Dienstag13. Januar 2026

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SchülerartikelPandemie der Gehörlosen

Schülerartikel / Pandemie der Gehörlosen
 Foto: dpa/Jens Kalaene

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Wir alle hören Musik. Unterschiedlichste Musikrichtungen. Jazz, Rock, Schlager, Pop, Klassik. Wenn man eine Umfrage starten würde, würde wohl keine Menschenseele aussagen, freiwillig auf Musik verzichten zu wollen. Im Auto, im Bus, beim Spazieren oder einfach nur in der Freizeit. Wir Menschen lieben es, Musik zu hören, und es ist auch in gewisser Weise ein Teil von uns, und die Musik begleitet uns durch den Alltag. Jedoch nicht jeden von uns. Es gibt Menschen, die dieses Privileg nicht haben, Musik genießen zu können, auf jeden Fall nicht so, wie hörende Menschen es tun.

Wie sieht ein Tag eines Gehörlosen aus? Das kann sich wohl auch keiner vorstellen, der hören kann, und die Corona-Pandemie vereinfacht die Situation für die Betroffenen nicht.

Morgens aufstehen, der Wecker klingelt, oder doch nicht. Zumindest nicht für den Gehörlosen. Wir hörende Menschen bemerken, dass unser Wecker klingelt, aber ein Gehörloser eben nicht. Schon das Aufwecken wird also zur Herausforderung. Zum Glück gibt es aber Wecker, die nicht klingeln, sondern mit Licht arbeiten. So werden Gehörlose geweckt, ohne hören zu müssen.

Die nächste Herausforderung stellt sich morgens beim Frühstückholen oder allgemein beim Einkaufen gehen. Wie soll man dem Verkäufer signalisieren, was man haben möchte, wenn die eine Person den anderen nicht versteht? Die Kommunikation schlägt fehl, wenn man nicht dieselbe Sprache spricht.

Tatsächlich nehmen Nicht-Hörende die Umgebung ganz anders wahr, da sie nichts hören oder laute Geräusche nur ganz verschwommen wahrnehmen. Sie müssen eine Strategie entwickeln, sich zu verständigen in einer Welt der Hörenden. Zur Verständigung gibt es natürlich die Gebärdensprache, die die meisten Gehörlosen beherrschen. Doch was bringt es, wenn keiner, abgesehen von Gehörlosen, diese Sprache beherrscht? Taube können sehr einfach so untereinander kommunizieren, jedoch nicht mit Hörenden, die diese Sprache nicht beherrschen. Wenn also im Alltag mit der Gebärdensprache selten geholfen ist, muss die Kommunikation mit kleinen Gesten hergestellt werden.

Erschwerende Lage

So ist es eben auch beim Einkaufen. Gehörlose müssen überall, ob es beim Einkaufen oder im alltäglichen Leben ist, versuchen sich verständlich zu machen, sodass der Hörende sie verstehen. Es kann plötzlich zu einer großen Herausforderung werden, ein paar Brötchen zu bestellen, sich nach einem bestimmten Produkt zu erkundigen oder eine Wegbeschreibung zu erhalten.

Einige Gehörlose haben sogar das Sprechen mit sehr viel Übung erlernt und können sich so besonders gut mit Hörenden verständigen. Trotzdem stoßen auch sie auf viele Hindernisse in ihrem Alltag. In Luxemburg, einem Land mit einer ganz besonderen sprachlichen Situation, haben es Gehörlose besonders schwer. Luxemburgisch, Deutsch, Französisch und immer mehr auch Englisch spielen in Luxemburg eine Rolle. Selbst hörende Menschen geraten hier an ihre sprachlichen Grenzen. Gehörlose haben aber nochmals einen anderen Draht zu Sprachen, das vereinfacht es nicht, sich mit anderen und neuen Sprachen auseinanderzusetzen. Wieder entstehen kommunikative Lücken.

Die aktuelle Lage mit der Covid-19-Pandemie erschwert die Situation nochmals: Wir sind alle verpflichtet, in der Öffentlichkeit Masken zu tragen. Während hörende Menschen, allen voran unsere Lehrer, sich ständig über die genuschelte Kommunikation durch die Masken beschweren, haben die Masken für hörgeschädigte Menschen viel verheerendere Folgen. Hörgeschädigte können nämlich oft Lippen lesen und verstehen so, was der Gesprächspartner mitteilen möchte. Doch mit der Verpflichtung, Masken zu tragen wird es unmöglich, Lippen zu lesen, und so wird es unmöglich, als Nicht-Hörender herauszufinden, was der Gegenüberstehende zu sagen hat.

Die Pandemie macht die ohnehin schwierige Kommunikation für Gehörlose tatsächlich noch schwieriger.