pazifik zu stärken – eine Region, auf die Peking derzeit aktiv Einfluss nehmen möchte.

Ihre Amtszeit begann Wong deswegen auch mit einer Videobotschaft an die Region. Darin versprach die Ministerin, dass Australien künftig „zuhören“ wolle, „weil es uns wichtig ist, was der Pazifik zu sagen hat“. Ganz oben auf dieser regionalen Wunschliste steht der Kampf gegen den Klimawandel.

Mehr Multikulti im Parlament

Penny Wong ist nicht die einzige Abgeordnete und Ministerin, die mehr Vielfalt ins australische Parlament bringt. Insgesamt sind die beiden Kammern seit der Wahl Mitte Mai deutlich diverser aufgestellt: Im Nordterritorium gingen beide Senatssitze an indigene Frauen – Malarndirri McCarthy von der Labor Party wurde wiedergewählt, Jacinta Price von den Country Liberals kommt neu dazu. Im Repräsentantenhaus wird mit Linda Burney eine indigene Frau Ministerin für indigene Angelegenheiten. Außerdem sitzen mit Marion Scrymgour und Gordon Reid zwei weitere indigene Abgeordnete im Parlament.

Auch sonst kommt ein wenig mehr Vielfalt ins Parlament: Beispielsweise schaffte es ein vietnamesischer Flüchtling ins Repräsentantenhaus und in Westaustralien wurde der in Malaysia geborene Sozialdemokrat Sam Lim ins Parlament gewählt. Lim lebt seit 2002 in Australien, spricht zehn Sprachen und war zeitweise buddhistischer Mönch, Polizist und Delfintrainer. Zwei muslimische Politiker erhielten zudem Ministerposten. Das endgültige Kabinett wurde am Mittwoch nun eingeschworen, da es eineinhalb Wochen dauerte, die Wahlsieger einiger hart umkämpfter Sitze zu bestimmen. Letztendlich war erst am Dienstagabend klar gewesen, dass die sozialdemokratische Labor Party mit einer Mehrheit von 77 Sitzen regieren kann und damit nicht auf die Unterstützung von Koalitionspartnern angewiesen ist.

Doppelstaatler unerwünscht

Obwohl Australien ein multikulturelles Land ist, wird es Doppelstaatlern nicht einfach gemacht, in die Politik zu gehen. Dabei wurde fast ein Drittel aller Australier in einem anderen Land geboren, fast die Hälfte hat – falls nicht im Ausland geboren – zumindest Eltern, die aus einem anderen Land stammen. Viele Australier besitzen deswegen mehrere Pässe oder haben automatisch durch Geburtsrecht oder über die Eltern eine weitere Staatsbürgerschaft.

Doch laut Gesetz dürfen australische Parlamentarier keine doppelte Staatsbürgerschaft besitzen, jede Verbindung zu einem anderen Land muss gekappt werden. Die früheren Premierminister Julia Gillard und Tony Abbott, die beide in Großbritannien geboren wurden, mussten die britische Staatsbürgerschaft ablegen. 2017 brachte diese Regelung gleich mehrere Politiker in Schwierigkeiten, darunter den damaligen Vizepremier Barnaby Joyce, der herausfand, dass er nicht nur Australier – sondern über seinen Vater auch Neuseeländer ist.