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Corona„Es läuft nicht gut“: Fast 6.000 tägliche Neuansteckungen bringen Spanien in Not 

Corona / „Es läuft nicht gut“: Fast 6.000 tägliche Neuansteckungen bringen Spanien in Not 
Eine Frau spaziert mit Maske durch Malaga: In keinem anderen europäischen Land ist die Erkrankungsrate so hoch wie im Urlaubsland Spanien Foto: AFP/Jorge Guerrero

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Spanien meldet fast 6.000 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus pro Tag. Nun droht auch den Kanaren eine Reisewarnung durch andere europäische Staaten. Und das alles kurz vorm September, wo in Spanien das Leben wieder anrollt. Ein Virusexperte warnt und spricht vor einer „explosiven Mischung“.

„Es läuft nicht gut“, sagt Fernando Simón, Spaniens Chef-Epidemiologe und Sprecher der Gesundheitsbehörden. In einigen Teilen des Landes sei die Epidemie schon wieder außer Kontrolle. Allein in den vergangenen sieben Tagen wurden 40.500 neue Infektionen registriert, das macht im Schnitt nahezu 5.800 Ansteckungen pro Tag. In keinem anderen europäischen Land ist die Erkrankungsrate so hoch wie im Urlaubsland Spanien. Nationale Gesundheitsexperten warnen bereits vor einem neuen „Virus-Tsunami“.

Weil sich die Lage immer weiter verschlechtert, droht nun sogar für die idyllischen Kanarischen Inseln eine Reisewarnung. Diese Vulkaninseln liegen rund 1.500 Kilometer von Spanien entfernt und galten bisher noch als weitgehend virusfreies Gebiet. Doch auf den Kanaren, auf denen im vergangenen Jahr 13 Millionen ausländische Touristen Urlaub machten, steigt die Zahl der Corona-Fälle nun ebenfalls steil an. Und zwar derart, dass die kritische Marke von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen übersprungen wurde. Ab dieser Schwelle verhängen Deutschland und andere europäische Länder üblicherweise Reisewarnungen.

Gestern lag dieser Risikowert für die Kanaren bereits bei 60 – mit steigender Tendenz. Spanienweit kletterte diese Referenzzahl mittlerweile auf 86. Deswegen warnen etliche europäische Länder schon länger vor Reisen aufs spanische Festland und nach Mallorca.

Madrid fürchtet neuen Lockdown 

Am bedenklichsten ist die Situation derzeit in der Hauptstadt Madrid, dem absoluten nationalen Hotspot, und im nördlichen Teil Spaniens. „Wenn die Fallzahlen weiter ansteigen, wird man drastische Maßnahmen ergreifen müssen“, warnt der Epidemiologe Simón, der den staatlichen Anti-Corona-Kampf koordiniert. Neue Ausgangssperren sind in Spanien also nicht ausgeschlossen.

Bisher versuchen die Behörden, den neuen Virusausbruch noch mit Appellen, Versammlungsbeschränkungen, einer generellen Schließung von Discos und Nachtbars sowie einer totalen Maskenpflicht zu bekämpfen.

Spanienweit gilt inzwischen sogar ein weitgehendes Rauchverbot in der Öffentlichkeit, um potenzielle Ansteckungsrisiken durch den ausgeatmeten Qualm zu verringern: Es darf nur noch geraucht werden, wenn sich im Umkreis von zwei Metern keine Mitmenschen befinden. Doch alle diese Maßnahmen konnten bisher die zweite große Viruswelle in Spanien nicht aufhalten.

Auch wenn sich die täglichen Fallzahlen nun schon wieder den Spitzenwerten im Frühjahr nähern, verlaufen die meisten Erkrankungen nun leichter, was sich in der Opferzahl spiegelt: Die Zahl der registrierten Corona-Toten liegt momentan mit 10 bis 20 pro Tag weit unter den Horrorzahlen von Ende März, als täglich 900 die Covid-19-Erkrankung nicht überlebten.

Die weniger dramatische Entwicklung der zweiten Epidemiewelle hat nach Einschätzung der spanischen Experten damit zu tun, dass nun die meisten Patienten nicht über 60, sondern unter 40 und damit gesundheitlich stabiler sind. Und dass zudem durch erhöhte Test- und Nachverfolgungskapazitäten jetzt deutlich mehr Infizierte ohne Krankheitssymptome erfasst werden.

Weniger Tote, weil die Patienten jünger sind

Nur rund fünf Prozent der Erkrankten müssen momentan im Hospital behandelt werden. Die spanischen Intensivstationen sind somit noch nicht, wie während der ersten Krankheitswelle, mit Patienten überfüllt. Dafür stehen aber die lokalen Gesundheitszentren, die für die Erstdiagnose der Infektion und für die Nachverfolgung der Kontaktpersonen zuständig sind, vor dem Kollaps.

Das Schlimmste könnte aber noch kommen. Im September rollt nach dem traditionellen spanischen Ferienmonat August wieder das öffentliche Leben an: Millionen Angestellte kehren in den nächsten Tagen an ihren Arbeitsplatz zurück. Schulen und Universitäten öffnen. Nahverkehrsbusse und -bahnen füllen sich wieder. Ein Albtraum für den staatlichen Virusexperten Simón, der dies als „explosive Mischung“ bezeichnet.

Einer Umfrage der Tageszeitung La Razón zufolge wollen etwa die Hälfte aller Eltern ihre Kinder nicht zu Schule schicken. Lehrer-Gewerkschaften drohen derweil mit Streiks, weil die Schulen für den Unterricht im Corona-Zeitalter nicht vorbereitet seien. Der Sommer sei nicht genutzt worden, um Sicherheitskonzepte zu erstellen, klagen sie.

In der Tat ist zum Beispiel bisher nicht einmal klar, ob es für Schüler und Lehrer eine Maskenpflicht geben wird. Vor dem Schulstart herrschten, beschreibt La Razón die Stimmung, „Chaos, Angst und Unsicherheit“.