Die Übereinkunft von 110 Staaten weltweit ist mit öffentlichen und privaten Geldversprechen von insgesamt 16,45 Milliarden Euro untermauert. „Statt sich die Erde untertan zu machen, muss die Menschheit zu ihrer Hüterin werden“, rief der britische Premierminister Boris Johnson den Delegierten zu.
Eine bereits 2014 in New York unterzeichnete, internationale „Waldgarantie“ sah keine Finanzierungsinstrumente vor. Anders als damals gehören diesmal wichtige Umweltverschmutzer wie China und Russland sowie betroffene Staaten wie Brasilien, der Kongo und Indonesien zu den Unterzeichnern. Insgesamt repräsentieren sie rund 85 Prozent der Waldfläche weltweit. Die Initiative zugunsten der Regenwälder gehört zu den Herzensanliegen der britischen Gastgeber, wie Johnson in gewohnt blumiger Sprache betonte: „Lasst uns das große globale Kettensägen-Massaker beenden.“
Fachleute wie Professor Simon Lewis von der Londoner UCL-Universität begrüßten die Einigung als „gute Nachricht“. Allerdings bestehen erhebliche Zweifel, ob Populisten wie dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro zu trauen sei. Die Antwort des britischen Umweltministers George Eustice fiel diplomatisch aus: „Brasilien hat sich wirklich engagiert, das ist ein großer Schritt.“ Zudem verwies er auf die zur Verfügung stehenden Milliardensummen.
Tatsächlich dürften die konkreten Finanzzusagen den betroffenen Ländern des globalen Südens beim nötigen Umbau ihrer Volkswirtschaft helfen. Indonesien beispielsweise ist der weltweit größte Anbauer von Palmöl, das bei der Herstellung vieler Produkte von Haarshampoo bis Gebäck Anwendung findet. Die Ausweitung der Anbauflächen für Palmöl ebenso wie für Soja oder Kakao hat den eminent wichtigen Regenwald rund um den Äquator ebenso reduziert wie immer größere Weideflächen für Rinder und Schafe; allein in Brasilien war die Abholzung im vergangenen Jahr so groß wie seit zwölf Jahren nicht mehr.
Statt sich die Erde untertan zu machen, muss die Menschheit zu ihrer Hüterin werden
UN-Generalsekretär António Guterres wies auf das große Problem aller Klimakonferenzen hin: Die Weltgemeinschaft habe mit „einem ernsten Vertrauensproblem“ zu kämpfen. Verstärkt wird dies durch die zunehmenden geopolitischen Spannungen, vor allem zwischen dem Westen und der kommunistischen Diktatur China. Dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping verweigerten die britischen Gastgeber die Möglichkeit, sich per Video an die Konferenz zu wenden. Der 68-Jährige hat seit Beginn der Corona-Pandemie sein Land nicht mehr verlassen. In Glasgow war auch Russlands Präsident Wladimir Putin abwesend. Damit fehlten die Chefs zweier bedeutender Umweltverschmutzer – China allein ist für 30 Prozent der Treibhausgase weltweit verantwortlich.
Methan-Ausstoß reduzieren
Zu diesen zählt Methan, dessen Reduzierung um 30 Prozent bis 2030 eine neue Initiative der USA und der EU anstrebt. Dem UN-Klimaausschuss IPCC zufolge ist das farb- und geruchlose Gas für einen erheblichen Teil der schon bisher erfolgten Erderwärmung um 1 Grad Celsius verantwortlich; manche Experten sprechen von 40 Prozent. Es entsteht vor allem bei der Produktion und dem Transport von Erdgas.
Eine Wissenschaftlerin der Londoner Royal-Holloway-Universität machte sich kürzlich den Spaß, rund um das ausgedehnte COP26-Gelände in Glasgow Methan-Messungen vorzunehmen. An einer Pipeline nahe dem rund 25 Fußminuten entfernten berühmten Ibrox-Fußballstadion entwich eine Menge, die übers Jahr 50 Tonnen Schadstoffbelastung gleichkommt, berichtete Rebecca Fisher der Financial Times. Das entspricht ungefähr dem Ausstoß von 500 Kühen. Die zuständige Firma versprach eine baldige Reparatur des Lecks.
Weil diese zu den Hauptursachen der Methan-Belastung zählen, gilt die Reduzierung des Treibhausgases als wichtige Waffe im Kampf für das erklärte Ziel der UN-Konferenz: die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. „Es ist die schnellste Strategie, die wir haben“, glaubt der US-Klimabotschafter John Kerry. Unter den 100 Unterzeichnerstaaten der Methan-Initiative fehlen allerdings große Emissionsstaaten wie Indien, China und Russland.
Kein Zugang für Israels Energieministerin
Nach den zweitägigen Beratungen der Staats- und Regierungschefs gehen die Verhandlungen über Wege aus der Klimakrise jetzt in die Runde der Fachberatungen. Am Mittwoch steht „grüne Finanzierung“ im Mittelpunkt, am Donnerstag soll es vorrangig um nachhaltige Energien gehen. Im Ohr haben die Delegierten eine Mahnung von Queen Elizabeth. Sie müssten „den Ruf kommender Generationen vernehmen“, denn: „Keiner von uns wird ewig leben“, sagte die 95-Jährige in einer von Herzen kommenden Videobotschaft.
Einen peinlichen Schnitzer der Organisatoren musste der Premier auf diplomatischem Weg ausgleichen. Persönlich entschuldigte sich Johnson bei der israelischen Energieministerin Karine Elharrar dafür, dass die Rollstuhlfahrerin am Montag nicht an der Konferenz teilnehmen konnte. Beim für die Ministerin vorgesehenen Eingang waren Stufen im Weg, die verfügbaren Shuttle-Busse sind für die Beförderung von Rollstühlen nicht geeignet. Israels Premier Naftali Bennett sprach höflich von „einer Gelegenheit für uns alle, etwas über die Bedeutung von Barrierefreiheit für alle zu lernen“.
Zu Demaart
Die Holzmafia wird weiter illegal abholzen um sich die Geldsäcke zu füllen! Außerdem reicht ein Abholzungsstop nicht aus. Weltweit muss neu angepflanzt werden da wo noch Bäume wachsen können!