Eigentlich gilt Bosniens einflussreichster Strippenzieher Milorad Dodik als Mann von eher nachtragendem Gemüt. Doch obwohl US-Präsident Donald Trump erst im Juli die Sanktionen und das Einreiseverbot gegen das serbische Mitglied in Bosniens Staatspräsidium verlängert hat, drückt der Mann auf der Schwarzen US-Liste vergebungsgesinnt dem um seine Wiederwahl bangenden Amtsinhaber die Daumen. Er unterstütze Donald Trump, bekräftigte Dodik vor wenigen Tagen: Denn Joe Biden sei ein „gewöhnlicher Serbenhasser“.
Der Stimmenstreit in den fernen USA lässt auch in Mittel- und Südosteuropa kaum jemanden kalt. Obwohl Trump in den Umfragen hinten liegt, setzen nationalpopulistische Politiker im „neuen Europa“ auffällig undiplomatisch auf den vermeintlichen Außenseiter: Als seine lautstärksten Cheerleader in Europa machen sie aus ihrer Vorliebe für den US-Gesinnungsfreund kein Geheimnis.
„Go, win, Donald Trump“, feuerte unlängst Sloweniens Premier Janez Jansa per Twitter den US-Präsidenten an. Gleichzeitig wartete der Rechtsausleger aus dem Land der Trump-Gattin Melania mit einer Breitseite für dessen Konkurrenten auf: „Wir respektieren das tragische Leben von Joe Biden. Doch sollte er gewählt werden, wäre er einer der schwächsten Präsidenten der Geschichte. Während eine freie Welt so dringend wie nie zuvor starke Vereinigte Staaten benötigt.“
Polen preist Putin-Freund
Schon vor vier Jahren hatte sich Ungarns Premier Viktor Orban für Trump in die Wahlkampfbresche geworfen – eine Übung, die der Rumpelpatriot aus tiefer Überzeugung nun wiederholt: Er „kämpfe“ für die Wiederwahl Trumps, weil die mit ihm rivalisierenden Demokraten „auf moralischen Imperialismus“ setzen.
Andere Trump-Fans im Osten drücken sich diplomatischer aus. „Dank Präsident Trump erweisen sich die USA als absolut loyal uns gegenüber“, preist Polens Präsident Andrzej Duda den Amtskollegen. Ganz auf den keineswegs sicheren Trumpf Trump setzt auch Serbiens Staatschef Aleksandar Vucic: Angesichts der Zukunft Amerikas sei er „überzeugt“, dass der „außerordentlich erfolgreiche“ US-Präsident die Wahl gewinnen werde.
Für US-Wahlkämpfer ist die Schützenhilfe von Serbiens Politchamäleon allerdings nicht unbedingt ein gutes Omen. Vor vier Jahren war Vucic als Gastredner der Stiftung von Ex-Präsident Bill Clinton in New York aufgetreten – und dessen Frau Hillary hatte kurz danach prompt die Wahl verloren.
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