Wien war in der Nacht Schauplatz eines blutigen Terrorangriffs, der mehrere Tote und Verletzte forderte. Kurz nach 20 Uhr fielen erste Schüsse im Bereich der Seitenstettengasse, wo sich eine Synagoge befindet, die schon 1981 Ziel eines palästinensischen Anschlags gewesen war.
Der offenbar von mehreren Tätern ausgeführte Angriff war bei Redaktionsschluss nach Angaben des österreichischen Innenministers Karl Nehammer (ÖVP) noch im Gang. Laut Wiener Rettung gibt es mehrere Verletzte und Todesopfer. Die Polizei bestätigte, dass ein Passant getötet und einer der Täter erschossen worden sei. Genaue Opferzahlen konnten vorerst nicht genannt werden. Auf einem Triage-Platz im Stadtzentrum wurden Verletzte nach Schwere ihrer Verletzungen sortiert.
Sechs Tatorte
Die Sicherheitsbehörden forderten die Menschen in der Innenstadt auf, ihre Häuser auf keinen Fall zu verlassen. In sozialen Medien kursierten mehrere Videos, die wild um sich schießende Männer zeigen. Auf einem ist ein Mann zu sehen, der wahllos in ein Lokal schießt. Ein anderes Video zeigt, wie ein Getroffener auf dem Schwedenplatz zu Boden fällt. Unbestätigten Berichten zufolge soll einer der flüchtigen Täter einen Sprengstoffgürtel umgeschnallt haben.
Innenminister Nehammer sagte im ORF, dass es sich augenscheinlich um einen Terroranschlag handele. „Der Angriff läuft noch“, sagte Nehammer gegen 21.45 Uhr. Genaueres sei in diesem Moment noch schwierig zu sagen. Die Polizei twitterte, dass mehrere Täter mit Langwaffen an dem Angriff beteiligt seien. Gegen 20 Uhr seien Schüsse „ausgehend vom Bereich Seitenstettengasse“ abgegeben worden. Die APA berichtete unter Berufung auf das Innenministerium, dass es eine Festnahme gegeben habe.
Auf Videos, die der Privatsender „Oe24“ am Montagabend ausstrahlte, war ein maskierter Schütze zu sehen, der auf offener Straße zumindest zwei Schüsse abfeuerte. Ein anderes Video zeigte eine große Blutlache vor einem Restaurant.
Ob die nahe gelegene Synagoge Ziel des Angriffs war, lasse sich noch nicht bestätigen, sagte die Sprecherin des Ministeriums. Die Hintergründe waren zunächst unklar. Eine ORF-Reporterin berichtete, dass weite Teile der Innenstadt abgesperrt seien und die Polizei nach etwaigen weiteren Tätern suche.
Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, schrieb auf Twitter, es könne derzeit nicht gesagt werden, ob der Stadttempel eines der Ziele war. „Fest steht allerdings, dass sowohl die Synagoge in der Seitenstettengasse als auch das Bürogebäude an der selben Adresse zum Zeitpunkt der ersten Schüsse nicht mehr in Betrieb und geschlossen waren.“
Die Polizei rief die Bürger dazu auf, öffentliche Plätze zu meiden. „Wir sind mit allen möglichen Kräften im Einsatz. Bitte meiden Sie alle öffentlichen Plätze im Stadtgebiet“, hieß es bei Twitter. Zudem wurde darum gebeten, keine Videos oder Fotos hochzuladen. „KEINE Videos und Fotos in sozialen Medien posten, dies gefährdet sowohl Einsatzkräfte als auch Zivilbevölkerung!“
In der Wiener Innenstadt werden nach Angaben der Polizei derzeit keine Haltestellen mehr vom öffentlichen Nahverkehr angefahren. „Bleiben Sie in Sicherheit, verlassen Sie öffentliche Orte umgehend“, twitterte die Polizei.
Zu Demaart
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