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SpanienFreude auf La Palma: Bulldozer räumen erste Straßen frei

Spanien / Freude auf La Palma: Bulldozer räumen erste Straßen frei
Eine Person untersucht ein mit Asche bedecktes Haus in der Sperrzone in der Nähe des Vulkans Cumbre Vieja Foto: dpa/Europa Press/Alexandre Diaz

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Der Vulkan, der auf der spanischen Kanareninsel die größte Katastrophe seit Jahrhunderten ausgelöst und Tausende Häuser zerstört hat, gibt endlich Ruhe. Nachdem der Feuerberg im Süden der Insel tagelang keine Lava mehr gespuckt hatte, hat der Krisenstab den Ausbruch nun offiziell für beendet erklärt.

„Das ist das beste Weihnachtsgeschenk“, erklärte Spaniens Premier Pedro Sánchez. Und er versprach den 85.000 Inselbewohnern: „Zusammen werden wir diese wunderschöne Insel wiederaufbauen und die Schäden reparieren.“ Die Regierung hat mehr als 200 Millionen Euro für den Wiederaufbau versprochen, auch die EU will helfen. Schon an diesem Montag sollen die ersten Bulldozer anrollen und beginnen, Ascheberge und Lava wegzuräumen, die ein zwölf Quadratkilometer großes Gebiet unterhalb des Vulkans in eine Mondlandschaft verwandelt haben.

Schritt für Schritt werde man das Gelände, das die Lavaströme unter sich begraben haben, zurückerobern, verkündete der Inselpräsident Mariano Zapata. Zunächst müsse es darum gehen, Verkehrsverbindungen, Strom- und Wasserleitungen in dem zerstörten Gebiet wiederherzustellen. Insgesamt 70 Kilometer Straßen waren von den Lavamassen verschüttet worden. Darunter auch die Verbindungsstraße zur wichtigsten touristischen Hochburg der Insel, dem Ort Puerto Naos, der durch die Lavaströme von der Außenwelt abgeschnitten worden war.

„2022 wird ein besseres Jahr für die Insel sein“, sagte Ángel Víctor Torres, der regionale Regierungschef der vor Westafrika liegenden Kanarischen Inseln. Er feierte das Ende des Vulkans, der am 19. September, also vor nahezu 100 Tagen, in aller Heftigkeit ausgebrochen war. Angesichts der gigantischen Schäden auf der Insel bedauerte Torres zugleich: „Leider hat er sich nicht früher beruhigt.“ Es sei die schlimmste Vukankatastrophe, an die sich die Insulaner erinnern können. Zuletzt hatte es auf La Palma 1971 und 1949 Vulkanausbrüche gegeben, die aber nur kurz dauerten und geringe Schäden verursachten.

2022 wird ein besseres Jahr für die Insel sein

Ángel Víctor Torres, regionaler Regierungschef

Nach dem satellitengestützten EU-Beobachtungsprogramm Copernicus begrub die Lava 3.000 Gebäude unter sich, rund die Hälfte davon waren Wohnhäuser. Die Inselregierung spricht offiziell, gestützt auf das Liegenschaftsregister, nur von etwa 1.600 zerstörten Gebäuden. Der Unterschied erklärt sich daraus, dass viele Bauten „schwarz“, also ohne Genehmigung, errichtet worden waren und somit nicht im Katasterregister eingetragen waren. Zudem hatten rund die Hälfte der geschädigten Grundstücksbesitzer keine Versicherung, womit sie keine Entschädigung von den Assekuranzunternehmen erwarten können.

Die Nachricht vom Ende des Lavadramas wurde in der Bevölkerung mit großer Freude aufgenommen. „Das Einschlafen des Vulkans ist eine Erleichterung“, fasste Julio Pérez, der Sprecher des örtlichen Krisenstabs, die Stimmung zusammen. Auch wenn er klarmachte, dass die Gefahr noch nicht gänzlich vorbei ist. Es sei nicht gänzlich ausgeschlossen, dass es einen Rückfall gebe und der Vulkan doch noch einmal aufwache. Zudem waberten durch die Katastrophenzone giftige Gase, welche der Krater auf 1.100 Meter Höhe und die langsam erkaltenden Lavaströme ausstoßen. Pérez stellte klar: „Das Ende des Ausbruchs bedeutet noch nicht das Ende der Krise.“

Der Wiederaufbau kann beginnen

Die rund 7.000 Menschen, die vor dem Vulkan flüchten mussten, werden sich in Geduld üben müssen. Sie waren in Notunterkünften, Hotels oder bei Verwandten untergekommen. Ein Teil von ihnen wird hoffentlich in den nächsten Monaten zurückkehren können, soweit ihre Häuser nicht von der Lava zerstört, sondern nur von Vulkanasche begraben wurden. Viele Gebäude sind bis zum Dach von Asche eingeschneit und müssen freigelegt werden. Die von der Lava plattgewalzten Bauten sollen im Laufe der nächsten Jahre wieder aufgebaut werden. Ob dies mitten auf dem Lavafeld oder daneben geschehen wird, ist aber noch völlig unklar.

Sicher ist nur, dass sich die Inselbewohner auch von diesem Unglück nicht unterkriegen lassen wollen. „Wir sind stärker als der Vulkan“, lautet der Leitspruch, mit dem sich die Menschen auf dieser kleinen Eiland in Nachbarschaft der großen Inselschwestern Gran Canaria und Teneriffa gegenseitig Mut machen.

Manche können der Katastrophe sogar etwas Positives abgewinnen. So wie Valentina Fontecha, die Direktorin des Hotels Benahoare, das mitten im Vulkangebiet liegt und während des Ausbruchs keine Urlauber, sondern Geologen und Berichterstatter beherbergte. Mit dem Ende des Ausbruchs könnten nun auch die Touristen zurückkehren, die auf La Palma noch dampfende Lavaströme bewundern können.

„Vor dem Vulkanausbruch wusste kaum jemand im Ausland, wo La Palma liegt“, sagte Fontecha voller Optimismus gegenüber dem Tageblatt. „Aber jetzt kennt uns die ganze Welt.“