In Neuseeland wird die Parlamentswahl aufgrund eines Coronavirus-Ausbruchs in Auckland um vier Wochen verschoben. Eigentlich sollten die rund 3,8 Millionen Wahlberechtigten Mitte September an die Wahlurnen treten. Stattdessen wird nun am 17. Oktober gewählt.
Die Verschiebung der Wahl zeigt, wie schnell und unvermittelt die Viruserkrankung ein Land wieder auf den Kopf stellen kann. Denn bis vor einer Woche galt Neuseeland noch als Covid-frei. Premierministerin Jacinda Ardern hatte gerade ihren Wahlkampf gestartet. Am 9. August spazierte sie noch über einen Bauernmarkt in Auckland, posierte für Selfies und kaufte das Gemüse für die Woche ein. Am selben Tag feierte sie, dass ihr Land 100 Tage virusfrei war – ein Erfolg, auf den die Welt zu diesem Zeitpunkt noch neidvoll blickte.
Kein normaler Wahlkampf möglich
Kaum drei Tage später jedoch nahm der Corona-Traum in dem pazifischen Inselstaat ein jähes Ende. Die Behörden meldeten vier Neuinfektionen in einer Familie, die sich bis zum Montag auf 58 Erkrankte ausgeweitet haben. Insgesamt zählt Neuseeland 78 aktive Infektionen im Land, fünf Menschen sind derzeit im Krankenhaus. Ardern verhängte daraufhin eine erneute Ausgangssperre für Neuseelands größte Stadt Auckland, wo sich die meisten Infizierten befinden. Dies sei „in Übereinstimmung mit unserem vorsichtigen Ansatz und der neuseeländischen Philosophie, hart und früh zu reagieren“, sagte sie.
Bis zum 26. August sollen die Kinder von zu Hause lernen und Angestellte im Homeoffice arbeiten. Wer einkaufen geht oder Sport macht, wird gebeten, eine Maske zu tragen. Da die Ausgangssperre in Auckland in den kommenden Wochen keinen normalen Wahlkampf erlaubt, hat Ardern die Parlamentswahl nun ebenfalls verschoben. Sie soll vier Wochen später als geplant stattfinden. Neben der Teilnahme von Wählern ginge es auch um Fairness, sagte die Sozialdemokratin am Montag. Außerdem habe die Wahlkommission auf diese Weise etwas mehr Zeit, die Abstimmung „sicher“ für die Bürger zu gestalten.
Covid ist die „neue Normalität der Welt“
Normalerweise liegt die Entscheidung über das genaue Datum der Wahl rein beim jeweiligen Premierminister Neuseelands, also in diesem Fall bei Jacinda Ardern. Aufgrund der speziellen Umstände wollte Ardern jedoch die anderen Parteichefs in ihre Entscheidungsfindung einbeziehen. Ihre Koalitionspartner, die Grüne Partei sowie die rechtspopulistische Partei New Zealand First, begrüßten die Entscheidung, die Wahl um einen Monat zu verschieben. Die Oppositionsführerin der National Party, Judith Collins, die eine Verzögerung bis 2021 gefordert hatte, sagte, sie „erkenne das neue Datum“ an.
Ardern, deren Labour Partei in Umfragen derzeit einen großen Vorsprung hat, schloss gleichzeitig eine weitere Verschiebung der Wahl aus. „Corona wird uns noch einige Zeit begleiten“, sagte die Politikerin. Covid sei die „neue Normalität für die Welt“. Wahlen immer wieder zu verschieben, sei deswegen keine Option.
Schlich sich das Virus über Waren aus dem Ausland ein?
Neuseeland arbeitet derzeit fieberhaft daran, den Ursprung des neuen Covid-19-Ausbruchs zu identifizieren. Neben Nachforschungen in Quarantäneunterkünften wird auch die Möglichkeit untersucht, dass sich das Virus über Fracht aus dem Ausland wieder ins Land eingeschlichen haben könnte. Einer der ersten Infizierten arbeitet in einem Kühllager am Hafen.
Die Behörden haben deswegen Oberflächen in dem Lager auf Covid-19 getestet. Untersucht wird, ob kontaminierte Waren aus dem Ausland das Virus an den Arbeitsplatz gebracht haben könnten. Oberflächenübertragung wird derzeit zwar als geringeres Risiko eingestuft als beispielsweise zwischenmenschlicher Kontakt, doch kalte Umgebungen wie in Fleischfabriken haben in etlichen Ländern bereits zu erheblichen Clustern geführt.
Zu Demaart
Der beste Beweis, dass niemand vor dieser Pandemie in absehbarer Zeit sicher ist.