Die meisten Flüge waren Verbindungen mit Deutschland, wo in vielen Bundesländern die Osterferien zu Ende gingen. Zehntausende Urlauber flogen wieder zurück in die germanische Heimat. Aber auch Richtung Schweiz, Österreich, Italien und Luxemburg starteten etliche Rückflüge. Auf der Insel, die über Ostern einen unerwartet großen Besucherboom erlebte, wird es nun vorerst wieder stiller.
Mallorcas Hoteliers, die seit einem Jahr wenig zu feiern haben, schöpften über Ostern ein bisschen Hoffnung auf bessere Zeiten. Dank der Ankunft der ausländischen Touristen konnten zumindest einige Hotels nach Monaten der coronabedingten Flaute wieder öffnen. Obwohl es unter dem Strich kaum mehr als zehn Prozent der Inselherbergen waren, die den Betrieb wieder aufnahmen. An vielen Hotelfassaden hängen Transparente mit der Aufschrift „SOS Tourismus“, um auf die Notlage der Branche aufmerksam zu machen.
Trotzdem ist die Bilanz positiv. Immerhin kamen seit Mitte März, als auf Mallorca der Tourismus wieder vorsichtig anrollte, annähernd 100.000 internationale Reisende auf Palmas Flughafen an. „Besser ein paar Einnahmen als gähnend leere Kassen“, sagt ein Hotelier an der Playa de Palma, wo Mallorcas bekannteste Urlaubshochburg liegt.
Auch die örtlichen Gesundheitsbehörden zeigten sich vorsichtig optimistisch: Die Befürchtung, dass die touristische Wiedereröffnung Mallorcas die Infektionszahlen in die Höhe treiben und die Insel in ein neues Ischgl verwandeln könnte, bestätigte sich bisher nicht. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist mit weniger als 30 Fällen pro 100.000 Einwohner seit Wochen stabil. Die Anti-Corona-Pläne Mallorcas scheinen also zu funktionieren. Und zwar besser als jene der Urlauber-Herkunftsländer, wo die wöchentliche Fallhäufigkeit sehr viel höher liegt als auf Mallorca.
Mallorcas Tourismusexperiment über Ostern scheint also nach den bisher vorliegenden Informationen weitgehend gelungen zu sein. Es wurden keine größeren Virenausbrüche unter Urlaubern bekannt. Allerdings ist die Inselregierung in dieser Hinsicht auch nicht sehr auskunftsfreudig und teilt üblicherweise keine größeren Einzelheiten zu Virusansteckungen unter Touristen mit. Bisher wurde lediglich allgemein darüber informiert, dass in den letzten Wochen mindestens 18 infizierte Reisende bei der Ankunft auf dem Flughafen entdeckt worden waren und in Quarantäne mussten. Zudem sickerte durch, dass wenigstens zwei deutsche und vier kroatische Urlauber Ostern in einem Quarantänehotel in Palma verbringen mussten.
Um fünf Uhr nachmittags ist Feierabend
„Die von uns ergriffenen Maßnahmen zeigen Ergebnisse“, freute sich am Wochenende die regionale Regierungschefin der Baleareninseln, Francina Armengol. „Aber wir müssen wachsam bleiben und nach Ostern erst einmal beobachten, wie sich die Epidemie entwickelt.“ Zu den mallorquinischen Sicherheitsmaßnahmen, die trotz sehr weniger Ansteckungen in Kraft bleiben, gehört zum Beispiel eine Ausgangssperre, die auch weiterhin von zehn Uhr abends bis sechs Uhr morgens gelten soll. Dieses Ausgehverbot sei eines der „grundlegenden Werkzeuge“, um die Epidemie zu kontrollieren, bekräftigte Armengol.
Zudem soll es bei der nur sehr behutsamen Öffnung der Gastronomie bleiben, welche derzeit nur die Außenterrassen bewirtschaften darf und dies auch lediglich bis fünf Uhr nachmittags. Weiter gilt auf der Insel eine sehr strenge Maskenpflicht, die sogar am Strand, am Pool und am Restauranttisch gilt, soweit der übliche Sicherheitsabstand unter Menschen, die nicht zusammenleben, nicht eingehalten werden kann.
Übrigens: Entgegen dem Ruf Mallorcas als Partyinsel herrscht im berühmten „Ballermann“-Viertel an der Playa de Palma immer noch gespenstische Ruhe. Die großen Partytempel wie etwa der „Bierkönig“ oder der „Megapark“ sind seit einem Jahr verrammelt.
Statt Party und Eimersaufen war daher auch in den Osterferien tagsüber vor allem Entspannung am Strand angesagt. Abends kam in den Hotels ebenfalls keine größere Feierstimmung auf. Denn auch an den Hotelbars wurde schon um 17 Uhr zum Zapfenstreich geblasen.
Zu Demaart
Wer trotzdem glaubt in die Ferne fliegen zu müssen um in diesen Zeiten etwas Besonderes zu erleben, ist auf dem Holzweg.