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RusslandPutin durfte endlich die Parade zum Sieg im großen Vaterländischen Krieg abnehmen

Russland / Putin durfte endlich die Parade zum Sieg im großen Vaterländischen Krieg abnehmen
Zwischen Weltkriegs-Veteranen – die Medienberichten zufolge vor der Parade 14 Tage in einem Sanatorium in Quarantäne verbringen mussten – und wenigen Staatschefs nahm der russische Präsident Wladimir Putin die Siegesparade zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs ab  Foto: Sputnik/AFP/Alexey Nikolsky

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Am vergangenen Mittwoch hat der russische Präsident Wladimir Putin die Militärparade anlässlich des 75. Jahrestages seit der Beendigung des Zweiten Weltkrieges nachziehen lassen. Sie sollte ursprünglich am 9. Mai, dem Tag des Sowjetsieges über Deutschland, stattfinden, fiel aber wegen der Corona-Epidemie aus.

Feierlich versprach Putin im Mai, die Parade werde nachgeholt, sobald die Infektionslage es erlaube. Ende Mai wurde der Sieg über das bösartige Virus in Russland dann auch offiziell verkündet, obwohl es Stimmen gab, die behaupteten, dies sei noch lange nicht der Fall. Der Verdacht wurde sogar geäußert, dass offizielle Statistiken gefälscht wurden.

Offenbar hatte selbst der russische Präsident gewisse Bedenken. Statt die Chefs der russischen Verwaltungsgebiete und Teilrepubliken zur Abhaltung kleinerer Paraden in ihren Hauptstädten zu verpflichten, überließ Putin die letzte Entscheidung ihnen selbst. Bei einem eventuellen erneuten Anstieg der Infektionszahlen hätte derjenige, der den Befehl dazu gab, auch die Verantwortung dafür übernehmen müssen. Putin mochte es nicht.

Aber auch knapp zwei Dutzend von gut 80 russischen Regionalfürsten weigerten sich, Teilparaden auf ihrem Gebiet abzuhalten, und Putin schluckte es. Ihm kam es auch nicht auf die Provinz, sondern auf die zentrale Parade auf dem Moskauer Roten Platz an. Übrigens war der Moskauer Oberbürgermeister Sergej Sobjanin dagegen, Quarantänemaßnahmen vorzeitig aufzuheben. Er sah jedoch sehr wohl ein, dass Putin seine Parade brauchte und musste in den sauren Apfel beißen.

Nachhall der „Siegerparade“ von Juni 1945

„Der große Sieg“ von 1945 war schon seit Jahren für den Kreml nahezu das einzige Mittel, um den postsowjetischen Raum zusammenzuhalten und an sich zu binden. Die meisten Provinzfürsten kamen denn auch nach Moskau. Selbst der weißrussische Diktator Alexander Lukaschenko, der in letzter Zeit wiederholt öffentliche Auseinandersetzungen mit Putin hatte, konnte es sich nicht leisten, gestern auf dem Roten Platz zu fehlen. Auch die Präsidenten der verfeindeten Republiken Aserbaidschan und Armenien, des Weiteren aus Usbekistan, Tadschikistan und anderen Ländern, waren zugegen. Von allen anderen, auch bedeutenderen Staaten, waren auf höchster Ebene nur der serbische Präsident Alexandar Vucic vertreten.

Putin, der im Vorfeld der Veranstaltung immer neue Absagen aus dem Westen erhalten hatte, reagierte darauf scheinbar gleichgültig: „Sollen sie doch zu Hause bleiben. Es ist ja unser Sieg.“ Auch in seiner gestrigen Ansprache auf dem Roten Platz wetterte er gegen „Geschichtsfälscher“, die angeblich Russland „den Sieg stehlen“ wollten. Dabei betonte er die Stellung Russlands als Rechtsnachfolgerin der Sowjetunion.

Putin der Größte im Anlachen von Feinden

Wie dem auch sei, könnte der russische Präsident im Kampf um den Weltmeistertitel im Verderben der Beziehungen mit anderen Ländern antreten. Eine Militärparade am 24. Juni hatte es bisher in der ganzen Geschichte nur einmal gegeben, und zwar im Siegesjahr 1945. Damals warfen die Rotarmisten erbeutete Fahnen und Standarten des nationalsozialistischen Regimes, darunter die Leibstandarte Adolf Hitler, vor das Leninmausoleum auf den Boden. Dieses Schauspiel wurde später nie wiederholt. In diesem Sommer war Deutschland bei den Moskauer Feierlichkeiten Berichten zufolge durch den Botschafter der Bundesrepublik Geza Andreas von Geyr vertreten. Wahrhaft keine angenehme Aufgabe für ihn.

1945 ritt Stalins Siegesmarschall Georgi Schukow auf einem Schimmel über den Roten Platz. Er hatte den Reichstag in Berlin gestürmt. 2020 rollte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu in einem schwarzen Cabriolet vom Typ Aurus stehend aus dem Kremltor. Das repräsentative Fahrzeug war ursprünglich als gepanzerte Limousine für Putin entwickelt worden. Außerdem gibt es mehrere andere Ausführungen. Zur Begründung heißt es, der Präsident und seine Minister sollen mit keinem Mercedes, sondern mit einem großen russischen Auto fahren. Doch hält die neue Staatskarosse einem Vergleich mit dem weißen Schimmel von 1945 kaum stand.

Einheiten aus Indien und China

Diese Woche ratterten sowohl die bewährten T-34-Panzer als auch die neuen Armatas über die Steinquader des Roten Platzes. Im Himmel donnerten die größten Transporthubschrauber der Welt über die Parade. Neben russischen Soldaten und Soldatinnen marschierten Einheiten aus Indien und China, was Russlands Erfolge in der internationalen militärischen Kooperation veranschaulichen sollte. Der Fortschritt lässt sich bekanntlich nicht aufhalten. Etwas Sorgen bereitet nur das bereits erwähnte Coronavirus. Die Zuschauertribüne wurde so gebaut, dass die Gäste zwangsläufig den vorgeschriebenen Abstand zueinander einhalten mussten. Tausende Moskauer kamen jedoch gestern in den Stadtkern, um sich den Vorbeimarsch der Truppen und die Technik anzuschauen. Die meisten von ihnen dachten nicht daran, den „sozialen Abstand“ einzuhalten. In der Regel hatten sie auch keinen Mundschutz und keine Handschuhe.

HTK
24. Juni 2020 - 23.02

"Früher war mehr Lametta!" (Väterchen Hoppenstedt) Während die einen paradieren,graben die anderen Massengräber aus.