Boston Celtics

Historie: Die Mannschaft von der Ostküste ist nicht nur eine der geschichtsträchtigsten Franchises der NBA, sondern auch einer der erfolgreichsten. Es wäre der erste Titel seit 2008, aber der 18. insgesamt und damit würden sie an ihren größten Rivalen, den Los Angeles Lakers, vorbeiziehen. Eine späte Genugtuung für Vereinsikone Larry Bird.
Der Weg ins Finale: 51 Siege und 31 Niederlagen waren für die Celtics in der Eastern Conference gut genug für Platz zwei der Play-off-Setzliste. In Runde eins wurden die Brooklyn Nets klar mit 4:0 aus der Halle gefegt. Danach erwies sich der Weg weitaus komplizierter. Gegen die Titelverteidiger aus Milwaukee benötigten die Grünen ein siebtes Spiel, das jedoch deutlich mit 109:81 gewonnen wurde. Auch das Eastern Conference Finale musste in einem „Do or die“-Spiel entschieden werden. Die top gesetzten Miami Heat hatten Heimvorteil, aber Boston konnte sich in Florida mit 100:96 knapp durchsetzen.
Die Superstars: Die Karriere des 24-jährigen Jayson Tatum verläuft bilderbuchmäßig. 2017 war er der dritte Pick in Runde eins des NBA Drafts. Seitdem verbesserte er sich stetig, Jahr für Jahr, und ist nun in der oberen Etage des Sports einzuordnen. Statistisch gesehen ist er unumstritten, von allen verbliebenen Spielern führt er die Scorer-Liste an. In seinen jungen Jahren ist er für die Celtics schon zum „Go-to-Guy“ geworden und hat im wichtigsten Spiel der Play-offs 46 Punkte erzielt (Must-win in Spiel sechs gegen Milwaukee). Der Werdegang seines Teamkollegen Jaylen Brown verlief etwas ruhiger, aber mit ausgezeichneter Athletik und Vielseitigkeit (kann Guard oder Forward spielen) ist er das perfekte Pendant zu Tatum. Im Durchschnitt erzielten die zwei bislang zusammen 50 Punkte pro Play-off-Spiel und bilden eine perfekte Offensivkombination.
Der X-Faktor: Vieles wird davon abhängen, wie gut die ligabeste Defense mit den Distanzschützen der Warriors zurechtkommt und gleichzeitig auch innen clever verteidigt. Da wird Marcus Smart eine gewaltige Rolle spielen. Der „Defensive Player of the Year“ ist mit seinen 1,93 Metern kein ausgesprochen großer Spieler, besitzt jedoch ein sehr körperlich betontes Spiel. Er erzwingt gegnerische Fehler beim Wurf oder im Passspiel und ist der „aggressive Leader“ der Celtics.
Der Coach: Beide Head-Coaches sind „Rookies“. Der Unterschied ist, dass Bostons Ime Udoka schon fast zehn Jahre an der Seitenlinie als Assistent fungierte (San Antonio, Philadelphia und Brooklyn). Als Spieler war er kein Star, aber er erarbeitete sich einen soliden Ruf als Assistent und bekam im Sommer 2021 die Chance bei den Celtics. Zehn Monate später steht er mit seiner Mannschaft in den Finals, was nur die wenigsten geglaubt hätten. Er ist selbstbewusst und akribisch. Man sagt ihm nach, dass er einen guten Draht zu seinen Spielern hat, was ihm ermöglicht, das Optimum aus seinem talentierten Kader herauszuholen.
Golden State Warriors

Historie: Mit sechs Finals in den letzten acht Jahren gehören die Warriors zweifellos zu dem Besten, was die NBA momentan zu bieten hat. Drei Titel konnten sie in der Zeit einfahren, in der Summe sind es sechs. Zwischen 1947 und 1975 schlugen sie ebenfalls dreimal zu, zwei davon noch unter dem Namen Philadelphia Warriors.
Der Weg ins Finale: Obwohl die Bilanz der Warriors um zwei Siege (53) besser ausfiel, reichte es in der knallharten Western Conference nur für Platz drei der Setzliste. In den Play-offs hatte es das Team aus Kalifornien einfacher. Die Denver Nuggets wurden locker in die Schranken verwiesen (4:1). Im Duell gegen eines der Überraschungsteams, die Memphis Grizzlies, behielten die erfahrenen Warriors die Oberhand und schickten die jungen Grizzlies mit 4:2 nach Hause. Im Western Conference Finale konnte Golden State den übermächtigen Phoenix Suns aus dem Weg gehen und bezwangen die Dallas Mavericks in fünf Spielen.
Die Superstars: Die Experten sind sich einig, Stephen Curry ist nicht mehr so dominant wie früher. Der beste „Shooter“ in der Geschichte der NBA kann den Gegner mit seinen Dreiern zur Verzweiflung bringen, aber er ist 34 Jahre alt und nicht mehr schnell genug, um dauerhaft „clean looks“ zu bekommen. Nichtsdestotrotz ist auch ein etwas schwächerer Curry immer noch ein absoluter Superstar. Mit Klay Thompson ist der zweite Star der Warriors auch jenseits der 30. Für viele ist der Shooting Guard das Mentalitätsmonster des Teams, der schmerzlich wegen zwei schweren Verletzungen monatelang vermisst wurde. Thompson ist wie Curry ebenfalls ein exzellenter „Shooter“, der mit jedem Play-off-Spiel zu seiner alten Form zurückfindet.
Der X-Faktor: Jordan Poole war diese Saison die größte Überraschung im Team der Warriors. In der G-League fast ganz abgeschrieben, übertraf er alle Erwartungen in seiner zweiten Saison und spielte für den verletzten Thompson in der Starting Five. Auch nach der Rückkehr Thompsons fand man Platz für ihn. Offensiv kann er überragend sein, defensiv hat er noch einiges zu lernen. Dazu fehlt ihm noch die Konstanz, aber er hat das Potenzial, ein Spiel alleine zu entscheiden.
Der Coach: Joe Lacob, Mehrheitseigentümer der Golden State Warriors, war klar, dass er 2014 mit der Verpflichtung von Steve Kerr ein gewisses Risiko einging. Kerr hatte in seiner Spielerkarriere alles gewonnen, aber als Trainer war er ein unbeschriebenes Blatt. Der ehemalige Teamkollege von Michael Jordan überzeugte Lacob im Interview. „Er hatte sich hervorragend vorbereitet und wusste über unseren Klub bestens Bescheid. Das Gespräch war wie eine Tour de Force.“ Viel besser konnte es in den letzten Jahren für die Warriors kaum gehen. Es ist das sechste Finale in Kerrs acht Jahren als Coach, darunter drei Championships.
Tageblatt-Tipp
Alt gegen Jung, Erfahrung trifft auf Euphorie. Die Golden State Warriors sind zwar Favorit bei den Buchmachern, aber der Trend-Tipp in den letzten Tagen scheinen die Boston Celtics zu sein. In der „Regular Season“ duellierten sich die Finalisten zweimal, beide gewannen jeweils das Auswärtsspiel. Es wäre keine Überraschung, wenn es wieder knapp zugehen würde und die Entscheidung erst im siebten Spiel zugunsten der erfahrenen Warriors fällt.
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