Mit einem Dekret des Ministerrats hat Italien die sofortige Schließung aller Diskotheken und Tanzveranstaltungen verfügt. Grund für den Entscheid, so Gesundheitsminister Roberto Speranza (LeU, Linke), seien die steigenden Zahlen besonders jugendlicher Corona-Infizierter. Mit Besorgnis beobachte man den Trend, der sich auch im übrigen Europa zeigt. „Wir können es uns nicht leisten, die Anstrengungen der vergangenen Wochen und Monate aufs Spiel zu setzen“, so der Minister.
Aus gleichem Grund ist auch eine generelle Maskenpflicht an öffentlichen Plätzen zwischen 18 Uhr abends und 6 Uhr morgens eingeführt worden, in den Zeiten also, wo die Italiener sich gern zum abendlichen Treffen, der „Movida“ auf Straßen und Plätzen vor den Bars einfinden. Die Verantwortlichen des Gesundheitsministeriums wiesen zur Begründung des neuen Dekrets darauf hin, dass Infektions- und Kontaktketten unter Diskothekenbesuchern kaum zu verfolgen sind.
Regierung will weiter unterstützen
Arbeitsminister Stefano Patuanelli (M5S) erklärte, man verstehe die Besorgnis der Diskotheken- und Lokalbetreiber, doch gebe es angesichts der vorliegenden Daten keine andere Wahl. Die Regierung werde jedoch für den Gastronomiebereich weitere wirtschaftliche Hilfen lockermachen, um das Überleben der Branche zu sichern.
Wir sind nur ein grandioser Sündenbock und fühlen uns nicht für die steigenden Infektionszahlen verantwortlich
Allerdings zeigt die gegenwärtige Praxis, dass wegen der immensen Bürokratie, unter der das Land auch in Covid-freien Zeiten leidet, die Unterstützungen nur sehr gemächlich und mit großen Verspätungen bei der Zielgruppe ankommen. Wer bereits im April Hilfsgelder beantragte, muss auch im August noch auf deren Auszahlung warten – für manche Betreiber hatte dies bereits das wirtschaftliche Aus bedeutet.
Der Verband der Tanzlokal-Betreiber protestierte entschieden gegen die neuen Sicherheitsmaßnahmen Roms. Maurizio Pasca, Vorsitzender der Vereinigung, erklärte, die Diskotheken werden nur als ein „grandioser Sündenbock“ herhalten. „Wir fühlen uns nicht für die steigenden Infektionszahlen verantwortlich“, meinte Pasca und fügte hinzu, man werde ja sehen, ob die Zahlen stagnieren, wenn das Verbot der Veranstaltungen in Kraft getreten ist.
Betreiber protestieren
Die Diskotheken seien Orte des Zusammenkommens wie viele andere, auch dort seien die ohnehin schon existierenden Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Pasca sieht mit den neuen Maßnahmen einen Schaden von etwa 4 Milliarden Euro auf die Gastronomiewirtschaft zukommen. Sein Verband behalte sich eine Klage gegen das neue Dekret vor dem Verwaltungsgericht TAR vor.
Gesundheitsminister Speranza betonte nochmals, dass ein Ansteigen der Infektionszahlen auf jeden Fall unterbunden werden müsse. Es käme jetzt darauf an, alles zu sichern, um im Herbst den Lehrbetrieb an Schulen und Universitäten wieder aufnehmen zu können. Großes Augenmerk werde man auch auf die Infektionszahlen unter denjenigen richten, die aus dem Auslandsurlaub zurückkehren. Einen neuen kompletten Lockdown könne sich Italien in der derzeit schwierigen Wirtschaftslage nicht leisten.
Zu Demaart
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