Die spanische Polizei bestätigte, dass sie gegen einen deutschen Inselarzt im Süden Mallorcas ermittelt, der in den letzten Tagen falsche oder unkorrekte Testbescheinigungen ausgestellt haben soll. Wie die Inselzeitung Ultima Hora berichtet, wollen die Fahnder jetzt alle Testzertifikate, die von dem Arzt in der jüngeren Vergangenheit ausgestellt worden sind, unter die Lupe nehmen.
Die Ermittlungen waren durch eine RTL-Reportage ins Rollen gekommen. In dem TV-Bericht wurde über den Fall einer Deutschen berichtet, die von dem Arzt eine Bescheinigung über einen negativen PCR-Coronatest bekommen habe, ohne dass bei ihr ein Nasen-Rachen-Abstrich gemacht worden sei. Zuvor hatte die Frau allerdings gegenüber dem Arzt geklagt, da sie Angst vor der nicht sehr angenehmen Testprozedur habe.
Als der RTL-Reporter später, ohne sich zu erkennen zu geben, versuchte, von dem Mediziner gleichfalls eine Bescheinigung ohne Test zu erhalten, gelang auch ihm dies. Allerdings ebenfalls nicht auf Anhieb. Sondern erst, nachdem er den Arzt mit dem Argument überredete, dass er den Abstrich mit dem tief in Nase und Mund eingeführten Abstrich fürchte. In beiden Fällen soll der Arzt 80 Euro für die falschen Bescheinigungen kassiert haben.
Die deutschsprachige Mallorca Zeitung berichtete daraufhin über weitere Merkwürdigkeiten in der deutschen Praxis. So habe etwa ein ausländischer Resident, dessen Name und Nationalität nicht bekannt gegeben wurde, den Mediziner um einen PCR-Test gebeten. Angesichts der ungewöhnlichen Umstände bei der Testabwicklung schöpfte der Mann jedoch Verdacht.
Zunächst fiel ihm auf, dass das Stäbchen bei ihm nicht tief, wie eigentlich üblich, in die Nase eingeführt wurde. „Nur etwa zwei Zentimeter“, zitiert ihn die Mallorca Zeitung. Dann wunderte er sich, dass ihm das negative Ergebnis schon Minuten später in der Praxis mitgeteilt wurde. „Es kann sich also nur um einen Schnelltest gehandelt haben“, berichtet der Testkunde in dem Blatt. Dabei habe er ausdrücklich um einen PCR-Test gebeten und diesen auch teuer bezahlt. Zudem habe ihm der Mediziner angeboten, das Testdatum auf den Tag vor dem Abflug zu verlegen.
Kein Einzelfall
Die mallorquinische Testaffäre ist offenbar kein Einzelfall in Spanien. Im Februar hatte die spanische Polizei drei Reisebüromitarbeiter in der Region Katalonien festgenommen, weil diese mit falschen PCR-Bescheinigungen für ihre Kunden gehandelt hatten. Ende März ertappte Spaniens Polizei eine ganze Busreisegruppe mit 31 Personen an der Landgrenze zu Frankreich, die mit gefälschten Testzertifikaten unterwegs war. Im gleichen Zeitraum erwischte Italiens Polizei sechs junge Spanier, die auf dem Flughafen Ciampino in Rom mit unechten Coronabescheinigungen reisen wollten.
Die Testpflicht für Reisende hat ganz offenbar und nicht nur in Spanien die Entstehung eines Schwarzmarktes für negative Coronazertifikate begünstigt. Deswegen warnte die Europäische Polizeibehörde Europol bereits Anfang Februar vor europaweitem Betrug mit Bescheinigungen, die nicht aus dem Labor, sondern aus den Hochleistungsdruckern von Trittbrettfahren stammen: „Während Reisebeschränkungen wegen der Pandemie in Kraft sind“, schrieb Europol, „ist es sehr wahrscheinlich, dass Kriminelle die Gelegenheit nutzen, um falsche Covid-19-Tests zu produzieren und zu verkaufen.“
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